Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 2. April 2016

Protzkapitalismus

Banker und Finanzjongleure, die nach arbeitsreichem Tag zu Frau und Kind ins traute Heim zurückkommen, haben jetzt die Möglichkeit, zum Feierabend ihren Umgang mit virtuellem Scheingeld gegen den mit realen Geldscheinen einzutauschen. Ein Düsseldorfer Spieleverlag bietet Monopoly seit kurzem in einer Echtgeld-Version gegen Vorkasse an, auf Wunsch auch mit vergoldeten oder edelsteinbesetzten Häusern und Hotels. Was für ein Freizeitspaß, auch wenn man hier wohl auf die traditionellen 400-€-Scheine verzichten muss - man kann ja nicht alles haben. 20.590 Euro in bar liegen dem Spiel bei, und für das Wort „Dekadenz“ brauchen wir jetzt eine Steigerungsform. Fern von allem Sozialneid muss man sich fragen, wie der psychologische und moralische Status einer Gesellschaft ist, die Leute hervorbringt, die sich so etwas ausdenken. Und vor allem sorgen wir uns um die armen Schweine, die ihre Lebensfreude aus so einem „Man gönnt sich ja sonst nichts" ziehen müssen.

Samstag, 23. Februar 2013

Reich-lich arm

Franz Beckenbauer gehören 150 Millionen Euro. Die hat er sich verdient als guter Fußballspieler und geschickter Vermarkter seines Ruhmes. Obwohl er oft dummes Zeug redet, schätzen die Leute seine Authentizität. Ähnliches gilt für andere Superreiche wie die beiden Aldi-Familien, die jede sogar 16 bzw. 17 Milliarden Euro auf der hohen Kante haben. Eine Neiddiskussion wäre hier völlig unangebracht, denn die Albrechts haben einst die Zeichen der Zeit erkannt und gesetzeskonform eine Marktlücke geschlossen. Ganz nebenbei haben sie dabei, wie es eine funktionierende Marktwirtschaft tun sollte, durch Schaffung einer Konkurrenzsituation die Lebenshaltungskosten der Massen reduziert. Das Problem liegt auf einer anderen statt einer personifizierten Ebene: Die Einkommen der Reichen und der Armen klaffen in der Summe, also strukturell, immer weiter auseinander und offenbaren, dass die Welt nicht mehr im Gleichgewicht ist.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Beobachtungen 2

Nur kein Neid. Nein, die Rede ist diesmal (noch) nicht von der deutschen Frauenfußballnationalfrauschaft und ihrer Trainerin Silvia, sondern von reichen Leuten. Wer Leistung bringt soll dafür jedenfalls auch Geld bekommen, und auch wenn einer mit dem richtigen Dreh Milliarden machen kann, ist das doch eine feine Sache. Nur kein Neid eben. Heute aber meldet der „Weltreichtumsbericht", dass die Zahl der Reichen jedes Jahr, kaum irritiert von Wirtschaftskrisen, wächst und wächst.