Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.
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Samstag, 26. Dezember 2015

Glatze heißt nicht gut frisiert

Sexuelle Praktiken des Niedergangs
Im mexikanischen Bundesstaat Senora darf jetzt niemand mehr den Vornamen Unterhose bekommen, meldete die Presse. Auch Hodensack oder Beschneidung wurden föderal auf die Rote Liste gesetzt. Im Umkehrschluss heißt das wohl, dass dies im Rest von Mexiko sehr wohl möglich ist - und im Rest der Welt wohl auch. Die grenzenlose Freiheit des Individuums, Schaden anzurichten, solange es sich nicht gegen das politisch-ideologische System richtet, erschließt sich immer wieder neue Wirkungsgebiete. Eine solche so eigenwillige wie zeitgemäße Interpretation des Begriffs Freiheit ist eine „Errungenschaft“ der Aufklärung - und wer will heutzutage nicht aufgeklärt sein. Vielleicht der kleine Hodensack Müller, der zeitlebens eine kollektive Lachnummer sein wird. Freiheit ohne die dazugehörige Verantwortung richtet Schaden an - manchmal sogar bei dem mit seiner Freiheit überforderten Individuum selbst. Selbst und gerade wenn es um die intimsten Bereiche geht.

Samstag, 26. September 2015

Ans Rad gebunden

Foto © copyright 2015 Konrad Kustos
Will man in eine wirklich schlimme Zukunft schauen, wählt man entweder einen Kinobesuch beim Terminator oder fährt nach Utrecht. Konrad Kustos hat es kürzlich in diese niederländische Stadt mit gut 300.000 Einwohnern verschlagen. Hier geht es in den Straßen zu wie in einer Mischung aus Manhattan zur Rushhour und dem Showdown bei „Mad Max“, und das verdankt die Stadt wiederum einer scheinbar bürger- und umweltfreundlichen Verkehrspolitik, die seit einiger Zeit auch in Deutschland forciert wird. Das Fahrrad wird unwidersprochen als die umweltfreundliche und effektive Zukunft des Nahverkehrs angesehen und dessen Nutzung dementsprechend forciert. Nach den schockierenden Utrechter Erfahrungen, die man nicht beschreiben kann, sondern selber erleben muss, musste jedenfalls Konrad Kustos zu diesem Thema von skeptischer Sympathie in den Alarmmodus umschalten.

Samstag, 30. Mai 2015

Verloren geboren

Bildquelle: BZ Online
An Annegret liegt es nicht, wenn in Deutschland durch den demographischen Wandel bald nur noch der virtuelle Wind durch restlos entvölkerte Geisterstädte weht. Annegret hat jetzt 17 Kinder, was gar nicht einmal so viele sind, wenn man bedenkt, dass sie sich dafür 65 Jahre Zeit gelassen hat. Annegret hat sowieso keine Schuld an der Misere, denn der Kinderwunsch kam von ihrer jetzt neunjährigen Tochter Lelia, „die doch unbedingt noch ein Geschwisterchen wollte“. Nun sind es gleich vier geworden, knapp über 30 cm groß, rund 800 Gramm schwer (noch bis 1500 Gramm spricht man von Frühchen) und kaum überlebensfähig. Ihnen droht schon in den nächsten Wochen der Tod oder ersatzweise lebenslange Behinderung. Schon jetzt sind vier mehrköpfige Operationsteams rund um die Uhr beschäftigt. Und das ist nur die aktuelle Problemlage, denn wer sorgt für die Kinder, wenn die partnerlose und siebenfache Oma sich zeitnah zu ihrem Vater im Himmel begeben wird? Doch der Fall der nach der Regie von RTL medienwirksam geborenen Kinder ist nicht nur individuell tragisch, sondern symptomatisch für ein übersteigertes Ich-Gefühl der Niedergangsgesellschaft.

