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| Deutschland im Winter |
Manch einer mag einwenden, der Begriff Schisma stünde eher
für die Spaltung einer Religionsgemeinschaft, doch wo ist der qualitative
Unterschied angesichts des religiösen Eifers (mit durchaus religiösen
geistesgeschichtlichen Hintergründen), mit dem ein Teil der Bevölkerung gegen
den anderen vorgeht? Die Hetze gegen Pegida und alle anderen Partoutnichtverstehenwoller
der doch so coolen Migrationspolitik nimmt
inklusive angedrohter Konsequenzen geradezu inquisitorische Ausmaße an. Erste Entlassungen und Parteiausschlüsse sind
nur Vorboten des Sturms auf unser demokratisches Miteinander.
Bemühen wir noch einmal Frau Merkel, die zwar nicht
charismatisch, aber dafür umso mehr ‚schismatisch’ die Deutschen über das
‚Neudenk’ ihrer Regierung aufklärte, nach der es in Deutschland zwar die
Demonstrationsfreiheit gebe, aber „für Hetze und Verleumdung kein Platz“ sei. Dabei
hat sie es natürlich nicht nötig, ihre Schlüsselbegriffe zu definieren oder gar
deren Berechtigung nachzuweisen. Dank ihres Amtes kann sie schließlich gar
nicht hetzen oder verleumden. Oder doch?
Alexander Grau, anscheinend eine der wenigen verbliebenen
Lichtgestalten der Medienlandschaft, schreibt dazu im Cicero,
dass Hetze selbstverständlich zum bundesdeutschen (Demonstrations-)Alltag
gehöre: „etwa gegen ‚die Märkte’, ‚die Wall Street’ oder die ‚Heuschrecken’“. Und
er folgert: „Doch was Hetze und Verleumdung ist, (oder) hingegen Sorge oder
begründete Skepsis, das entscheidet man heutzutage im Kanzleramt. Gut zu
wissen.“ Von ihm noch gar nicht erwähnt werden die klassischen, und meist sogar
staatlich geförderten, Hassthemen: der geschürte Hass gegen „Genderfeinde“, „Klimafeinde“
und neuerdings auch noch „Russenfreunde“.
Was Merkel und die mit ihr marschierenden
Migrationsversteher aber wirklich bis zur Perfektion beherrschen und mit nicht
vermutbarer Dreistigkeit praktizieren, ist die psychologische Methode des
„Spiegelns“. Man hetzt und verleumdet die Andersdenkenden, indem man sie als
Hetzer und Verleumder bezeichnet. Man spricht Menschen das Demonstrationsrecht
ab und nennt sie „undemokratisch“. Man warnt vor ‚Rechts’, was auch immer das genau
sein mag, und betreibt die Gleichschaltung der Medien, der öffentlichen
Einrichtungen und möglichst auch der Öffentlichkeit selbst. Man verfasst
Hasstiraden
gegen den politischen Gegner, und legitimiert es damit, dass dieser angeblich
Hass predigt.
Eine besonders beeindruckende Spiegelfechterei gelang
Justizminister Maas, der, während normale Menschen noch versuchten ihren Schock
nach den Pariser Terroranschlägen zu bewältigen, schon den Pegida-Organisatoren
zurief, wenn sie noch über einen „Rest von Anstand“ verfügten, müssten sie
jetzt ihre „heuchlerischen“ Spaziergänge absagen. Wir kneifen uns in den Arm
und rekapitulieren: Da werden bei einem solchen Akt der Nichtzivilisiertheit die
Ängste der Menschen in schmerzlichster Weise und schneller als je gedacht
Realität, aber der Politiker fragt nur sein Spieglein an der Wand, das ihm
versichert, nicht islamische Terroristen seien an der Misere schuld, sondern
das eigene (Fuß-)Volk.
Dieses Spiegeln ist schon lange eine bewährte Methode der Linken,
die ihre naturgemäß einseitige Sicht der Dinge - wie die Namen ‚Links’ und
‚Rechts’ schon beschreiben - zu einer Position der ausgewogenen Mitte umbiegen möchte,
indem sie die wirkliche Mitte ins virtuelle ‚Rechts’ oder nach ‚Rechtsaußen’
verschiebt.
Dass ist besonders dann clever, wenn es wie hierzulande wirkliche
Rechte als Feindbild gar nicht in relevantem Maße gibt. Wenn die als Feind- und
Angstbild benötigten Faschisten also gar nicht existieren, dann werden sie eben
mithilfe von Journalisten, Politbewegten und Sozialwissenschaftlern geschnitzt.
