Celia Okoyino da Mbabi ist Nationalspielerin und zwar, wie der Name schon nahelegt, in einer deutschen Mannschaft. Genauer gesagt ist sie deutsche Fußball-Nationalspielerin, und weil die Weltmeisterschaft in Deutschland bevorsteht, durfte sie die erste Runde im Pokalwettbewerb der Fußball-Männer-Mannschaften auslosen. Das ist eigentlich eine feine Sache, allerdings ist sie das wegen der besonderen Umstände genau nicht. In einer Gesellschaft der politisch korrekten Gleichheit, in der Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Freunde und Feinde, Gute und Schlechte und alle anderen denkbaren und undenkbaren Gegensätze zwar nicht gleich sind, aber gleich sein müssen, wird diese WM nebst ihren Begleiterscheinungen zum Lehrstück für kollektive Gehirnwäsche.
In der Marketinggesellschaft wird außerdem alles vorher „gelabelt" und gehofft, dass die Versprechungen hinterher schnell vergessen sind. Ein „Sommermärchen reloaded" wird also von den Offiziellen in Anspielung auf das kollektive Glücksgefühl bei der Männer-WM 2006 verkündet – wohlgemerkt bevor ein einziger Ball gerollt ist, bevor man weiß, wie man die Stadien der Weltstädte Sinsheim, Bochum oder Wolfsburg bei Spielansetzungen von Australien gegen Äquatorial-Guinea vollkriegen will, bevor die Zuschauer so richtig begriffen haben, was Frauen-Fußball eigentlich für ein Gemurkse ist.
Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.
Sonntag, 26. Juni 2011
Donnerstag, 23. Juni 2011
Beobachtungen 2
Nur kein Neid. Nein, die Rede ist diesmal (noch) nicht von der deutschen Frauenfußballnationalfrauschaft und ihrer Trainerin Silvia, sondern von reichen Leuten. Wer Leistung bringt soll dafür jedenfalls auch Geld bekommen, und auch wenn einer mit dem richtigen Dreh Milliarden machen kann, ist das doch eine feine Sache. Nur kein Neid eben. Heute aber meldet der „Weltreichtumsbericht", dass die Zahl der Reichen jedes Jahr, kaum irritiert von Wirtschaftskrisen, wächst und wächst.
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Sonntag, 19. Juni 2011
Unlahme Langsamkeit
Bisher sind in diesem Blog Phänomene beschrieben und hoffentlich einigermaßen erfolgreich entzaubert worden, die als Teilmengen des Niedergangs gelten können. Es galt, wie in meinem Buch „Chaos mit System", den Blick für die alltäglichen Absurditäten zu schärfen. Heute soll es mal andersrum sein: Es gibt schließlich auch solche Phänomene, die dem Niedergang Paroli bieten, und über die zu reden, dürfte den Blick gleichermaßen schärfen. Beispielsweise gibt es gesellschaftliche Strukturen, die noch funktionieren, nützliche Technologien, die sich weiterentwickeln und Rudimente von Sozialverhalten. Ansonsten wäre ja auch nicht „bloß" der Niedergang zu beklagen, sondern der bereits vollzogene Untergang.
Beginnen wir diesmal mit der Langsamkeit als einem zu erhaltenden Wert.
Donnerstag, 16. Juni 2011
Beobachtungen 1
Eine laue Sommernacht am Kreuzberger Urbanhafen ist wunderschön. Junge Menschen sitzen fröhlich unter mächtigen Trauerweiden und hielten – wenn sie einen von beiden kennten – den Niedergang für eine Erfindung von Konrad Kustos. Etwas mehr darüber wissen die Anwohner des dichtbesiedelten Kreuzberg, die durch die naheliegende Partylocation Admiralbrücke schon genug geprüft sind. Um am nächsten Tag statt nur Müll auch noch etwas Park sehen zu können, haben die Gebeutelten Müllbeutel im Abstand von jeweils wenigen Metern an die Pfosten des niedrigen Zauns gehängt.
