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| Bildquelle: BZ Online |
„Man soll ja offensichtlich immer irgendwelchen Klischees
entsprechen. Was ich ziemlich anstrengend finde. Ich finde, das muss man für
sich selbst entscheiden. Und man sollte sich auch nicht zu viel von anderen
Leuten reinreden lassen." Was unsere Annegret damit meint: Die
Entscheidung trifft sie selbstbewusst und großmäulig für sich alleine, die
Folgen tragen die Kinder und trägt die Allgemeinheit - aber für letzteres scheint
ja der Nanny-Staat auch gedacht zu sein, dazu später mehr. Der Allgemeinheit jedenfalls
entstehen schon bei „normalen“ Frühgeburten pro Brutkasten unmittelbare
zusätzliche medizinische Kosten im fünfstelligen Bereich. Angesichts steigender
Frühgeburten kostet das die Bürger inzwischen mehr als eine halbe Milliarde
Euro im Jahr.
Auch der Kurpfuscher in der Ukraine, der der rüstigen Beinahe-Rentnerin
gleich mindestens vier mit fremdem Samen befruchtete fremde Eizellen eingesetzt
hat, hat es sicherlich nicht nur, aber auch mit seinem Kontostand gut gemeint.
Für alle diese Verursacher ist natürlich alles in Ordnung, während die
Mediziner gerade verzweifelt versuchen, die Frühgeburten irgendwie am Leben zu
halten.
Direkt nach der Geburt wurden die Kinder in eine
Plastikhülle mit warmer Flüssigkeit zum Schutz der noch nicht fertigen Haut
gesteckt. Dem Mädchen, wohl dem gesündesten der vier, mussten in einer
Notoperation Löcher im Darm geflickt werden. In den nächsten Tagen und Wochen
drohen erfahrungsgemäß Lungenversagen, Kreislaufversagen, Hirnblutungen,
Hirninfarkt, Infektionen und Nierenversagen. Für noch schlimmer halten Ärzte
die langfristigen Folgen, nämlich chronische Schäden von Lunge, Darm, Augen und
Gehirn.
Was auch immer von Neeta,
Dries, Bence und Fjonn übrigbleibt, und wir hoffen inständig sie werden
wenigstens in der Lage sein, ihre merkwürdigen Namen zu buchstabieren, wird in
das einsame Haus der dann ehemaligen Russischlehrerin kommen, die anscheinend
nicht nur ihren anstehenden altersgemäßen Verfall ausgeblendet hat: Ihre
inzwischen erwachsenen 13 Kinder hatte sie mit fünf Männern, diese vier nun
gänzlich ohne Mann, jedenfalls ohne miterziehenden. Mit im Haus des Schreckens
wird nur eine überforderte Neunjährige wohnen, und spätestens wenn die
Vierlinge älter werden, werden die kleinen Ukrainer merken, dass diese Frau gar
nicht ihre Mutter ist, und sie werden sie für ihre Leiden verantwortlich
machen.
Wie konnte es soweit kommen? Natürlich geht es um
individuelle Leere im Leben der Annegret, es geht um Geld aus den Sozialkassen,
und es geht um den zweifelhaften Ruhm, Weltrekordhalterin im späten Gebären von
Vierlingen zu sein. Schon mit noch nur 13 Kindern war sie sich der
Aufmerksamkeit der Medien bewusst, beispielsweise Gast bei Günther Jauch. Und
nun, als Partnerin des Katastrophensenders RTL, der sich die Exklusivrechte an
dieser humanen Katastrophe gesichert hat, kommt sie aus den Medien gar nicht
mehr heraus.
Vor allem aber, und hier beginnt die gesellschaftliche
Dimension, ist Annegrets Gebärverhalten ein Ausdruck nicht mehr verantwortbarer
individueller Freiheiten in einer Welt entfesselter Möglichkeiten. Was hier
geschieht, ist eine perfide Variante des klassischen „Mein Bauch gehört mir“.
Doch während es da um die Verhinderung von möglicher Unbill für Mutter und Kind
ging, ist es hier die Schaffung desselben.
Von gesellschaftlicher Dimension ist auch das Geschäft mit
dem Kinderkriegen. Zwar behauptet der nun ebenfalls prestigeträchtig im
Rampenlicht stehende Professor Christoph Bührer von der Charité-Geburtsmedizin
„Für uns steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt", doch dürfte es ihm mindestens
ebenso um das Geschäft gehen. Jedes neunte in Deutschland geborene Kind ist
mittlerweile ein Frühchen und angesichts der gewaltigen dadurch erzeugten
Kosten steht dahinter auch ein gewaltiges Geschäft.
