Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.
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Samstag, 1. April 2017

Ende mit Schrecken

Wenn die Repression zu stark wird, bleibt nur das Opfer oder die Flucht
"Korrigierte Hetze"

Über den Verlust an Demokratie zu schreiben ist eine Sache, ihn zu erleben eine andere. Vor einigen Tagen wurde Konrad Kustos Opfer eines Anschlags linksextremistischer Kreise. Auf seine Wohnungstür wurde in roter Farbe geschmiert: „Hier wohnt ein Nazi“, und sein Auto wurde fahruntauglich gemacht. Der materielle Schaden ist beherrschbar, der mentale nicht. Der Hass und die Gewalt derjenigen, die sich für die Gerechten halten, sind in meiner persönlichen Lebenswirklichkeit angekommen, und ich weiß derzeit nicht, ob und wie es enden wird. Was ich weiß, ist, wie ich damit umgehen werde: Meine körperliche Verfassung erlaubt mir nicht, den Kampf aufzunehmen; ich werde mich dem Terror beugen. Von heute an ruht dieser Blog dauerhaft in der Hoffnung, seinen Autor aus der Schusslinie der Intoleranz zu führen. Man möge mich der Feigheit bezichtigen oder dieses Statement als Ausdruck des Protestes betrachten, aber Fakt ist, diese Stimme für die Freiheit, für den geistigen Austausch und gegen Gewalt und Intoleranz verstummt ab heute.

Samstag, 5. November 2016

Trump ist Trumpf

Bildquelle: TheWealthWatchman.com
Was fordert der Hauptfeind des Systems?
Wie sich die Bilder gleichen: In Deutschland bezeichnete ein prominenter Sozialdemokrat kritische Bürger, also die, die seiner Herrschaftslogik nicht brav folgend ihre demokratischen Rechte wahrnehmen, als „Pack“, in den USA nannte die Präsidentschaftskandidatin der (Sozial-)Demokraten, Hillary Clinton, Opponenten aus dem Volk „deplorable“, was so viel wie bedauernswert oder erbärmlich bedeutet. T-Shirts mit dieser Aufschrift sind jetzt bei Trump-Anhängern so populär wie in Deutschland die Demo-Parole „Wir sind das Pack“. Wir lernen aus der gemeinsamen Feindseligkeit der Volksvertreter gegen das eigene Volk, dass es eine Internationale des Hasses gibt. Deren populärstes Opfer beiderseits des Atlantiks ist wohl Donald Trump. Er spricht die Sprache des Volkes, er spricht dem Volk aus der Seele. Und damit ist er naturgemäß ein Todfeind des Systems.

Samstag, 8. Oktober 2016

Direkte Idiotie

Demokratie kennt keine Abkürzungen
Ginge es nach dem Kanton Appenzell, gäbe es dort noch immer kein Frauenstimmrecht. Das entsprechende Referendum der (ausschließlich männlichen?) Appenzeller wurde aber zu Recht oder zu Unrecht vom Schweizer Bundesgericht gekippt. So geht es eben mit den Voten der Bevölkerung, wenn die wirkliche Macht andere Vorstellung hat. Die Erkenntnis, Volksentscheide hätten wohl eher einen kosmetischen Charakter, teilen deshalb wohl auch die Leser von Konrad Kustos, denn Posts, die sich mit Plebisziten auseinandersetzen, haben auf diesem Blog die schlechteste Einschaltquote überhaupt. Doch so lapidar ist das Ganze nicht, denn hinter der Frage, ob das Volk sich besser durch eine parlamentarische Demokratie oder durch Volksabstimmungen gängeln lässt, versteckt sich auch die Auseinandersetzung, wie in Zeiten des Niedergangs die Demokratie überhaupt verteidigt werden könnte. Und da müssen wir alle aus Eigeninteresse dranbleiben, auch wenn es derzeit in jeder Hinsicht düster aussieht.

