Als das Christentum im alten Rom Staatsreligion wurde, funktionierte man kurzerhand die Saturn-Feierlichkeiten zur Feier der Geburt Christi um. Aber in unseren „christlichen“ Weihnachtsbräuchen ist auch sonst nicht viel authentisch christlich. Nimrod, ein mythisch-mystischer vorderasiatischer König zweifelhaften Rufs, könnte der Vorläufer des durch den Kamin rutschenden Nikolaus gewesen sein. Immergrüne Feierbäume gab es schon im alten Ägypten, das Datum der Wintersonnenwende nutzten schon die Druiden und auch vorgeschichtliche Menschenopferer.
Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.
Sonntag, 25. Dezember 2011
Weihnachten des Wahnsinns
Als das Christentum im alten Rom Staatsreligion wurde, funktionierte man kurzerhand die Saturn-Feierlichkeiten zur Feier der Geburt Christi um. Aber in unseren „christlichen“ Weihnachtsbräuchen ist auch sonst nicht viel authentisch christlich. Nimrod, ein mythisch-mystischer vorderasiatischer König zweifelhaften Rufs, könnte der Vorläufer des durch den Kamin rutschenden Nikolaus gewesen sein. Immergrüne Feierbäume gab es schon im alten Ägypten, das Datum der Wintersonnenwende nutzten schon die Druiden und auch vorgeschichtliche Menschenopferer.
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Dienstag, 20. Dezember 2011
Beobachtungen 8
Nachts sind Berlins öffentliche Verkehrsmittel voll von jungen Menschen aus allen vorstellbaren Ländern. Sie unterscheiden sich in Sprache, Outfit und vermutlich auch den Zielen, die sie ansteuern. Eigentlich gibt es bei Ihnen nur zwei Gemeinsamkeiten: Wenn sie alleine oder zu zweit reisen, schauen sie die ganze Zeit wie verzaubert auf kleine Geräte, die ihnen die Wirklichkeit ersetzen. In größeren Gruppen halten sie stattdessen Bierflaschen in den Händen und kommunizieren leise und entspannt. Das Interessante daran ist: Diese Bierflaschen sind fast immer voll, die jungen Leute hingegen nie.
Sonntag, 18. Dezember 2011
Schwiriche Wirrsicht
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Sonntag, 11. Dezember 2011
Lohn der Intervention
Sonntag, 4. Dezember 2011
Relativer Rassismus
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Sonntag, 27. November 2011
Verkehr verkehrt
Sonntag, 20. November 2011
Erträgliche Umwelt
Sonntag, 13. November 2011
Kunst verhunzt
Weil Künstler bekanntlich kreativ sind, ist die neue Ecke nun keine Ecke mehr und auch nicht aus Fett, sondern eine verkalkte Plastikwanne.
Donnerstag, 10. November 2011
Beobachtungen 7
Plötzlich drei Grad tagsüber und Lichtverhältnisse wie in Mordor. Na ja, irgendwann musste es ja so kommen. Wenigstens liegt das am wenigsten am Niedergang, sondern an der Jahreszeit. Erstaunlicherweise kriegt diesen ruppigen Wechsel manch einer nicht mit, oder besser manch eine. Junge Mädchen im Frühling des Lebens schaukeln scharenweise ihre Dekolletes unter knappen Hemdchen weiter durch die Gegend als gäbe es nicht schon seit Wochen Schokoladenweihnachtsmänner bei Aldi. Statt Schmunzeln oder Stirnrunzeln soll das Anlass sein, mal wieder über kybernetisches Denken nachzudenken.
Sonntag, 6. November 2011
Milliarden-Monopoly
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| Zeichnung: Nick Anderson |
Sonntag, 30. Oktober 2011
Verstockte Aufstocker
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| Zum Vergrößern klicken. |
Sonntag, 23. Oktober 2011
Neuro Euro
Sonntag, 16. Oktober 2011
Anschluss Ausschluss
Wenn Ihr Euch schon mal gefragt habt, warum es Euch dauernd passiert, dass Ihr in einer Telefonwarteschlange verhungert, dass Ihr die dringend erwartete Post nicht bekommt, weil der Absender nachhaltig die Adresse falsch schreibt, oder dass die Autowerkstatt nur die Sachen repariert, die schon vorher funktioniert haben (diese Aufzählung bitte beliebig ergänzen), dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch: 1) Ihr seid nicht allein. 2) Daran wird sich nichts ändern.