Samstag, 28. Juni 2014

Toren an den Toren

Kann bei der Weltmeisterschaft eigentlich auch ein Foul an sich selbst mit einer gelben oder roten Karte bestraft werden? Was wäre, wenn ein Schütze sich vor dem Elfmeter genüsslich die Unterarme ritzte? Oder sich gar für einen missglückten Pass geißelte? So weit sind wir zwar noch nicht, aber wo wäre der qualitative Unterschied zur Ansicht der Verstümmelung der eigenen Haut, den uns eine große Zahl kickender Ornament-Tapeten Spiel um Spiel zumutet? Unabhängig von der Stellung, die man zur dauerhaften Beschriftung der eigenen Haut einnimmt, bleibt spätestens seit diesem Fußball-Event zu konstatieren: Das Tattoo ist nicht mehr bloß ein Erkennungsmerkmal gesellschaftlicher Außenseiter wie früher, sondern ist im Mainstream sowohl des Jetsets als auch der Allgemeinheit angekommen. Das aber hat Gründe, die zu kennen wichtiger sind, als eine Minderheit zu verurteilen, die auf dem Weg zur Mehrheit zu sein scheint.

Samstag, 14. Juni 2014

Verbote verbieten

Grafik: C.Pontenagel
Freiheit ist ein dehnbarer Begriff. Eine Karte im Internet führt überhaupt nur sechs freie Länder auf, darunter die Schweiz, Kanada, Chile und die Mongolei. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass hier eine „wirtschaftliche Freiheit“ zu Grunde gelegt wurde,  also das Kriterium, dass jeder machen kann, was er will, aber nur wenn er Geld investiert. Andere Karten haben nach so komplizierten wie undurchsichtigen Indizes andere freie Länder ausgemacht. Freiheit ist anscheinend auch schwer greifbar. Um herauszubekommen, was Freiheit für die Menschen in Deutschland bedeutet, haben Heidelberger Wissenschaftler einen repräsentativen Freiheitsindex für Deutschland errechnet. Danach wünschen sich die Deutschen vor allem mehr Verbote, egal ob aus Berlin oder aus Brüssel - und das gibt zu denken.

Samstag, 24. Mai 2014

Bau-Banausen

Europawahl - was ist das? Irgendwelche Hanseln versorgen sich mit neuen Pfründen, na und? Das ist uns hier natürlich keinen Post, keine zweite Zeile wert. Der morgen parallel in Berlin stattfindende Volksentscheid ist hingegen ein ganz anderes Kaliber. Eine Bürgerinitiative möchte auf der Freifläche des ehemaligen Tempelhofer Flughafens die von der Stadt geplante Mischung aus Grünanlage und Wohnbebauung verhindern. Auch wenn das Ansinnen noch scheitern könnte, ist es doch allein wegen der im Vorfeld gesammelten 220.000 Unterschriften ein beredtes Beispiel für eine neue Gutsherrenmanier mit der eine neue Generation von (die eigene) Weltverbesserern anderweitige Anstrengungen für ein funktionierendes Gemeinwesens torpediert. Anstrengungen, die tatsächlich selbst im Niedergang bisweilen noch vorhandenen sind.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Schwiriche Wirrsicht

Kürzlich hat sich Udo Lindenberg politisch geäußert: Die Demonstrationen gegen die Banken begrüße er. Da war die Welt dankbar, dass sich hier ein Mann der komplexen Analysen und der vorbildlichen Lebensführung klar positioniert hatte. Er finde die neue deutsche Protestkultur „geil“, fügte er noch erklärend hinzu. Soweit, so na ja. Doch dann fügte er etwas hinzu, was nicht nur wegen des wirren Satzbaus den entschiedenen Protest dieses Blogs hervorrufen muss: „Deutschland ist auf einem guten Weg. … Jetzt müssen wir nur noch das Individuum heiligsprechen, dass jeder Mensch eine absolute Kostbarkeit ist.“ Wie bitte: In einer vom Individualismus zerfressenen Gesellschaft soll das Individuum jetzt auch noch heiliggesprochen werden?