Samstag, 28. Mai 2016

Kustos kopiert: Die Selbstherrlichen

In diesen Wochen kümmert sich der Kustos-Blog um die Zusammenhänge von Flüchtlingspolitik und anderen Fehlentwicklungen mit Herrschaft. Das begann vor einer Woche auf der individuellen Ebene mit der Person Merkel, widmet sich demnächst allgemeinen mentalen Defiziten in Deutschland gefolgt von der sorgenvollen Betrachtung um die Bedeutung für die Entwicklung unserer Demokratie, um schließlich, nach der Sommerpause, endlich die Frage nach den wahren ökonomischen Triebkräften eines nur scheinbar moralischen Handelns zu stellen. Im Zusammenhang mit zu beobachtenden erheblichen und zunehmenden psychologischen Deformationen vieler Bürger und besonders ihrer „Elite“, um die es am nächsten Sonnabend gehen soll, ist sozusagen als Vorgeschmack ein leicht gekürzter Artikel von Gerd Held außerordentlich lesenswert, der noch unter dem Eindruck der März-Wahlen entstanden ist. Held führt aus, wie in Deutschland jenseits aller politischen Zwänge und Absichten ein bestimmtes soziales Milieu die Meinungs- und Führungshoheit übernommen hat.

Samstag, 9. April 2016

Neue Ortungspolitik

"Auf der Suche nach neuen Inhalten"
Bildquelle: pixabay.com
Politische Koordinaten verschieben sich
Früher war vielleicht nicht alles besser, aber einfacher. Linke waren links und Rechte rechts, man wusste, wo man stand, und wo der Gegner, den es zu bekämpfen galt. Die Einwanderungspolitik einer Blockparteienregierung zeigt nun endgültig, dass ein schleichender Paradigmenwechsel die alten Kriterien der politischen Einordnung außer Kraft gesetzt hat. Leider hat ein Großteil der politischen Akteure dies noch nicht begriffen und lebt daher im ständigen Widerstreit der eigenen ideologischen Grundprogrammierung mit den neu herangewachsenen Erfordernissen des Überlebens in den Apparaten der Niedergangsgesellschaft. Auch in etlichen Texten von Konrad Kustos ging es mit den politischen Himmelsrichtungen bisweilen durcheinander, weil angesichts mangelnder Begrifflichkeiten nicht immer der ganze Erklärungsapparat für die neuen politischen Himmelsrichtungen mitgeliefert werden konnte. Deshalb werden die nächsten beiden Posts sich der aufregenden Aufgabe zuwenden zu beschreiben, was aus dem alten politischen Ver-Ortungssystem neues, wie sollte es anders sein: Ungutes, geworden ist.

Samstag, 12. März 2016

Linke macht rechte Macht


Zeichnung: de.godsboss.org
Ideologische Unterdrückung erzeugt Gegendruck
Dieser Post sollte mit einem YouTube-Video beginnen, in dem gezeigt wird, wie eine 6-8köpfige Gruppe junger Menschen nichtdeutscher Herkunft auf offener Straße eine Frau erst umstellt, sie jeder Fluchtmöglichkeit beraubt und dann in einer unglaublichen Brutalität zusammenschlägt. Doch was nicht sein darf, darf eben auch nicht gezeigt werden: YouTube hat dieses Video entfernt, zuerst mit der Begründung, es habe einen Hasscharakter, und inzwischen interessanterweise mit dem Verweis auf Richtlinien zu Belästigung und Mobbing. Tarnung ist alles. Keiner der drei Vorwürfe lässt sich in irgendeiner Form aufrechterhalten, aber die Zensur funktioniert eben schon prächtig. Mit diesem letztlich staatlich induzierten Vorgehen wird kongenial das Thema dieses Posts unterstrichen: Das System übt immer offener informelle Gewalt aus und schürt damit die Emotionen, gegen die es vorzugehen vorgibt. Die Wahrheit wird als Hass verleumdet, und die Lüge schürt den Hass.

