Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 28. Juni 2014

Toren an den Toren

Kann bei der Weltmeisterschaft eigentlich auch ein Foul an sich selbst mit einer gelben oder roten Karte bestraft werden? Was wäre, wenn ein Schütze sich vor dem Elfmeter genüsslich die Unterarme ritzte? Oder sich gar für einen missglückten Pass geißelte? So weit sind wir zwar noch nicht, aber wo wäre der qualitative Unterschied zur Ansicht der Verstümmelung der eigenen Haut, den uns eine große Zahl kickender Ornament-Tapeten Spiel um Spiel zumutet? Unabhängig von der Stellung, die man zur dauerhaften Beschriftung der eigenen Haut einnimmt, bleibt spätestens seit diesem Fußball-Event zu konstatieren: Das Tattoo ist nicht mehr bloß ein Erkennungsmerkmal gesellschaftlicher Außenseiter wie früher, sondern ist im Mainstream sowohl des Jetsets als auch der Allgemeinheit angekommen. Das aber hat Gründe, die zu kennen wichtiger sind, als eine Minderheit zu verurteilen, die auf dem Weg zur Mehrheit zu sein scheint.

Samstag, 23. Juni 2012

Frustball total

Aus der Europameisterschaft der schönsten Nebensache der Welt wird mehr und mehr die Europameisterschaft der unschönen Nebensächlichkeiten der Welt. Fußballfunktionäre und Medien lassen keine Gelegenheit aus, sich zu profilieren, während die Spieler vordringlich Ihren Egotrip optimieren. Währenddessen feiern die Zuschauer eine Party nach der anderen, ohne so richtig verstehen zu wollen, was da auf dem Platz passiert. Kein Wunder, dass die Spiele eher spannend als schön sind, und dass das Fußballspiel hier mal wieder als lebendiges Beispiel für den umfassenden Niedergang herhalten muss.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Relativer Rassismus

Die Gruppen der Fußball-Europameisterschaft wurden dann doch tatsächlich ausgelost, obwohl die Sportart wieder einmal gegen alle Regeln des politisch korrekten Fair Play verstoßen hat. Das meinten jedenfalls voller Zorn und Häme die üblichen Sichaufreger von Politik und Medien (wo ist eigentlich noch der Unterschied?). Verursacher war diesmal der 75-jährige offizielle Anführer der Fußballgemeinschaft Sepp Blatter, seines Zeichens Präsident des Weltverbandes FIFA, der es wagte, einmal in seinem Leben die Wahrheit zu sagen. Was war sein „Verbrechen“? Er hat bestätigt, dass es auf dem Fußballplatz häufig und naturnotwendig zu Beleidigungen kommt. Was war sein Fehler? Er hat nicht bedacht, dass manche Wahrheiten wahrer sind als andere.