Schon vor einigen Jahren schrieb die dpa einen hochrangigen
Vertreter der Ärzteschaft zitierend: „Neben dem Renommee für die Klinik und den
Chefarzt persönlich geht es auch ums Geld. Die Kliniken geben die meist
planbaren Frühgeburten ungern ab, weil sie jeweils einige 10.000 bis 150.000
Euro bringen. Sie haben zwar viel investiert und auch hohe Kosten, aber einige
räumen inzwischen offen ein, auf die Einnahmen zur Querfinanzierung von weniger
erlösträchtigen Abteilungen angewiesen zu sein.“
Immerhin ist die Embryonenzeugung in Deutschland (noch) strikt
verboten, doch wirkliche Grenzen und politische Kontrolle durch nationale
Vernunft gibt es schon lange nicht mehr in unserer aufgeklärten,
fortschrittlichen, globalisierten Welt. In Italien immerhin hatten die
regionalen Behörden in einem ähnlichen Fall bei einer - wesentlich jüngeren -
Mutter kurzen Prozess gemacht, und das Kind in staatliche Fürsorge übernommen.
Eine verlässliche Aufzucht schien ihnen nicht mehr gegeben.
Wie so oft gibt es auch hier also durchaus konkrete individuelle
und gesellschaftliche Gründe für die Vorgänge, aber wie genauso oft gibt es
auch die kybernetische Metaebene. Der ganze Fall passt nämlich wie gemalt in
die Politik der wundersamen Menschenmehrung. All die Propaganda vom
aussterbenden Deutschland, der Unfinanzierbarkeit der Renten und den nur auf neue Arbeitende wartenden
Arbeitsplätzen zeitigt Erfolge: Frauen setzen am Ende ihrer Fruchtbarkeit und
eben auch danach trotz Karriere und Feierlust schnell noch Kinder in die Welt.
Einerseits geben sie so ihrem biologischen Imperativ nach, andererseits den
Einflüsterungen des Postkapitalismus, dem es nur um neue Konsumenten und
lohndrückende Arbeitslosigkeit geht, was er euphemistisch „Wirtschaftswachstum“
nennt.
Die These klingt zuerst abstrakt, doch flugs kommt ihr der
Direktor für Geburtsmedizin der Charité zur Hilfe, der einfach ausspricht, was wohl
gar nicht so deutlich ausgesprochen werden sollte. Nachdem er über die
Problematik des Vierlingsfalls gesprochen hat, sagt er tatsächlich: „Andererseits
werden in Deutschland viel zu wenig Babys geboren, und diese Frau hat viel dazu
beigetragen, die Quote zu erhöhen." Vier leidende Kinder haben also diese
ominöse Quote erhöht - man wundert sich nur noch, wer alles in leitende
Positionen aufsteigen kann und darf.
Wie wir es aus der Kultur der Umverteilung kennen, werden in
Annegrets Frucht-, äh, Fahrwasser die bürgerfinanzierten Krankenkassen diese
Produktionskosten neuer Arbeitskräfte zu übernehmen haben. Die Frühgeburten
nehmen bei uns jedenfalls schon seit Jahren dramatisch zu, und Deutschland
liegt in der Spitzengruppe der europäischen Statistik.
Da musste das personifizierte Unheil der aktuellen
Bundesregierung, Familienministerin Manuela Schwesig, kürzlich gleich noch
einen draufsetzen, indem sie versprach, sich dafür einzusetzen, dass auch
Unverheiratete einen Teil der Kosten künstlicher Befruchtungen, die Früh- und
Mehrfachgeburten erheblich forcieren, erstattet bekommen sollen. Sie wolle
sogar erreichen, dass die Kassen künstliche Befruchtungen wieder voll finanzierten.
Willkommen in der Gesellschaft der vaterlosen Laborkinder.
Der Fall Annegret ist ein Beispiel für den gelebten
Individualismus, der uns überall begegnet. Moralische Zwänge und naturgegebene
Beschränkungen entfallen in einer Welt, die zunehmend mehr kann als ihr gut tut.
Wir lernen von Annegret: Der Niedergang kommt inzwischen auch mit dem
Niederkommen. Ein Leser kommentierte im Spiegel dazu: „Hätte die gute Frau 17
Katzen, hätten schon längst die Tierschützer bei ihr eingebrochen, die armen
Tiere gerettet und die gute Frau einweisen lassen. Bei 17 Kindern ist es aber
normal.“ Nun leiden zwar sicher auch Katzen unter enthemmter Selbstbefriedigung
von Individuen, doch die Botschaft ist klar: Die Normen wackeln, drehen ins
Absurde und werden zunehmend verschwinden.
An ihre Stelle tritt das selbstherrliche Individuum, das
sich seine eigenen Normen zusammenbastelt, wie es sie braucht. Die Evolution
hatte für das Kinderkriegen aus gutem Grund einen beschränkten Zeitraum eingerichtet.
Die Eltern sollten sich um Überleben und Aufzucht des Nachwuchses in körperlich
und geistig noch leistungsfähiger Verfassung kümmern können. Heute erhebt man
sich über solche natürliche Weisheit, einfach, weil man es kann.

Klingt wie die Schaffung künstlicher "Probleme" (Vernunftsstörungen), um dann bei genügend Nachahmerinnen ein Gesetz zu ermöglichen, welches dann ganz allgemein in Familienplanung pfuscht - also auch bei denjeniegen, die auf natürlichem Wege Kinder zeugen und gebähren.
AntwortenLöschenDer Wahnsinn wird wohl echt nicht weniger - das ist hoffentlich ein inszenierter Einzelfall...
(M.D.)