Der Kampf gegen Rechts hatte seine reale Bedeutung in der
Nachkriegszeit, als die junge Demokratie noch von faschistischen Funktionären
und nazistischem Gedankengut durchsetzt war. In den folgenden Jahrzehnten, als
das rechte Gedankengut immer mehr an Bedeutung verlor, wurde der Kampf gegen
Rechts zu einer Phrase, die erst nur aus Gewohnheit gedroschen wurde und dann
immer mehr als Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen dieser
Gesellschaft diente.
Dabei zeigt sich nun immer mehr, dass die neue
Gleichschaltung nicht wie früher erst von einem Goebbels angewiesen werden muss,
sondern sich aus den Strukturen des Niedergangs von selbst entwickelt. Zwar freut
sich Konrad Kustos regelmäßig, wie peinlich dürftig die neuen Meinungsmacher ihre
Fäden ziehen und wie sehr sie sich durch ihre eigenen Äußerungen entblöden.
Doch leider hilft das nicht, weil das im Niedergang gewachsene Netzwerk der
Lüge inzwischen jede Absurdität auffängt und von vielen dankbar angenommen zur
virtuellen Realität erklärt. Das Schisma lauert sozusagen überall.
Vor dem Hintergrund des bisher Gesagten möge sich der
geneigte Leser einmal beispielhaft den Vorsitzenden der SPD-Fraktion Thomas
Oppermann zu Gemüte führen. Im Interview antwortete er auf das kritisch
hingeworfene Stichwort zu einer realen „Politikverachtung“: „Die Verachtung
gilt in der Regel nicht dem einzelnen
Politiker, sondern der Politik allgemein. Und sie kommt oft von Menschen mit autoritärer Grundhaltung.
Deren Haltung fußt auf einem Duktus der
Überlegenheit, der andere Menschen abwertet. Diese gefährliche Ideologie der Nichtgleichwertigkeit zeigt sich auch bei
Pegida.“
Nicht die Politiker müssen sich also Fragen stellen lassen,
sondern bösartige Bürger sind schuld. Nicht die Politiker sind autoritär,
sondern die Menschen, die die Politik kritisieren. Nicht die Politiker
ignorieren die Menschen und fühlen sich ungerechtfertigt überlegen, sondern das
arrogante Volk. Wunderbar, Herr Oppermann: alles untergebracht, nur nicht die
Frage beantwortet. Wieder hat sich die Methode bewährt, eine Frage sofort in
einen spiegelnden Gegenangriff umzufunktionieren. Und dazu sind ja auch all die
neuen Feindbilder da: um diesen vom Eigentlichen ablenkenden Spiegelkonstruktionen
einen Fokus zu geben.
Und aus der (üblen Nach-)Rede erwachsen zwangsläufig Taten. Die
Schüsse von Paris waren gerade vom Mediendonner eines ‚Kampfes für die
Pressefreiheit’ abgelöst worden, da verbot die Leipziger Stadtverwaltung der
Legida-Demo das Zeigen „sogenannter Mohammed-Karikaturen sowie anderer den
Islam oder andere Religionen beschimpfenden und böswillig verunglimpfenden
Plakate, Transparente, Banner oder andere Kundgebungsmittel“. Ein solcher
Angriff auf die Meinungsfreiheit ist eigentlich ein Fall für die Gerichte oder
für hartgesottene Neurologen, aber wir können sicher sein, dass nichts
passieren wird, außer dass das Beispiel Schule macht.
Die einseitige Darstellung der Themen Migration und Islam sowie
das Ignorieren von Bedürfnissen großer Teile des eigenen Volkes zeigt eine in
der Demokratie neue Qualität von Virtualität der Herrschenden. Der Dialog wird
durch Machtausübung ersetzt, die Realität durch Phrasen, Verschweigen und
Lügen. Wenige Tage nach Paris titelten die Zeitungen - als wäre nichts
geschehen - „Wie Bürger Pegida in die Schranken weisen“, zählten dafür über
zwei Zeitungsseiten jede einzelne Mahnwache von linken Berufsdemonstranten auf und
versteckten ganz hinten zehn Zeilen darüber, dass Pegida mit 25.000 Teilnehmern
einen neuen Rekord aufgestellt hatte.