Samstag, 21. Februar 2015

„Danke, liebe Antifa!“

Danke, liebe Cholera! Was haben wir der Seuche nicht alles zu verdanken: Vermeidung von Überbevölkerung, evolutionäre Stärkung des Genpotentials, weniger hungrige Mäuler. Ganz zu schweigen davon, was die Krankheit selbst für einen Spaß beim Austoben hat, wenn man sie lässt. In diesem Geiste hat Sebastian Leber vom Berliner Tagesspiegel einen Artikel „Danke, liebe Antifa!“ geschrieben, nur dass es darin nicht um die Cholera, sondern um etwas sehr ähnliches, nämlich die Antifa, ging. Also nach normaler Lesart eine Bande ideologisch Verwirrter, die sengend und plündernd durchs Land zieht und sich selbst als der militante Arm der Gerechtigkeit sieht. Doch als Heilsbringer nimmt sie auch Herr Leber wahr, dessen Pamphlet „Danke, liebe Antifa!“ (mit Ausrufungszeichen!) durch den Umgang mit dem bürgerlichen Ungehorsam der Pegidas, Legidas und anderen Egidas plötzlich traurige Aktualität gewonnen hat. Auch wenn es jeden Demokraten schmerzen wird, kann ein genauerer Blick auf dessen brachiale Unbedarftheit uns die Augen öffnen. Er zeigt, was im bundesrepublikanischen Diskurs inzwischen möglich ist und mit welchen Verkürzungen und Verfälschungen gearbeitet wird, vor allem aber welche gefährliche neue Moral gerade definiert wird.

Samstag, 31. Januar 2015

Islam-Schisma

Deutschland im Winter
Nach den Anschlägen von Paris rief Angela Merkel in einer Fernsehansprache die Europäer dazu auf, gemeinsame Werte zu verteidigen. Das ist natürlich ein grandioser Widerspruch, hatte sie uns doch kurz zuvor in ihrer Weihnachtsansprache noch belehrt, dass zum deutschen Volk alles gehört, was Beine hat (und natürlich auch, wenn es keine Beine hat), also auch jedwede außereuropäischen Personen - egal ob mit oder ohne unseren europäischen Kulturwerten. Pegida also, so ihre damalige Argumentation, solle nicht gefolgt werden, denn die riefen ja ‚Wir sind das Volk’ und meinten damit, ‚Ihr gehört nicht dazu, wegen eurer Hautfarbe oder eurer Religion’. Nun weiß natürlich selbst eine Physikerin wie Angela Merkel ganz genau, dass Hautfarbe und Religion durchaus eine identitätsstiftende, wenn auch nicht ausschließliche Rolle bei der Definition einer Volkszugehörigkeit spielen. Hinzu kommen Dinge wie eine gemeinsame Geschichte, Weltsicht und Traditionen, Kultur und Sprache - und auch da werden Migranten zumindest in den ersten zehn Jahren ihres Aufenthalts nicht besonders üppig punkten können. Merkels Fehltritt war aber kein Zufall, sondern beschreibt den immer tiefer werdenden weltanschaulichen Riss, der quer durch die deutsche Bevölkerung geht: Deutschland steht vor einem Schisma.

Samstag, 18. Oktober 2014

TISA-Taser

Trotz aller Geheimhaltungsversuche, trotz des Verschweigens durch die Medien, trotz aller ersatzweise entzündeten Nebelkerzen hat zumindest ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung mitbekommen, dass unter dem Namen TTIP ein nie dagewesener ökonomischer Angriff sowohl auf den Sozialstaat einerseits als auch auf unsere bisherige Form marktwirtschaftlichen Wirtschaftens andererseits bevorsteht. Dabei geht es keineswegs um das - wenn überhaupt einmal - zitierte Chlorhühnchen, sondern es geht um die Entmachtung des Staates zu Gunsten postkapitalistischer Konzerne. Doch im Windschatten von TTIP - und noch viel weniger bekannt und bekämpft - kommt schon die nächste apokalyptische Katastrophe dahergeritten: TISA.

