Eine laue Sommernacht am Kreuzberger Urbanhafen ist wunderschön. Junge Menschen sitzen fröhlich unter mächtigen Trauerweiden und hielten – wenn sie einen von beiden kennten – den Niedergang für eine Erfindung von Konrad Kustos. Etwas mehr darüber wissen die Anwohner des dichtbesiedelten Kreuzberg, die durch die naheliegende Partylocation Admiralbrücke schon genug geprüft sind. Um am nächsten Tag statt nur Müll auch noch etwas Park sehen zu können, haben die Gebeutelten Müllbeutel im Abstand von jeweils wenigen Metern an die Pfosten des niedrigen Zauns gehängt.
Als der Morgen anbricht, sind die jungen Leute voll, die Tüten leer und eine Flaschengirlande auf der Kaimauer verschafft Berlin eine Skyline der besonderen Art. Hätte es die Tüten nicht gegeben, müsste man von bloßer Faulheit ausgehen, doch so offenbart sich eine ganz neue Dimension der Dekadenz: Es gibt anscheinend bei diesen durchaus netten und friedlichen jungen Leuten keinerlei Sinn mehr dafür, was die Folgen ihres Tuns, das Eingreifen in die Sphäre der Mitmenschen, das Zerstören von Umwelt und Verursachen von Kosten für die Gemeinschaft betrifft. Soziale Verantwortung ist höchstens noch ein virtuelles Phänomen. Vielleicht treffen wir den Nachwuchs demnächst wieder – bei einer Anti-AKW oder Anti-Kriegs-Demo.
Ich nenne solche Leute immer "geistige Penner". Jeder richtige Penner ist mir lieber.
AntwortenLöschenIst aber kein neues Phänomen -- nur an der Admiralbrücke. Das Denkmal oben auf dem Kreuzberg sah schon Ende der 1980er, Anfang der 1990er nach jedem Wochenende ähnlich aus. Da gab's nur keine Anwohner, die Zeck machen konnten.
Und dass ich aus der Wiener Straße weggezogen bin, lag unter anderem daran, dass dort an Sommerwochenenden unser Hauseingang als Pissoir benutzt wurde. Manchmal haben uns die Kreuzberg-Touristen sogar zwischen die Mülltonnen geschissen. Immer nur in der warmen Jahreszeit, immer nur am Freitag und gesteigert am Samstag. Da sind also Leute nach Kreuzberg 36 gefahren, um mal richtig schön die Anarcho-Sau rauszulassen ...
Und was hat Assi-Verhalten - wie das geschilderte - mit der Teilnahme an einer Demo zu tun? Wer sich so verhält, dem sind Demos normalerweise ebenso scheißegal ...
AntwortenLöschenSchön, von Dir zu lesen, Enpunkt. Tja eigentlich hast Du recht: Ich kann einen ursächlichen Zusammenhang zwischen diesem Verhalten und Demonstrationsbesuchen nicht beweisen. Allerdings wollte ich das auch gar nicht, deshalb habe ich "vielleicht" geschrieben. Im übrigen kannst Du Deine Behauptung auch nicht beweisen. Ich glaube schon, dass sich die eine Selbstgerechtigkeit mit der anderen gut verträgt - und dass viele zur Demo gehen (welche auch immer), um sich selbst ihre moralische Überlegenheit zu beweisen. Viele Grüße, Konrad
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