Parallel dazu wachsen die Emotionen der so in zwei Lager
aufgeteilten Menschen. Die einen berauschen sich an ihrer politisch korrekten
Gesinnung und verachten den ‚rechten Pöbel’. Der wiederum kann die
Vergewaltigung der Realität nicht mehr verarbeiten und lebt in einem Zustand
zwischen Depression, Einschüchterung und wachsenden Aggressionen. An den
Arbeitsplätzen, in der Freizeit und in den Wohnstuben treffen die beiden
Positionen in einer Schärfe aufeinander, wie es die heute Lebenden noch nie
erleben mussten. Nicht nur die Tatsache, dass es um eine Existenzfrage einer
deutschen Nation, wie wir sie bisher verstanden haben, geht, sondern vor allem
die gnadenlose Arroganz und Chuzpe der Mächtigen schafft dieses Aggressionspotenzial.
„Wir erleben in der Bundesrepublik seit Längerem eine
Verschiebung und Aufspaltung von öffentlichen Diskursen",
verwissenschaftlicht der Politikwissenschaftler Werner Patzelt die Situation.
Auf der einen Seite stehen die „politisch korrekten Diskussionen in den
Kommunikationsräumen der politischen Klasse" und auf der anderen, „davon
weitgehend abgekoppelt, findet sich eine ganz andere Wahrnehmung von Themen wie
Einwanderung und Integration." Hilflosigkeit und Distanz zum
Parteiensystem wächst, wenn sich auch „in der Union dieses eher nach rechts
tendierende, politisch durchaus relevante Segment der Öffentlichkeit“ nicht
wiederfindet.
Nach einer recht aktuellen Umfrage haben 30% der Befragten
„voll und ganz“, 19% „eher ja“ und 26% „teils, teils“ Verständnis für Pegida. Das
kann man immerhin so interpretieren, dass drei Viertel der Deutschen trotz
aller Propaganda die Verweigerer einer kaum gezügelten Migration als
gesellschaftliche Kraft wahrnehmen. Was Letztere nicht davor bewahrt, „von den
Meinungsmachern dieses Landes wahlweise wie kleine Kinder, Minderbemittelte
oder Schwererziehbare behandelt“ zu werden, wie es Alexander Grau so schön
beschrieben hat. „Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik wurde der
Souverän (das Volk) in einer solchen Weise von den Etablierten in Parteien,
Medien und Verbänden beschimpft.“
Wie viele Freundschaften, wie viele Vereine, wie viele
Betriebsgemeinschaften werden jetzt auseinanderfallen, weil der gegenseitige
Zorn und aufkeimender Hass, weil das Schisma, jedes andere Thema und den Willen
zur Kooperation überdeckt? Welche Folgen wird es für unsere Gesellschaft haben,
wenn die Mächtigen erst richtig begreifen, wie einfach es mittlerweile ist,
virtuelle Weltmodelle zu implantieren? Können die Strukturen eines demokratischen
Umgangs sich vielleicht noch wie Phönix aus der Asche reorganisieren?
Insofern hat die ungezügelte Brutalität der gegenwärtigen
Vorgänge sogar etwas Gutes. Das entstehende Schisma befördert die notwendige
Spaltung der Bevölkerung in Wahrheitssuchende, also jene, die sich über den Widerspruch
definieren, und in Ideologen, die dem Anpassungsdruck einer sich als
fortschrittlich erklärenden, aber totalitär agierenden Pseudoreligion
nachgeben. Wohl auch deshalb haben all die Pegidas im Osten einen größeren
Zulauf: Dort haben sie ausführliche Erfahrungen mit staatlicher Ignoranz und
bevormundender Gewalt, ‚die es nur gut mit ihnen meint’.


Du übersiehst, dass wir uns heute immer mehr in einer postideologischen Zeit befinden. Die Spaltung in "links" und "rechts" beschreibt die Gesellschaft in unserem Land und in Europa nicht mehr. Auf einer individuellen Ebene kann man durchaus Positionen in sich vereinigen, die aus ganz unterschiedlichen Traditionen kommen, und manche Positionen kann man gar nicht mehr verorten (ist eine Putin-Sympathie links, wegen seiner und Russlands UdSSR-Vergangenheit, oder rechts, wegen der Bewunderung des russischen Imperialismus in Stellvertretung für den nicht mehr möglichen deutschen?). Auf einer gesellschaftlichen Ebene gibt es mehr die Trennung zwischen Mainstream-Mitschwimmern und -Infragestellern.