Was die meisten bisher wohl für persönliches Pech halten, ist ein zwangsläufiges Strukturelement der Niedergangsgesellschaft. Aus vielen Gründen, die ich in meinem Buch beschreibe, kommt Chaos ins System, wird systematisch Chaos erzeugt. Je weniger die Strukturen in der Lage sind, zivilisatorische Aufgaben zu erledigen, desto mehr müssen die Verantwortlichen behaupten, sie hätten alles im Griff. Sie hoffen sogar, mit diesen virtuellen Leistungs“beweisen“ die Düpierten überzeugen zu können, dass alles in bester Ordnung sei.
Sonntag, 9. Oktober 2011
Beobachtungen 6
Immer wieder zu beobachten sind nicht zu beobachtende, weil nämlich fehlende Wörter in den Posts von Konrad Kustos. Das liegt nun nicht daran, dass dafür nicht genug Platz wäre oder der Autor mit dem Schreiben ganzer Sätze Probleme hätte (hat). Leider gibt es aber eine unheimliche Verweigerungshaltung des Blogspot-Systems hinsichtlich mancher Links. Wir bitten, das zu entschuldigen, und arbeiten unverdrossen gegen dieses Chaos mit System.
Radio Gaga
Konrad Kustos mag kein Radio, und wenn er hassen könnte, würde er dieses Medium wahrscheinlich sogar hassen. Einst als erstes elektrisches Massenmedium angetreten, die Welt zu informieren, kümmert es sich heute vornehmlich um das Deformieren im Zuge des Niedergangs. Während TV-Konsum voraussetzt, dass man sich für bestimmte Sendungen mehr oder weniger aufmerksam vor die Kiste setzt und welchen Inhalt auch immer konsumiert, ist das beim Radio gar nicht möglich. Es dient seinem Wesen nach der besinnungslosen Dauerberieselung, meist im Hintergrund und entsprechend tückisch.
Sonntag, 2. Oktober 2011
Laut Maut
Die ganz Alten unter uns kennen noch die zahnschmerzenverursachende Fernsehquizsendung „Erkennen Sie die Melodie“ aus den 60er und 70er Jahren. Es galt dort Opern- und Operettenmelodien zu erraten, präsentiert von einem zum Sujet passenden Moderator Ernst Stankovski. Die gute Nachricht war: Niemand war gezwungen, das Geknödel einzuschalten.
Sonntag, 25. September 2011
Lied-Leid
Sonntag, 18. September 2011
Verschworen verloren
Vor einer Woche wurde weltweit des Anschlags auf das World Trade Center gedacht. Entgegen der zur Schau gestellten Betroffenheit in dem Land, das vor zehn Jahren zum Opfer menschlicher Willkür und fanatischen Handelns wurde, war das für viele Amerikaner anscheinend eine zweischneidige Sache. Wenn man den Umfragen trauen will, glauben nämlich 53% von ihnen, dass die eigene Regierung die Finger im Spiel hatte, und immerhin 28% sind sicher, dass sie offiziell belogen werden. Nur 15% sind überzeugt, dass sich der Anschlag wie berichtet zugetragen habe. Dieser paranoide Zweifel ist nun allerdings viel dümmer als alles, was man den Amerikanern sonst ohnehin zuzutrauen bereit war. Das erfordert ein Entsetzen, das sich mit dem Anschlag selber durchaus vergleichen lässt. Das ist ein mentales 9/11.
Mittwoch, 14. September 2011
Beobachtungen 5
Um mich herum sind viele Freunde schlecht drauf, ja teilweise deprimiert oder diffus aggressiv. Und das sind ausgerechnet die Klugen und Sanftmütigen. Zunehmend verzweifeln sie an der Irrationalität des politischen Handelns und des Verlustes von Kooperation im Alltag. Sie leiden konkret unter dem Niedergang. Doch solange wir nicht hungern oder in den Krieg ziehen müssen, bleibt das bei aller Berechtigung ein Klagen auf hohem Niveau. Ich gönne mir deshalb gerade lieber einen Extrastrahl der Spätsommersonne oder sehe die Kastanien wie Bernstein im Straßenstaub funkeln. Und wenn man den anderen Gebeutelten noch ein Lächeln schenken kann, bekommt man auch mal eines zurück. Die Welt ist immer noch schön - trotz Niedergang.