Samstag, 12. April 2014

Enorm konform

Wenn über Kanzlerin Merkel auf Seite eins einer angesehenen Zeitung berichtet wird, sie wolle einen Streit „versachlichen“, weil es in der eigenen Partei „immer schrillere Töne“ gebe, ist das keine politische Information, sondern ein Hinweis auf den Zustand unserer Medien. Ein Artikel, der in seiner Machart nicht als Einzelfall, sondern als Teil des Mainstreams schrill und unsachlich wertet, zeigt, dass der Wertekanon der Presse in eine Krise geraten ist. Unübersehbar dreist wird hier schon in der Wortwahl unverfroren parteigenommen - eigentlich eine Todsünde des Journalismus, jedenfalls dessen, der sich noch an Werte gebunden fühlte. Tatsächlich ging es hier um die Debatte zur Armutseinwanderung, bei der einige Mitglieder der ehemaligen Volkspartei CDU nicht mehr bedingungslos der Führung bei ihrer Einwanderungspolitik folgen wollten. Und deshalb sagt uns dieses Zitat auch noch ein zweites: Der Journalismus hat sich von einer korrigierenden Gegenkraft zur willfährigen Gefolgschaft der Mächtigen entwickelt.

Samstag, 11. Januar 2014

Wieder Mist gebaut

"City-Cube: Quadratisch ja,
doch Praktisch? Gut?"
Foto: Konrad Kustos
„Quadratisch - Praktisch - Gut.“ Der Werbespruch für die Ritter-Sport-Schokolade hat sich Generationen eingeprägt. Dieses QPG gilt aber auch als Credo jener Spezies von unsportlichen Raub-Rittern, die mit nichts weniger als der Aufgabe betraut sind, unser Lebensumfeld zu gestalten: Architekten. Deren stetig wachsendes Sündenregister wird merkwürdigerweise öffentlich weniger diskutiert, als der Geschmack und die Inhaltsstoffe von Schokolade, dabei ist die Umgebung, in der wir leben und arbeiten, ein ungleich wichtigeres Lebensmittel. Wenn ein Politiker sich räuspert, sind die Medien voll davon, wenn ein Architekt für Hunderte von Millionen Euro eine Innenstadt mittels grauer Beton- oder Granit- oder Glaswürfel vernichtet, ist das eine Randnotiz in der Lokalpresse. Die Tatsache, dass Berlin nun auch noch einen City Cube der Marke QPG erhält, ist wenigstens für Konrad Kustos Anlass, das Wirken einer besonderen Spezies von mehrheitlich gefährlichen Ideologen in Augenschein zu nehmen.

Samstag, 20. April 2013

Alternativ zum Mief

Die Feinde meiner Feinde sind ja eigentlich tendenziell meine Freunde. Was macht man aber, wenn eine neue Partei gegen das politische Establishment antritt und den unseligen Euro ins Visier nimmt, die ansonsten leider für eine Wirtschaftspolitik steht, die derart dreist nicht einmal vom herrschenden Einheitsparteienkonsortium umgesetzt wird? Die Rede ist natürlich von der „Alternative für Deutschland“, die sich am vergangenen Sonntag gegründet hat und die der erste ernsthafte Versuch seit Einführung des Euro ist, einen erheblichen latenten Widerstand erfolgreich zu bündeln. Darf man also, um zur Kernfrage zurückzukommen, den Teufel mit Beelzebub austreiben? Eine Frage, der wir uns nur kybernetisch nähern können. Einen Hinweis liefert die Gülle, mit der die AfD aus Anlass ihrer Gründung vonseiten der Presse und der etablierten Parteien überschüttet wurde.

Samstag, 15. September 2012

Euro-Gericht richtet es nicht

Eine neue Studie hat ergeben, dass man ganz Berlin für 239 Milliarden Euro kaufen kann. Damit sind natürlich die Immobilien gemeint, die Politiker kosten extra. Fast dieselbe Summe, nämlich 190 Milliarden Euro, ist jetzt mit Billigung des Bundesverfassungsgerichts durch EU-Gremien von deutschen Staatskonten abbuchbar, ohne dass Deutschland dazu gefragt werden muss. Das sollte uns natürlich nicht weiter irritieren, denn wenn von Deutschland mehr Geld gefordert wird, und das wird es werden, dann sind in bekannter Praxis weitere Zahlungen schnell auf den Weg gebracht. Dieses Deutschland handelt nicht so, wie es die Deutschen wollen, sondern wie es seine demokratisch gewählten Politiker in Opposition dazu wollen. Die Schere zwischen dem Volkswillen und dem Volksvertreterwillen wird immer größer, die Demokratie schafft sich ab.

