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Montag, 18. Juli 2011

Beobachtungen 3

Immer mehr Baumscheiben in Berlin werden jetzt – zumindest im Sommer – zu hübschen Blumenbeeten. Baumscheiben, das sind keinesfalls in Scheiben geschnittene Bäume, sondern das Drumherum von Straßenbäumen, und sie wurden bisher höchstens als Hundetoilette oder als Fahrradparkplatz genutzt. Nun beginnen Anwohner oder Geschäftsinhaber dieses „Terra Incognita" zu nutzen, um die Umwelt zu verschönern. Das ist schön, aber es ist auch viel mehr als das: Es ist ein Zeichen, dass es in einer Welt des Niedergangs auch gegenläufige Tendenzen gibt. Während also der Staat, um Geld zu sparen, ganze Parks verwahrlosen lässt, kreiert hier bürgerliches Engagement ein Stück (Gegen-) Kultur. Und sowohl der Ansatz als auch das Ergebnis zeigt einen weiteren Umstand, der uns in diesem Blog sicher noch beschäftigen wird: Unbeirrt von gelehrten Ästhetik-Päpsten, die uns erklären wollen, dass alle Schönheit, und mithin alle Anschauungen über die Welt an sich, eine individuelle, nicht verallgemeinerbare Sache sei, können Menschen mit einfachsten Mitteln Dinge von kollektivem Nutzen schaffen. Merke: Nicht nur Beete mit Mustern sind Musterbeete.

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