Sonntag, 11. September 2011
Ekel-Menetekel
Schon klar, dass uns was fehlt. Uns fehlt das Jagen in der Steppe, das Hangeln durch die Bäume, das Hungern, Frieren, die Schmerzen und das frühe Sterben. Wir haben all das durch die Evolution in unseren Genen, nur lässt die Zivilisation diese elementaren Kicks nicht mehr zu. Wir säen nicht mehr; wir ernten nicht, sondern lassen ernten; wir sammeln nicht auf Konten, sondern konsumieren um die Wette. Und die irdische Mutter ernährt uns frei nach Matthäus doch (der Evangelist, nicht der Fußballer). Was bleibt uns vollversorgten Dekadenzkandidaten da noch? S-Bahn-Surfen, Freeclimbing, Skinheads-Beleidigen?
Sonntag, 4. September 2011
Heilsame Halluzinationen
Am vergangenen Sonntag klagte Konrad Kustos hier über die Neigung unserer Institutionen, Krankheiten zu Pandemien hochzujubeln. Doch wurde dort in der Listung die Maul- und Klauenseuche vergessen, die 2001 in Großbritannien einige landwirtschaftliche Betriebe befiel und europaweite Hysterie auslöste. Dabei befällt diese Krankheit weder in relevantem Maße den Menschen noch überlebt sie in gegartem Fleisch. Dieses Versehen soll hier den Aufhänger geben für einen ausnahmsweise nicht ganz ernstgemeinten Beitrag.
Sonntag, 28. August 2011
Hysterische Heil-Suche
Prognosen gehen gerne in die Hosen. Das wissen wir nicht erst, seit der britische Premierminister 1934 ausrief: "Glauben sie mir, Deutschland ist unfähig, einen Krieg zu führen" oder seit Albert Einstein ausführte: "Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass Atomenergie jemals nutzbar sein wird". Schon viel aktueller, nämlich im Juni 1989, glaubte dann der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder sagen zu müssen: "Nach vierzig Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht." Und weniger fahrlässig, aber genauso doof lautete das Urteil der Plattenfirma Decca über die Beatles von 1962. "Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern."
Mittwoch, 24. August 2011
Beobachtungen 4
Normalerweise kann man Konrad Kustos mit Rap-Musik in Rekordzeit auf den Baum jagen. Jetzt bin ich aber über einen jungen Österreicher oder vielmehr dessen Rap-Lyrik gestolpert, die mein (musikalisches) Weltbild mal wieder ins Wanken bringt. Zu beinahe hypnotischer Musik hat Kilez More ein künstlerisches Manifest zur Klimalüge verfasst. Das dazugehörige Video wartet mit ausdrucksstarken Bildern auf. Schaut mal rein: http://www.youtube.com/watch?v=AybBEuIpy44&feature=player_embedded#t=319s
Auch in anderen Liedern setzt sich der junge Mann erstaunlich hellsichtig mit dem System des Niedergangs auseinander. Dass er dabei manchmal mit Freimaurerverschwörungstheorien aufwartet, sei seiner Jugend zugeschrieben. Schließlich formuliert er doch selber so treffend skeptisch: „Lasst Euch keinen Eisbären aufbinden."
Auch in anderen Liedern setzt sich der junge Mann erstaunlich hellsichtig mit dem System des Niedergangs auseinander. Dass er dabei manchmal mit Freimaurerverschwörungstheorien aufwartet, sei seiner Jugend zugeschrieben. Schließlich formuliert er doch selber so treffend skeptisch: „Lasst Euch keinen Eisbären aufbinden."
Sonntag, 21. August 2011
Gesänge des Grauens
Am Mittwoch spielte der FC Bayern München daheim gegen den
FC Zürich um den Einzug in die Hauptrunde der Champions League. Gomez
traf fast alles, also die Luftlöcher, den Rasen und den Gegner, nur nicht das
Tor. Der Ball kreiselte mit hohem Tempo und war am Ende der Stafette wieder beim Torwart. Der Rasen war schön grün, wurde uns aber zu oft durch pomadige
Fußballer des Blickes entzogen. Aus dem Einstieg ersieht man, dass es hier schon wieder um Fußball geht, wenn auch diesmal um den der Männer, und nicht um ein gender-maingestreamtes
Schaulaufen wie bei der Frauen-Weltmeisterschaft im ausgefallenen Hochsommer.
Es geht diesmal also um das wirkliche Leben, und darauf kommt es ja in diesem
Blog im Grunde an.
Sonntag, 14. August 2011
Paul verkehrt
In meinem Buch über den Niedergang unserer Gesellschaft gibt es ein Paul-Prinzip. Ich habe das erfunden, um einen Begriff dafür zu haben, dass das berüchtigte Peter-Prinzip ausgedient hat, nach dem jeder Chef solange in der Betriebshierarchie aufsteigt, bis er nur noch Mist macht. Im fortgeschrittenen Niedergang ist es nämlich erforderlich, von Anfang an Mist zu machen, um überhaupt aufsteigen zu können. Warum das so ist, kann hier aus Platzgründen nicht abgehandelt werden, dafür aber – sprunghaft wie wir sind - ein ganz anderes Paul-Prinzip.