AntwortenLöschenAber auch bei den Mainstream-Infragestellern gibt es unendlich viele Varianten, und die PEGIDA-Kombination aus Islam-, Immigrations- und Medienfeindlichkeit deckt nur einen Teil dieser Varianten ab. Trotzdem sind das immer noch so viele und so unterschiedliche, dass sich diese "Massen"-bewegung, die die "schweigende Mehrheit" repräsentieren wollte, schnell von selbst wieder zerlegt.
Wenn diese Meinungsvielfalt den Menschen heute noch wirklich etwas bedeuten würde, dann müsste man mit Hölderlin sagen "ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen". Aber in einer Zeit, in der man in einem Jahr Revoluzzer und im nächsten Hipster sein kann, gibt es nur noch wenig, was die Massen WIRKLICH aufwühlt. Und das ist eher der Abstieg von Hertha BSC als irgendwelche Politik.
Ich weiss nur nicht, ob ich mich darüber freuen oder ärgern soll. Wenn die Menschen zu sehr engagiert sind für ihre jeweiligen Ideen, verlieren sie (oder andere) den Kopf, aber wenn sie zu uninteressiert sind, entwickelt sich etwas, was der immer noch größte Denker des Niedergangs, Oswald Spengler, als "Fellachenkultur" beschrieben hat.
Ich übersehe die von Dir famos beschriebenen ideologischen Seitwärtsbewegungen keineswegs, habe sogar schon einiges drüber hier geschrieben. Die zunehmende Auflösung von Links und Rechts ändert aber nichts an der immer stärkeren Ideologisierung der Menschen (Humanismus, Klima, Gender etc.). Und es ändert auch nichts daran, dass die Rechts-Keule weiter zur Unterdrückung missliebiger Positionen benutzt wird.
LöschenSehr irren dürftest Du allerdings bei Deiner Unterstellung, dass Hertha BSC absteigen könnte. Haben wir nicht Dardai, den Retter? Und die Aussage über den größten Denker des Niedergangs schmerzt sehr. Immerhin hat der gute Spengler noch fälschlicherweise von zyklischen Prozessen des Niedergangs gesprochen. Er konnte aber auch noch nicht wissen, dass es in einer globalisierten Informationsgesellschaft keinen Wiederaufschwung mehr geben kann.
AntwortenLöschenAusgezeichnet analysiert von Herrn Kustos, ich kann den Ausfuehrungen nur zustimmen. Allerdings treten gerade wegen der Demonstrationen von Pegida Lerneffekte bei Politikern und auch den Medien zutage, die man vor kurzer Zeit nicht fuer moeglich gehalten hat. Ein Herr Gabriel sagte kuerzlich oeffentlich, dass man das demokratische Recht hat, rechts und auch patriotisch und auch deutsch zu sein. Welch eine Erkenntnis, ein SPD Politiker trifft diese Aussage, ohne die Angesprochenen in die NAZI Ecke zu stellen. Kein Politiker der Union haette es wagen duerfen, eine derartige Aussage treffen zu duerfen, ohne dass es zu einem Proteststurm gekommen waere. Die FAZ hat stellenweise dazugelernt, hier wird sogar Verstaendnis der Belange von PEGIDA geaeussert.
Allerdings, jetzt, wo sie sich zerlegt, nehmen die Angriffe und die Haehme wieder deutlich zu. Insofern betrachte ich die Ausfuehrungen der FAZ al taktisches Manoever. Der FOCUS griff die AfD immer frontal an, sprach von teilweise rechtsradikalen Elementen, dann war die Partei sukzessive im Zeitrahmen der Berichtserstattung rechtspopulistisch, dann rechtskonservativ, zuletzt wird sie sogar als rechtsliberal dargestellt. Politik und Mainstream fuerchten mit gutem Grund die freien Medien wie GEOLITICO, Compakt, Kopp Verlag, etc. etc. Es ist gut dass diese am Ball bleiben, denn steter Tropfen hoehlt den Stein und fuehrt dazu, dass der Mainstream die Deutungshoheit fuer das Meinungsmonopol allmaehlich verliert.
Danke fuer den Bericht.
Vielen Dank für die Beschreibung dieser Folgeprozesse. Ich hatte schon überlegt, ähnliches zu tun, aber Sie haben mir das nun toll abgenommen.....
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