Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.
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Samstag, 26. Dezember 2015

Glatze heißt nicht gut frisiert

Sexuelle Praktiken des Niedergangs
Im mexikanischen Bundesstaat Senora darf jetzt niemand mehr den Vornamen Unterhose bekommen, meldete die Presse. Auch Hodensack oder Beschneidung wurden föderal auf die Rote Liste gesetzt. Im Umkehrschluss heißt das wohl, dass dies im Rest von Mexiko sehr wohl möglich ist - und im Rest der Welt wohl auch. Die grenzenlose Freiheit des Individuums, Schaden anzurichten, solange es sich nicht gegen das politisch-ideologische System richtet, erschließt sich immer wieder neue Wirkungsgebiete. Eine solche so eigenwillige wie zeitgemäße Interpretation des Begriffs Freiheit ist eine „Errungenschaft“ der Aufklärung - und wer will heutzutage nicht aufgeklärt sein. Vielleicht der kleine Hodensack Müller, der zeitlebens eine kollektive Lachnummer sein wird. Freiheit ohne die dazugehörige Verantwortung richtet Schaden an - manchmal sogar bei dem mit seiner Freiheit überforderten Individuum selbst. Selbst und gerade wenn es um die intimsten Bereiche geht.

Samstag, 29. November 2014

Natur aus der Spur

Wenn sich in Berlin 2000 Menschen in Tierkostümen treffen, ist nach dem SNAFU-Prinzip (Situation Normal, All Fucked Up) im Sinne R.A. Wilsons alles in den üblichen Bahnen. Furries nennen sich die lustigen Gesellen, die ihr Problem mit der eigenen Identität hinter einer Ganzkörper-Maske verstecken, mit der sie teilweise psychisch verschmelzen. Die ähnlich dekonstruktive Alternative zu dieser Flucht vor dem eigenen Körper, welchen die Natur doch in der Regel ganz ordentlich zur Verfügung stellt, ist dessen Veränderung - egal, wie viel Entstellung dafür notwendig ist. Deshalb ist, besonders in den USA, das Aufspritzen des Gesäßes auf Hottentotten-Niveau derzeit stilbildend. Kim Kardashian und Beyoncé werden als Vorbilder bzw. prominente Nachahmer gefeiert. Beide Phänomene sind nur eklatante Beispiele für die rasch wachsende Erscheinung des Niedergangs, sich nicht mehr nur nicht in dieser Welt, sondern auch nicht mehr im eigenen Körper wohlzufühlen. Das Ergebnis ist ein weltweiter Denaturierungsprozess.

Samstag, 22. Februar 2014

Schonzeit für Schönheit

Glas(k)erker
Foto: Konrad Kustos
Moderne Windmühlen liefern Energie, das ist eine Tatsache, über ihren ökonomischen Nutzen wird gestritten, und darin die Lösung aller Energieprobleme zu sehen, ist eine fahrlässige Illusion. Unabhängig von solchen Bewertungen geschieht alles heftige Planen und Bauen und Streiten über solche Themen immer auf einer ökonomischen oder ökologischen, also irgendwie sachlichen Ebene, bestenfalls wird noch über geschredderte Vögel geklagt. Menschliche Aspekte, also wie diese mächtigen, ruhelosen Maschinen den Menschen in seiner Lebensumgebung beeinträchtigen, zählen nichts in einer funktionalistischen Welt. Beeinträchtigt ist der Dorfbewohner, dessen Boden zuhause vibriert. Der Autofahrer, dem inmitten sich drehender Strukturen schwindlig wird. Der Naturfreund, der über der majestätischen Natur der Uckermark das monotone Kreisen riesiger gestreifter und meist auch noch blinkender Metalflügel ertragen muss. Der Mensch eben, den die Evolution nicht darauf vorbereitet hat, dass nicht nur seine Alltagswelt, sondern jetzt auch noch seine Rückzugsräume technoid überformt werden. Und es bleibt ja nicht bei den Windmühlen: Überall sind Experten dabei, die Welt noch funktionaler zu machen, sie dem menschlichen Geist zu unterwerfen, ja, der Natur bewusst ein selbstherrliches Bild der aufgeklärten Künstlichkeit gegenüberzustellen.

Montag, 18. Juli 2011

Beobachtungen 3

Immer mehr Baumscheiben in Berlin werden jetzt – zumindest im Sommer – zu hübschen Blumenbeeten. Baumscheiben, das sind keinesfalls in Scheiben geschnittene Bäume, sondern das Drumherum von Straßenbäumen, und sie wurden bisher höchstens als Hundetoilette oder als Fahrradparkplatz genutzt. Nun beginnen Anwohner oder Geschäftsinhaber dieses „Terra Incognita" zu nutzen, um die Umwelt zu verschönern. Das ist schön, aber es ist auch viel mehr als das: Es ist ein Zeichen, dass es in einer Welt des Niedergangs auch gegenläufige Tendenzen gibt. Während also der Staat, um Geld zu sparen, ganze Parks verwahrlosen lässt, kreiert hier bürgerliches Engagement ein Stück (Gegen-) Kultur. Und sowohl der Ansatz als auch das Ergebnis zeigt einen weiteren Umstand, der uns in diesem Blog sicher noch beschäftigen wird: Unbeirrt von gelehrten Ästhetik-Päpsten, die uns erklären wollen, dass alle Schönheit, und mithin alle Anschauungen über die Welt an sich, eine individuelle, nicht verallgemeinerbare Sache sei, können Menschen mit einfachsten Mitteln Dinge von kollektivem Nutzen schaffen. Merke: Nicht nur Beete mit Mustern sind Musterbeete.