Von welchem Paul wir reden? Na, nicht von dem Erfinder des Christentums, also bleibt nur der Krake übrig, der Fußballdeutschlands Niederlage gegen Spanien vorausgesehen hatte. 35.000 Euro für den Leichnam des inzwischen verschiedenen Propheten bot das spanische Städtchen Car-ball-ino, das den englischstämmigen Paul einst zum Ehrenbürger kürte. Beim Tod des Weichtiers hatte übrigens die BBC eigens ihr Programm unterbrochen; da soll mal einer sagen, öffentlich rechtliche Programme würden nicht mit der Zeit schwimmen.
Sonntag, 7. August 2011
Prima Klima
Ende Juli, also mitten in einem schon wieder ausgefallenen Sommer, meldete der Deutsche Wetterdienst, das erste Halbjahr sei deutlich zu warm ausgefallen. Das klang logisch, denn wir hören ja von überall, dass es eine Klimaerwärmung gibt. Warum sollten wir uns also von einigen Skeptikern und unserer eigenen Wahrnehmung das Frieren verleiden lassen? Und um Ostern herum, gab es ja wirklich eine Art Sommer. Was man mit Statistik so alles machen kann.
Sonntag, 31. Juli 2011
Wirklicher Wandel
„Berlin ist, wenn engagierte Menschen auf die Straße gehen, um die Welt zu verbessern", so lautete kürzlich eines der täglich erscheinenden Lesermottos in einer Berliner Tageszeitung. Der 21-jährige Student hätte besser noch hinzufügen dürfen, wie denn die Welt im Detail zu verbessern sei. Schließlich sind früher die Menschen auf die Straße gegangen, um Hexen zu verbrennen, Schwule zu lynchen und Nazis zuzujubeln. Und auch heute gibt es nicht nur in Hameln Rattenfänger, die nur darauf warten, positive Energien der Menschen für kontraproduktive Ziele zu missbrauchen.
Sonntag, 24. Juli 2011
Rad Rat
Linear gedacht, ist alles so einfach. Für den Autofahrer, dass Radfahrer rücksichtslose Verkehrshindernisse sind, und für den Radfahrer, dass Autofahrer mit der Macht ihrer PS und ihres Maschinengewichts gefährliche Verkehrsmachos sind. Und da beide akzeptieren, dass es zu der Regel auch Ausnahmen gibt, kommen sie sich dabei, uneinsichtig wie sie sind, auch noch uneinseitig vor. Nicht nur der Umstand, dass der Fußgänger als ungefragtes Opfer dieses Konflikts immer wieder und immer mehr den Kürzeren zieht, zwingt mich heute zu ein paar kybernetischen Gedanken auf diesem undankbaren Feld ideologischer Vollsperrungen, sondern die Tatsache, dass es nun in Berlin eine anonyme Plakataktion gibt, die sich gegen rücksichtsloses und gefährliches Verhalten sogenannter „Kampfradler“ richtet.
Montag, 18. Juli 2011
Beobachtungen 3
Immer mehr Baumscheiben in Berlin werden jetzt – zumindest im Sommer – zu hübschen Blumenbeeten. Baumscheiben, das sind keinesfalls in Scheiben geschnittene Bäume, sondern das Drumherum von Straßenbäumen, und sie wurden bisher höchstens als Hundetoilette oder als Fahrradparkplatz genutzt. Nun beginnen Anwohner oder Geschäftsinhaber dieses „Terra Incognita" zu nutzen, um die Umwelt zu verschönern. Das ist schön, aber es ist auch viel mehr als das: Es ist ein Zeichen, dass es in einer Welt des Niedergangs auch gegenläufige Tendenzen gibt. Während also der Staat, um Geld zu sparen, ganze Parks verwahrlosen lässt, kreiert hier bürgerliches Engagement ein Stück (Gegen-) Kultur. Und sowohl der Ansatz als auch das Ergebnis zeigt einen weiteren Umstand, der uns in diesem Blog sicher noch beschäftigen wird: Unbeirrt von gelehrten Ästhetik-Päpsten, die uns erklären wollen, dass alle Schönheit, und mithin alle Anschauungen über die Welt an sich, eine individuelle, nicht verallgemeinerbare Sache sei, können Menschen mit einfachsten Mitteln Dinge von kollektivem Nutzen schaffen. Merke: Nicht nur Beete mit Mustern sind Musterbeete.
