Am vergangenen Sonntag klagte Konrad Kustos hier über die Neigung unserer Institutionen, Krankheiten zu Pandemien hochzujubeln. Doch wurde dort in der Listung die Maul- und Klauenseuche vergessen, die 2001 in Großbritannien einige landwirtschaftliche Betriebe befiel und europaweite Hysterie auslöste. Dabei befällt diese Krankheit weder in relevantem Maße den Menschen noch überlebt sie in gegartem Fleisch. Dieses Versehen soll hier den Aufhänger geben für einen ausnahmsweise nicht ganz ernstgemeinten Beitrag.
Momentan geht es den Medien jedenfalls auch ohne Maul- und Klauenseuche gut, denn Wahlen stehen an, mit einem Wirbelsturm wurde ordentlich virtueller Staub aufgewirbelt, und die Kommentatoren freuen sich nach wie vor, dass mittels massiver Bombardierung durch selbsternannte Weltpolizisten in einem unabhängigen Land ein Regierungsumsturz bewirkt wurde. Da ist sich die Berichterstattung allein Seuche genug und braucht uns derzeit nicht mit ihrer Angstmacherei virtuell zu infizieren.
Aber 2001 hatten wir so große Angst vor der Maul- und Klauenseuche, dass wir gar keine Angst mehr vor dem gerade abgefeierten Rinderwahnsinn BSE kannten. Wir redeten uns wie wahnsinnig den Mund wund, weil uns die neue Seuche unter den Nägeln brannte. Aber was ist nun, wo alle Tiere maul- und klauenamputiert nicht nur genesen, sondern sogar aufgegessen sind? Können wir uns nun wieder einer Schweinshaxe widmen? Können wir den täglichen Hamburger wieder auf die Speisekarte setzen? Und können wir unsere Kinder wieder ohne Bedenken im Streichelzoo abgeben?
Nein, nein und nochmals nein! Fahrlässig haben wir die Gefahr vernachlässigt. Nichts ist so harmlos, dass die Medien sich nicht über alles das Maul zerreißen könnten, was sie in die Klauen kriegen. Deshalb seien hier den eifrigen Seuchenbekämpfern unserer politischen Prominenz noch einige Vorschläge an die Hand gegeben. Die müssten nämlich sicherheitshalber alle Rindviecher, besonders die in den eigenen Reihen, abschaffen. Das hülfe nicht nur gegen Krankheiten, sondern auch gegen die eingebildeten Krankheiten Eingebildeter.
Was aber wäre mit den ebenfalls virulenten Schafen? Denkbar wäre, die Bundesluftwaffe zum vorwärtsverteidigenden Angriff auf Schäfchenwolken aufsteigen zu lassen. Möglich wäre auch ein politisch korrektes Verbot von Schäferstündchen und Schafsköpfen. Weniger restriktiv stellte sich die kostenfreie Ausgabe von Kaffee für eine landesübergreifende Schaflosigkeit dar. Sicher müsste dabei nur gestellt werden, dass der Erfolg nicht von einigen drogenresistenten Skeptikern durch Schäfchenzählen zunichte gemacht werden.
Sonst lachten womöglich noch die Hühner - trotz Grippe. Vielleicht hilft aber auch ein Aktionsprogramm gegen allgemeine Hirnerweichung im Verlauf mit staatlich legitimierten Wahnvorstellungen. Also ab mit den Tieren in die Baumschule, wobei das Kursprogramm effektiv von der gewohnt wirklichkeitsresistenten Hundezentrale für politische Bildung organisiert werden könnte.
Menschen können die Maul-und Klauenseuche übrigens auch bekommen - als sog. Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Das kann ich aus eigener Erfahrung beisteuern. Was man daraus erst einmal für eine Angstkampagne machen könnte...
AntwortenLöschenDie tierische Seuche springt aber nicht auf den Menschen über; die Hand-Fuß-Mund-Krankheit geben wir Menschen uns untereinander weiter. Darum heißt das Ding auch "Falsche Maul-und-Klauen-Seuche".
AntwortenLöschenEine Angstkampagne lohnt sich nicht, weil man keinen Impfstoff verticken kann -- es gibt schlicht keinen.
Und infizierte Menschen keulen geht ja irgendwie auch nicht.
Was bleibt da noch zum Geldverdienen oder zur Profilierung?