Samstag, 26. Mai 2012

Sarrazins Eurotik

Da haben sich zwei Parteien gefunden: Wenn Sarrazin sich räuspert, bricht Mainstream-Politikern der dekorative Hassschweiß aus. Also räuspert er sich eben gerne ebenso publikumswirksam. Diese Tragikkomödie des Niedergangs ist aber nicht nur peinlich, sondern symptomatisch für vieles, was falschläuft. Diesmal erzählt uns Sarrazin, der alte Zahlenhexer, in seinem neuen Buch „Europa braucht den Euro nicht“ allerhand Sachen, die wir schon eine ganze Weile wussten. Immerhin: Vielleicht lässt seine Popularität noch einige Euro-Gefolgsmenschen konvertieren - was aber auch nichts hilft, solange den Mächtigen die Anzahl ihrer Gegner völlig egal ist. So entlarvt die Reaktion auf Sarrazin viel mehr über das neue Friedensreich Europa als dessen Argumente.

Sonntag, 11. März 2012

Die Banken danken


Schuldenschnitt für Griechenland, na gut, sollen sie doch ihre Akropolis behalten. Aber die kürzlich beschlossenen 530 Milliarden Euro frisch gedrucktes Geld als Bankenbonus sind ein anderes, grundsätzlicheres Kaliber. Lohnt es da überhaupt noch, EU und Euro beim Weg in den Abgrund weiter schreibend zu begleiten? Und wenn ja, wie lange soll das so gehen, wenn nun anscheinend alle paar Monate Milliarden in den Sand gesetzt werden? Keine Ahnung, dieser Blog hat schließlich keine Stabilitätskriterien. Die allerdings hat die EU, wenngleich sich bisher in der Geschichte dieser Umverteilungsorganisation noch niemand daran halten musste. 530 Milliarden Euro also sind es diesmal, die notleidenden Banken von der Europäischen Zentralbank (EZB) für ein paar Peanuts zur Verfügung gestellt werden. Besonders notleidend sind die Banken in Südeuropa, besonders viel bezahlen bekanntlich die Deutschen. Dafür nehmen sie normalerweise teure Kredite bei Banken auf, damit die Banken billige Kredite an Pleitebanken vergeben können. Klingt nicht nur irre, ist es auch. Doch diesmal ist alles ganz anders.

Sonntag, 5. Februar 2012

Eurokraten-Paten

Vor einer Woche ging es an dieser Stelle um ruinöse Drogeriewaren, und diesmal geht es um einen desaströsen Persil-Schein. Nicht nur einen für vergangene Missetaten, sondern praktischerweise einen, in den Versagen und Betrug für die Zukunft gleich eingebaut wird. Einen Weißwascher für ein Konstrukt, das unsere Zukunft mehr verändern wird, als es auf die ersten, ohnehin schon erschreckenden Blicke erkennbar ist. Die Rede ist vom ESM, dem „Stabilitätsmechanismus“ für die Eurozone, der nicht nur ein verzweifelter Versuch ist, die europäische Konkursverschleppung zu intensivieren, sondern auch ein Anschlag auf die Demokratie an sich. Ein Terrorakt von oben, der unsere politischen Denk- und Verhaltensweisen nachhaltig verändern wird.

Sonntag, 15. Januar 2012

Fraglicher Frühling

Nun haben sie fertiggewählt in Ägypten. Wahlen sind demokratisch, verhindern Alleinherrschaften und haben sich bei uns bestens bewährt. Sie sind einfach toll, weil sie zum Grundkonsens unseres Zusammenlebens gehören. Noch besser sind Wahlen allerdings, wenn bei ihnen auch Demokraten Demokraten wählen. Da sieht es nun in Ägypten, einem der einflussreichsten Länder Arabiens, schon schlechter aus: rund 40% für die offiziell als moderat-islamistisch eingestufte Partei der Muslimbrüder, mehr als 20 Prozent für die radikale Partei des Lichts. Insgesamt eine dramatische Mehrheit islamistischer Kräfte. Da staunen unsere Medien, hatten sie doch seit Monaten den Aufbruch der Araber in eine Zeit der Freiheit bejubelt, und nicht nur in Ägypten geht der Schuss nun nach hinten los.