Sonntag, 17. Juli 2011
Peinliche Pillen
Die Bundesärztekammer ist so etwas wie das Zentralkomitee der Ärzte und als solches dem Wohlergehen der Ärzte so verpflichtet wie das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei den Kommunisten. Wohlgemerkt also nicht denen, für die sie vorgeben, tätig zu sein: den Menschen allgemein. Der Eid des Hippokrates wird eben immer mehr zu einem Ei des Kolumbus für Profiteure und zu einem Medienfake hinter dem sich ungesunde Interessen verstecken - neben monetären durchaus auch psychologische, aber dazu vielleicht ein anderes Mal.
Diese Bundesärztekammer also hat den verstärkten Einsatz von Scheinpräparaten, sogenannten Placebos, empfohlen. Zugrundegelegt wird die weit verbreitete Illusion, dass der Glaube an die Heilkraft mehr bewirken kann als eine richtige Medizin. Dies mag zwar insofern eine nachdenkenswerte Aussage sein, dass möglicherweise richtige Medizin häufiger schädlich als nützlich ist, doch bekommt ein Placebo dadurch noch lange keine Heilkraft.
Sonntag, 10. Juli 2011
Fürst Forst
Karl Marx hat einst so griffig gesagt, die Philosophen hätten zwar die Welt ausgiebig interpretiert, aber nun käme es darauf an, sie zu verändern. Im historischen Rückblick schien dabei das Problem gewesen zu sein, dass es mit dem Verändern nicht so recht geklappt hat, wie vom ollen Marxen gedacht. Doch das viel tieferliegende Problem in seinem Postulat wurde dabei schlicht übersehen: Schon bei den Philosophen fängt das Problem an, denn sie waren mit ihrer Weisheit nicht nur nicht am Ende, sondern bestenfalls am Anfang.
Höchst unzureichend haben sie nämlich die Welt interpretiert. Manche wollten nur auffallen, manche versteckten sich hinter kaum verständlichen Formulierungen, andere stellten die Kausalität auf den Kopf, ohne dass es einer gemerkt hätte und wieder andere verbohrten sich in Detailansichten und ließen den Rest der Welt außer acht. Manchmal ein kluger Satz und dann 200 Seiten Gefasel.
Höchst unzureichend haben sie nämlich die Welt interpretiert. Manche wollten nur auffallen, manche versteckten sich hinter kaum verständlichen Formulierungen, andere stellten die Kausalität auf den Kopf, ohne dass es einer gemerkt hätte und wieder andere verbohrten sich in Detailansichten und ließen den Rest der Welt außer acht. Manchmal ein kluger Satz und dann 200 Seiten Gefasel.
Sonntag, 3. Juli 2011
Feine Freunde
Es gab mal eine Zeit, da hatten die Eltern Sorge, dass ihre Kinder – vertieft in Rollen- und Zivilisationsspiele zu lange vor dem Computer sitzen. Die Zeiten sind vorbei: Erstens macht sich kaum noch einer Sorgen, was mit dem Nachwuchs passiert. D. h. Sorgen macht man sich schon, aber man unternimmt nichts dagegen, weil das Kind ja auch seine Persönlichkeitsrechte hat und man schließlich noch ein eigenes Leben mit Karriere und Vergnügen zu leben hat. Behütetes Aufwachsen in der Familie statt im Kindergarten ist so beinahe schon suspekt geworden. Als die in der Tat etwas merkwürdige Eva Herman 2007 forderte, das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen zu lernen, wurde sie jedenfallls mit ein paar Zitatfälschungen kurzerhand zur Nazi-Schlampe umformatiert. Zweitens aber, sind die Zeiten vorbei, in denen die Jugend sich um den Aufbau virtueller Zivilisationen Gedanken machte. Heute geht es stattdessen um den zivilisationsfreien Aufbau virtueller Freundschaften.
Sonntag, 26. Juni 2011
Kosmetik statt Athletik
Celia Okoyino da Mbabi ist Nationalspielerin und zwar, wie der Name schon nahelegt, in einer deutschen Mannschaft. Genauer gesagt ist sie deutsche Fußball-Nationalspielerin, und weil die Weltmeisterschaft in Deutschland bevorsteht, durfte sie die erste Runde im Pokalwettbewerb der Fußball-Männer-Mannschaften auslosen. Das ist eigentlich eine feine Sache, allerdings ist sie das wegen der besonderen Umstände genau nicht. In einer Gesellschaft der politisch korrekten Gleichheit, in der Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Freunde und Feinde, Gute und Schlechte und alle anderen denkbaren und undenkbaren Gegensätze zwar nicht gleich sind, aber gleich sein müssen, wird diese WM nebst ihren Begleiterscheinungen zum Lehrstück für kollektive Gehirnwäsche.
