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Donnerstag, 23. Juni 2011

Beobachtungen 2

Nur kein Neid. Nein, die Rede ist diesmal (noch) nicht von der deutschen Frauenfußballnationalfrauschaft und ihrer Trainerin Silvia, sondern von reichen Leuten. Wer Leistung bringt soll dafür jedenfalls auch Geld bekommen, und auch wenn einer mit dem richtigen Dreh Milliarden machen kann, ist das doch eine feine Sache. Nur kein Neid eben. Heute aber meldet der „Weltreichtumsbericht", dass die Zahl der Reichen jedes Jahr, kaum irritiert von Wirtschaftskrisen, wächst und wächst.


Die Zahl der Superreichen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar stieg im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent auf 103 000. Ihnen gehören zusammen knapp 43 Billionen Dollar, das ist nur etwas weniger als von sieben Milliarden Menschen, also der Weltbevölkerung, jährlich erwirtschaftet wird. Die größten Steigerungsraten der Reichenpopulation gibt es übrigens in den weniger entwickelten Ländern.

Dennoch kein Neid - aber dafür einige Fragen. Was ist mit den nicht individuellen, sondern den kollektiven Reichtümern der global operierenden Superkonzerne, der eigentlich noch dazugezählt werden müsste? Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen drohenden Staatspleiten, sicher zu erwartenden neuen Wirtschaftskrisen und dem reichlichen Reichenwachstum? Wird da Geld aus der Substanz gezogen und der Reichtum auf Kosten der Allgemeinheit gemehrt? Oder noch weiter zugespitzt: Kann man in der Niedergangsgesellschaft überhaupt noch in relevantem Maße Geld verdienen, ohne auf Kosten der Gemeinschaft zu arbeiten?

Kein Neid für den einzelnen, aber es scheint, als gebe es kein folgenloses Reichenwachstum, oder aber dieses Wachstum sei die Folge eines tiefgreifenden Konstruktionsfehlers unseres Zusammenlebens. Also eine weitere Facette von „Chaos mit System".

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