Tritt man gegen die Mainstreampositionen, besonders in der
Frage des inzwischen nur scheinbar zweifelsfrei gerechten Kampfes gegen Rechts,
kann es leicht passieren, dass man selbst in alternativen, der Pluralität
verpflichteten Internetforen zensiert wird, sobald man zu differenzieren beginnt.
Deshalb hier also ein vorausgeschicktes und hoffentlich respektiertes Statement:
Konrad Kustos bekämpft und verachtet jede Form von politischer Radikalität,
wobei der Rechtsradikalismus aufgrund seiner schrecklichen Vergangenheit und
der niederen Instinkte, an die er auch heute noch appelliert, einen
Spitzenplatz in der Ablehnungshierarchie hat.
Wenn es aber in der politischen Auseinandersetzung gar nicht
wirklich um Rechtsradikalität geht, sondern letztlich um eine Kampagne gegen
Pluralismus, Meinungsfreiheit und Freiheit schlechthin, ist jeder Demokrat
aufgerufen, die Mechanismen der Unfreiheit zu entlarven und zu bekämpfen. Dies
soll hier nun in kurzer Folge in drei Beiträgen geschehen, und sinnvollerweise
fangen wir mit dem ersten Teil an: den Feinden der Freiheit, die sich als
Menschenfreunde verkleiden, und ihren Methoden.
Es gibt inzwischen eine Häufung unzulässiger und
erschreckender Einschränkungen der Bürgerrechte und der Meinungsfreiheit, deren
Verursacher dies als Kampf gegen Rechts maskieren, aber stattdessen persönliche
materielle oder psychologische Vorteile anstreben oder, fast noch schlimmer,
einem naiven und gefährlichen Welterklärungsmodell anhängen oder sogar beides. Erinnern
wir uns beispielsweise an den tiefen Fall der olympischen Ruderin Drygalla,
deren Verbrechen darin bestand, mit einem ehemaligen NPD-Kandidaten befreundet
zu sein, obwohl der sich inzwischen vom Rechtsextremismus distanziert hatte.
Bei den Spielen in London wurde sie von Verbänden und Medien in Sippenhaft
genommen und genötigt, mitten in den Wettkämpfen abzureisen. Damals gab es noch
Widerstand gegen das Procedere seitens mancher Politiker und Medien, ob dies
heute, drei Jahre später, noch der Fall wäre, ist zweifelhaft.
Wenn es um den Popanz „Rechtsradikalismus“ geht, verlieren
bewährte rechtsstaatliche Mechanismen und institutionelle Verhaltensweisen plötzlich
ihre Gültigkeit. Die Öffentlichkeit nimmt sich nicht nur heraus, Gesinnungsschnüffelei
zu betreiben und die Privatsphäre des Individuums zu verletzen, sondern sie sonnen
sich auch noch in ihrem politisch korrekten Tun. Dann wird Datenschutz plötzlich
obsolet, und Verdächtigungen reichen aus, um Menschen zu diskreditieren und zu
benachteiligen. Und das dann in diesem Falle noch über eine Sippen-Schuld, für
die makabererweise ja gerade die Nazis die Vorlagen geliefert haben.
Das geht den Aktionären der Rechtschaffenheit leicht von der
Hand. So fand die „Rechtsextremismus-Expertin“ Anetta Kahane, ihres Zeichens
EX-IM der Staatssicherheit und hauptberufliche Vorsitzende der zwielichtigen
Amadeu-Antonio-Stiftung, die Schuld Drygallas schon dadurch bewiesen, dass diese
nicht ausdrücklich gesagt habe, dass „sie nationalsozialistische Ideologie
ekelhaft finde“.
In der Folge dieser Vorgänge hatte das
Bundesinnenministerium sogar erwogen, ein „Demokratiebekenntnis“ in seine
sportlichen Förderrichtlinien aufzunehmen. Natürlich ist gegen ein
Demokratiebekenntnis aus Sicht eines Demokraten nichts einzuwenden, solange
dies nicht zu weitergehenden Kontrollen und Bespitzelungen führt. Inzwischen
ist aber pikanterweise gerade dieses Demokratiebekenntnis für linke und
linksradikale vom Staat geförderte Organisationen abgeschafft worden. Behalten
wir dies einmal im Hinterkopf, wenn es später darum geht, was die Ziele und
Interessen des Kampfes gegen Rechts betrifft, wie er derzeit geführt wird.