In der Marketinggesellschaft wird außerdem alles vorher „gelabelt" und gehofft, dass die Versprechungen hinterher schnell vergessen sind. Ein „Sommermärchen reloaded" wird also von den Offiziellen in Anspielung auf das kollektive Glücksgefühl bei der Männer-WM 2006 verkündet – wohlgemerkt bevor ein einziger Ball gerollt ist, bevor man weiß, wie man die Stadien der Weltstädte Sinsheim, Bochum oder Wolfsburg bei Spielansetzungen von Australien gegen Äquatorial-Guinea vollkriegen will, bevor die Zuschauer so richtig begriffen haben, was Frauen-Fußball eigentlich für ein Gemurkse ist.
In der Marketinggesellschaft wird außerdem alles vorher „gelabelt" und gehofft, dass die Versprechungen hinterher schnell vergessen sind. Ein „Sommermärchen reloaded" wird also von den Offiziellen in Anspielung auf das kollektive Glücksgefühl bei der Männer-WM 2006 verkündet – wohlgemerkt bevor ein einziger Ball gerollt ist, bevor man weiß, wie man die Stadien der Weltstädte Sinsheim, Bochum oder Wolfsburg bei Spielansetzungen von Australien gegen Äquatorial-Guinea vollkriegen will, bevor die Zuschauer so richtig begriffen haben, was Frauen-Fußball eigentlich für ein Gemurkse ist.
Donnerstag, 23. Juni 2011
Beobachtungen 2
Nur kein Neid. Nein, die Rede ist diesmal (noch) nicht von der deutschen Frauenfußballnationalfrauschaft und ihrer Trainerin Silvia, sondern von reichen Leuten. Wer Leistung bringt soll dafür jedenfalls auch Geld bekommen, und auch wenn einer mit dem richtigen Dreh Milliarden machen kann, ist das doch eine feine Sache. Nur kein Neid eben. Heute aber meldet der „Weltreichtumsbericht", dass die Zahl der Reichen jedes Jahr, kaum irritiert von Wirtschaftskrisen, wächst und wächst.
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Sonntag, 19. Juni 2011
Unlahme Langsamkeit
Bisher sind in diesem Blog Phänomene beschrieben und hoffentlich einigermaßen erfolgreich entzaubert worden, die als Teilmengen des Niedergangs gelten können. Es galt, wie in meinem Buch „Chaos mit System", den Blick für die alltäglichen Absurditäten zu schärfen. Heute soll es mal andersrum sein: Es gibt schließlich auch solche Phänomene, die dem Niedergang Paroli bieten, und über die zu reden, dürfte den Blick gleichermaßen schärfen. Beispielsweise gibt es gesellschaftliche Strukturen, die noch funktionieren, nützliche Technologien, die sich weiterentwickeln und Rudimente von Sozialverhalten. Ansonsten wäre ja auch nicht „bloß" der Niedergang zu beklagen, sondern der bereits vollzogene Untergang.
Beginnen wir diesmal mit der Langsamkeit als einem zu erhaltenden Wert.
Donnerstag, 16. Juni 2011
Beobachtungen 1
Eine laue Sommernacht am Kreuzberger Urbanhafen ist wunderschön. Junge Menschen sitzen fröhlich unter mächtigen Trauerweiden und hielten – wenn sie einen von beiden kennten – den Niedergang für eine Erfindung von Konrad Kustos. Etwas mehr darüber wissen die Anwohner des dichtbesiedelten Kreuzberg, die durch die naheliegende Partylocation Admiralbrücke schon genug geprüft sind. Um am nächsten Tag statt nur Müll auch noch etwas Park sehen zu können, haben die Gebeutelten Müllbeutel im Abstand von jeweils wenigen Metern an die Pfosten des niedrigen Zauns gehängt.