Als der Morgen anbricht, sind die jungen Leute voll, die Tüten leer und eine Flaschengirlande auf der Kaimauer verschafft Berlin eine Skyline der besonderen Art. Hätte es die Tüten nicht gegeben, müsste man von bloßer Faulheit ausgehen, doch so offenbart sich eine ganz neue Dimension der Dekadenz: Es gibt anscheinend bei diesen durchaus netten und friedlichen jungen Leuten keinerlei Sinn mehr dafür, was die Folgen ihres Tuns, das Eingreifen in die Sphäre der Mitmenschen, das Zerstören von Umwelt und Verursachen von Kosten für die Gemeinschaft betrifft. Soziale Verantwortung ist höchstens noch ein virtuelles Phänomen. Vielleicht treffen wir den Nachwuchs demnächst wieder – bei einer Anti-AKW oder Anti-Kriegs-Demo.
Als der Morgen anbricht, sind die jungen Leute voll, die Tüten leer und eine Flaschengirlande auf der Kaimauer verschafft Berlin eine Skyline der besonderen Art. Hätte es die Tüten nicht gegeben, müsste man von bloßer Faulheit ausgehen, doch so offenbart sich eine ganz neue Dimension der Dekadenz: Es gibt anscheinend bei diesen durchaus netten und friedlichen jungen Leuten keinerlei Sinn mehr dafür, was die Folgen ihres Tuns, das Eingreifen in die Sphäre der Mitmenschen, das Zerstören von Umwelt und Verursachen von Kosten für die Gemeinschaft betrifft. Soziale Verantwortung ist höchstens noch ein virtuelles Phänomen. Vielleicht treffen wir den Nachwuchs demnächst wieder – bei einer Anti-AKW oder Anti-Kriegs-Demo.
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Müll,
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Sonntag, 12. Juni 2011
Medien-Katastrophen
Die katastrophale Berichterstattung der Medien über Katastrophen verschiebt unsere Wahrnehmung. Sie unterstellt, dass nur der Mensch dafür verantwortlich sein könne, wenn die Natur sich ausgerechnet jetzt so außer Rand und Band zeige. Ganz genau: In der Steinzeit wurde schließlich auch jedes menschliche Fehlverhalten zeitnah von einem Steinzeitgott mit Blitz oder Dürre bestraft, warum sollte das jetzt anders sein? Dass Menschen sich gegenüber der Größe der Natur zu wichtig nehmen und eine egozentrische Kausalität voraussetzen hat also nicht nur Tradition, sondern auch evolutionäre Wurzeln.
Das Neue an diesem neuen Schuldgefühl ist, dass es flächendeckend als berechtigt verkündet wird und dass ökonomische Interessen fatal auf eine kollektive Büßermentalität treffen. Natürlich ist es unerträglich, was der Mensch der Natur, ebenfalls seit der Steinzeit, antut. Brandrodung, Übernutzung, Kahlschlag, Ressourcenverschwendung. Ganze Völkerwanderungen wurden ausgelöst, weil Menschen auf der Suche nach Glück und Sicherheit ihre natürlichen Lebensbedingungen zerstörten.
Sonntag, 5. Juni 2011
Feder-Fehden
Konrad Kustos, der alte Spießer, hat einen Garten. In seinem Alter ist das sowieso gut so, und in einer Welt des Niedergangs ist es geradezu eine Überlebensnotwendigkeit, an einem solchen Ort Natürlichkeit und Normalität zu finden. In einem Garten versuchen keine Eierköpfe schlauer zu sein als die Natur - höchstens der Gärtner, und der sieht dann schon, was er davon hat. Kürzlich saßen nun diese zwei Gartenrotschwänze auf dem Pflaumenbaum und sangen so schön, wie sie aussahen: rote Brust, pechschwarzer Kopf mit einem großen weißen Fleck obendrauf. Bei jedem Tschilpen schüttelten sie ihre Körper, weil es eine war Lust zu leben. Dabei wussten sie nicht einmal, dass gute Menschen sie gerade zu Vögeln des Jahres erklärt hatten - was auch immer das bedeuten mag.
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