Drygalla ist ein Beispiel, aber es gibt beliebig viele. In
England musste ein Ehepaar wegen der Mitgliedschaft in einer rechtsbürgerlichen
Partei (UKIP, wohlgemerkt: rechtsbürgerlich oder in bekannt bewertender
Journalistendiktion: rechtspopulistisch, aber nicht rechtsradikal oder
rechtsextrem) seine Pflegekinder abgeben. Die (farbigen) Kinder seien nicht in
einem „optimalen kulturellen Umfeld“ gewesen, argumentierte das Jugendamt. Die
Vorurteile scheinen gerade bei Leuten zuhause zu sein, die anderen Vorurteile
gegen Andersdenkende vorwerfen. Bezeichnend: Die Eltern waren vorher Mitglieder
der Labour-Partei, und schon acht Wochen nach ihrem Übertritt zur UKIP,
offenbar aufgrund eines „anonymen Hinweises“, wurden die Kinder aus ihrem
Elternhaus geschafft - oder sollte man hier schon dem Thema angemessen „deportiert“
sagen?
Mit nachträglicher Unterstützung des Bundesgerichtshofes wurden
dem ehemaligen NPD-Chef Udo Voigt die Bürgerrechte abgesprochen, als er in Bad
Saarow in ein reserviertes Zimmer in einem Wellness-Hotel ziehen wollte.
Höchstrichterlich wissen wir nun, dass „unliebsame Gäste“ grundsätzlich keinen
Anspruch auf Beherbergung haben. Es sei schließlich möglich gewesen, so die
Begründung, dass sich andere Gäste durch Voigts Anwesenheit hätten „provoziert
fühlen“ können. Egal, wie man zu einem Udo Voigt steht, immerhin einem Mitglied
einer nicht verbotenen Partei, die bisweilen auch in deutschen Parlamenten
sitzt, kann man Menschen natürlich nicht wegen einer möglichen passiven
„Provokationsausstrahlung“ diskriminieren, ohne letztlich Menschenrechte zu
beugen. Mit seiner Begründung hat das
Gericht einen Präzedenzfall geschaffen, der zu anderen Zeiten leicht auch gegen
Schwule, Behinderte, Ausländer oder andere
missliebige Minderheiten gewendet werden könnte. Ob Brandenburgs dann
amtierender Ministerpräsident dieses Urteil ebenfalls als Ermutigung für
Zivilcourage feiert?
Ebenfalls bis vor den Bundesgerichtshof zog die Deutsche
Post, musste sich dort aber erklären lassen, dass sie doch tatsächlich eine
Zustellungspflicht hat. Vorher hatte sie sich geweigert, eine NPD-Publikation
an 200.000 Haushalte zu verteilen. Lesen will ich das Zeug auch nicht, aber bei
mir gibt es Mülleimer. Auf keinen Fall möchte ich von der Post, einem
Dienstleistungsunternehmen (!) gesagt bekommen, was ich zu lesen habe und was
nicht. Wo kommen wir hin, oder besser: wo sind wir hingekommen, wenn einzelne,
auch noch mehr oder weniger öffentliche Institutionen, sich herausnehmen, die
Gesetzgebung außer Kraft zu setzen und steuerfinanzierte Dienstleistungen nach
Gutsherrenart zu verweigern? Das ist nicht Recht, das ist billig!