Als der Morgen anbricht, sind die jungen Leute voll, die Tüten leer und eine Flaschengirlande auf der Kaimauer verschafft Berlin eine Skyline der besonderen Art. Hätte es die Tüten nicht gegeben, müsste man von bloßer Faulheit ausgehen, doch so offenbart sich eine ganz neue Dimension der Dekadenz: Es gibt anscheinend bei diesen durchaus netten und friedlichen jungen Leuten keinerlei Sinn mehr dafür, was die Folgen ihres Tuns, das Eingreifen in die Sphäre der Mitmenschen, das Zerstören von Umwelt und Verursachen von Kosten für die Gemeinschaft betrifft. Soziale Verantwortung ist höchstens noch ein virtuelles Phänomen. Vielleicht treffen wir den Nachwuchs demnächst wieder – bei einer Anti-AKW oder Anti-Kriegs-Demo.
Als der Morgen anbricht, sind die jungen Leute voll, die Tüten leer und eine Flaschengirlande auf der Kaimauer verschafft Berlin eine Skyline der besonderen Art. Hätte es die Tüten nicht gegeben, müsste man von bloßer Faulheit ausgehen, doch so offenbart sich eine ganz neue Dimension der Dekadenz: Es gibt anscheinend bei diesen durchaus netten und friedlichen jungen Leuten keinerlei Sinn mehr dafür, was die Folgen ihres Tuns, das Eingreifen in die Sphäre der Mitmenschen, das Zerstören von Umwelt und Verursachen von Kosten für die Gemeinschaft betrifft. Soziale Verantwortung ist höchstens noch ein virtuelles Phänomen. Vielleicht treffen wir den Nachwuchs demnächst wieder – bei einer Anti-AKW oder Anti-Kriegs-Demo.
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Sonntag, 12. Juni 2011
Medien-Katastrophen
Die katastrophale Berichterstattung der Medien über Katastrophen verschiebt unsere Wahrnehmung. Sie unterstellt, dass nur der Mensch dafür verantwortlich sein könne, wenn die Natur sich ausgerechnet jetzt so außer Rand und Band zeige. Ganz genau: In der Steinzeit wurde schließlich auch jedes menschliche Fehlverhalten zeitnah von einem Steinzeitgott mit Blitz oder Dürre bestraft, warum sollte das jetzt anders sein? Dass Menschen sich gegenüber der Größe der Natur zu wichtig nehmen und eine egozentrische Kausalität voraussetzen hat also nicht nur Tradition, sondern auch evolutionäre Wurzeln.
Das Neue an diesem neuen Schuldgefühl ist, dass es flächendeckend als berechtigt verkündet wird und dass ökonomische Interessen fatal auf eine kollektive Büßermentalität treffen. Natürlich ist es unerträglich, was der Mensch der Natur, ebenfalls seit der Steinzeit, antut. Brandrodung, Übernutzung, Kahlschlag, Ressourcenverschwendung. Ganze Völkerwanderungen wurden ausgelöst, weil Menschen auf der Suche nach Glück und Sicherheit ihre natürlichen Lebensbedingungen zerstörten.
Sonntag, 5. Juni 2011
Feder-Fehden
Konrad Kustos, der alte Spießer, hat einen Garten. In seinem Alter ist das sowieso gut so, und in einer Welt des Niedergangs ist es geradezu eine Überlebensnotwendigkeit, an einem solchen Ort Natürlichkeit und Normalität zu finden. In einem Garten versuchen keine Eierköpfe schlauer zu sein als die Natur - höchstens der Gärtner, und der sieht dann schon, was er davon hat. Kürzlich saßen nun diese zwei Gartenrotschwänze auf dem Pflaumenbaum und sangen so schön, wie sie aussahen: rote Brust, pechschwarzer Kopf mit einem großen weißen Fleck obendrauf. Bei jedem Tschilpen schüttelten sie ihre Körper, weil es eine war Lust zu leben. Dabei wussten sie nicht einmal, dass gute Menschen sie gerade zu Vögeln des Jahres erklärt hatten - was auch immer das bedeuten mag.
Sonntag, 29. Mai 2011
Quoten-Idioten
Das Schicksal konnte diese Geschichte nicht besser schreiben: Ausgerechnet der französische Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc (dt.= Weiß) trat kürzlich einen "Rassismus-Skandal" los. Er und seine weißen Funktionärskollegen hatten leise darüber nachgedacht, wie man den Einfluss von (nichtweißen) Afrikanern und Arabern auf den französischen Spitzenfußball begrenzen könne. Eine 30%-Quote war ihnen eingefallen, mit der die Anzahl der "Übersee"-Franzosen in Sportschulen und Leistungszentren begrenzt werden sollte, um die Chancen der nichtmigrierten Franzosen zu verbessern. Trotz sechs Siegen der Equipe Tricolore in Folge wurde daraufhin von den auch in Frankreich (bei solchen Themen) hochsensiblen Medien Blancs Kopf gefordert.
Nun war das Überlegen, die französische Nationalmannschaft ein bisschen französischer aussehen zu lassen, sicherlich nachvollziehbar und angesichts des mit rund zehn Prozent Anteils der Migranten an der Gesamtbevölkerung weit unter der geforderten Kappungsgrenze von 30 Prozent und damit auch irgendwie begründbar. Doch letztlich war das Ansinnen bloß unverschämt und schwachsinnig. Schwachsinnig, weil es Frankreich vielleicht um begnadete Fußballer bringen könnte, und unverschämt, weil es Bürger, die eine Leistung bringen wollen und können, vom Erfolg ausschlösse.
Dienstag, 24. Mai 2011
Freiheit hat Freizeit
Freiheit ist anerkanntermaßen ein hohes Gut. Getoppt wird es im Ansehen unserer Kultur höchstens noch vom Frieden, wobei den wenigsten bewusst ist, dass Freiheit immer wieder unfriedlich erkämpft werden muss – gegebenenfalls auch mit härteren Bandagen. Vielleicht wird das bei uns auch deswegen so selten belichtet, weil wir hierzulande seit Jahrzehnten eine seltene Synthese der beiden F-Wörter erleben. Seit Jahrzehnten können wir ohne Kanonendonner ins Bett gehen (falls der Nachbar nicht wieder seine Heimkinoanlage aufgedreht hat) und genießen gleichzeitig unsere Freiheit. Oder etwa doch nicht?
Es gibt viele Varianten der Freiheit. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, individuelle Freiheit, Hamburger Freiheit u.s.w., und während tatsächlich das Individuum immer mehr mehr oder weniger machen kann, was es will, ohne reglementiert zu werden, sieht es bei Verstößen gegen herrschende Ideologien schon ganz anders aus.
Freitag, 6. Mai 2011
Lampen-Alarm
Ein Klassiker dieser real existierenden Virtualität ist das Thema Energiesparlampen, die vorgeblich einer vorgeblich menschverursachten Klimaerwärmung entgegenwirken können sollen. Ich werde hier nicht noch einmal wie in meinem Buch „Chaos mit System“ detailliert auf die Fülle von Lügen und Nachteilen für Konsumenten eingehen, mit der die EU-Bürokratie für die Industrie auf Kosten ihrer Bürger zwangsweise einen neuen Markt erschlossen hat. Es gilt jedoch, den Wissensstand zu aktualisieren und den Sinn zu schärfen, wie „Manipulation für den guten Zweck“ funktioniert.
Voll verkabelt
Nein, hier ist nicht der Platz mit Verspätung eine Kernkraftnutzungsdiskussion loszutreten. Es wäre allerdings wohl die einzige in diesem Land, denn wo wird sonst schon diskutiert? Alle sind sich einig – von den grünen Neoliberalen bis zu den schwarzen Linksopportunisten. Von den Medien bis zu den (zu vielen der) repräsentativ Befragten. Dank der staatlich verordneten Massenhysterie bin ich jedenfalls vom vorsichtigen Kernkraftskeptiker zum moderaten Kernkraftverteidiger mutiert.
Wenn Dinge nicht mehr offen diskutiert werden können, weiß ich, dass Niedergangsprozesse am Werk sind – und deren Wirkung ist in jedem Falle schlimmer als jede Atomkatastrophe. Wenn wir nicht in der Lage sind, Entscheidungen nach kollektiver Debatte zu fällen, muss der gesellschaftliche Geigerzähler nicht nur in Bezug auf die Demokratie, sondern für die Zukunft der ganzen Zivilisation rattern. Dann sind Werte gestorben, die für das Überleben unverzichtbar sind.
„50 Helden sind dem Tod geweiht“, meldete die Hamburger Morgenpost Mitte März und zitierte einen Münchner Strahlenbiologie-Professor, dass in Fukushima eingesetzte Aufräumarbeiter alle innerhalb der nächsten Wochen sterben werden. Anfang Mai gab es (zum Glück) immer noch keinen Toten. Für die Medien mussten daher in einem riesigen Aufriss zwei tote Mitarbeiter, die bereits bei beim Erdbeben oder dem Tsunami gestorben waren, als Kraftwerksopfer herhalten. „Rettungskräfte suchen verstrahlte Opfer“ titelt der Focus, und keiner der Leser erfährt danach, ob ein verstrahltes Opfer gefunden wurde oder eben dass keine Opfer gefunden wurden. Das wäre ja auch keine echte Meldung in einer Niedergangsgesellschaft.
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