Zur Ausprägung von solchem zweierlei Recht führt auch immer
mehr das Mobbing durch Gruppen und Institutionen. Über den Boykott eines
deutschen Musikpreises, des Echos, mit der Begründung, dass dort mit FreiWild
eine heimatverbundene Rockgruppe auftreten wollte, und der darauffolgenden Eliminierung
von Freiwild aus dem Wettbewerb, wurde hier ausführlich berichtet. Einem Bremer
Pastor wurde ganz aktuell von seiner eigenen Kirche Fremdenfeindlichkeit,
Islamophobie, Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen, weil der sich demonstrativ
an das erste Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ und damit
seinen protestantischen Christengott gebunden fühlte. Martenstein witzelte
darüber: „Auch strenggläubige Christen gehören zu Deutschland.“
Man denke auch an die physischen und informellen Angriffe
auf die rechtskonservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die zwar unpopuläre
Positionen vertritt, aber alles andere als rechtsradikal ist. Konservativ,
rechts, nationalsozialistisch und faschistisch - alles was nicht links ist,
wird derzeit zu einem indifferenten Brei, zum Feindbild „Rechts“
zusammengerührt und zum Abschuss freigegeben. Wo bleibt da der unter
zivilisierten Menschen eigentlich übliche Versuch zu differenzieren und das
eigene Weltbild mit sinnvollen Abstufungen zu schärfen? Wem soll der scharfe
Gegensatz zwischen Toleranz für alle Gleichdenkenden und Außenseiter einerseits
und Nulltoleranz für den Andersdenkenden in allen Abstufungen wirklich helfen,
wenn nicht dem Profiteur aus solchen Scherenschnitten?
Da passt es irgendwie, wenn in Berlin mit Förderung durch
die Integrationssenatorin und andere Institutionen (Zeit, DFB, BSR, Vattenfall,
Verdi) jetzt eine „Nazi-App“ an den Start gegangen ist. Praktisch jeder kann
hier nun ohne Chance auf Widerspruch oder Rechtfertigung von „Berlin gegen
Nazis“ zum Rufmordkandidaten ernannt und den Autonomen zum Fraß vorgeworfen
werden. Brandanschläge, Drohungen und gewalttätige Angriffe sind bekanntermaßen
die Folge. Hier werden neben der Staatsautorität institutionelle Apparate für
Anti-Rechte- oder Antirassismus-Milizen vorbereitet, die sich der
demokratischen Kontrolle entziehen und sich schnell gegen jedermann
umprogrammieren lassen. Und selbst wenn ein solches Volksverhetzungsnetzwerk in
der Regel die Richtigen träfe, wo ist dann um der demokratischen Fairness
willen die Gleichstellung durch eine ebenso geförderte Linksextremismus-App?
Man muss sich immer wieder vor
Augen halten, was passiert, wenn die Glaubwürdigkeit von Staat und Justiz sowie
die gesellschaftlichen Spielregeln erst einmal außer Kraft gesetzt wurden und
plötzlich der Wind wirklich in eine rechte Gesinnung dreht. Wie soll der
Rechtsstaat funktionieren, wenn man ihn nicht respektiert - auch wenn er
Andersdenkende schützt, die man persönlich, womöglich auch aus guten Gründen,
ablehnt? Wozu haben wir dann noch Gesetze und eine Strafverfolgung? Sind diese
so undemokratisch, dass ein von sich überzeugter, aus Minderheiten rekrutierter
Mob oder ein ebensolches Individuum die Sache selber in die Hand nehmen dürfte?
Unser Staat ist vielleicht
problematisch, und seine Erosionserscheinungen wurden hier auch ausführlich angesprochen,
aber er ist immer noch die einzige Wand, die zwischen uns und der Willkür steht.
Wer dies nicht akzeptieren kann, muss sich gerade für den Problemkreis
Rechtsradikalismus sagen lassen, dass er vorgibt, den Faschismus zu bekämpfen,
aber handelt wie die SA.

Infoliner sagt:
AntwortenLöschenDaß Du Dich erstmal distanzieren mußt, sagt schon alles.
Es ist gut, dass Du dieses Thema angesprochen hast.
AntwortenLöschenMich ärgern die Gegendemonstrationen gegen Rechts. Praktisch führen sie dazu, dass Bürgern das im Grundgesetz verbürgte Demonstrationsrecht verweigert wir. Sogar Bundestagsabgeordnete beteiligen sich an diesem Rechtsbruch, ohne dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Dagegen sind dann die Verweigerungen der Vermietungen von Räumen für Versammlungen schon Pillepalle. Sogar die Eröffnung von Girokonten musste sich die NPD gerichtlich erstreiten.
Herzlich Paul (Hier heiße ich Der Neue. Aber sonst Paul)