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"Brain-Billard"
Bildquelle: economist.com |
Wenn in Schwerin ein Politiker der Linken sich selber mit einem Messer Schnittverletzungen zufügt und dann behauptet, er sei von Rechtsradikalen überfallen worden, ist das nicht nur politisch ein Skandal, sondern auch ein Ausdruck dessen, dass Menschen unter bestimmten Umständen moralisch und kognitiv den Kontakt zur Realität verlieren können. Hier hatte der Politiker seinen Ängsten und Wahnvisionen eigenhändig den Sprung in die Realität ermöglicht, natürlich auch mit dem Hintergedanken, damit ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu treten.
Einen ganz anderen Fall dieses psychologischen Formenkreises
produzierte Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, der sich den Schutz von Bäumen,
Tieren und der Weltmeere auf die Ego-Fahne geschrieben hat. Unter anderem unterstützt
er eine Organisation, die Yachtbesitzer über die Schäden aufklärt, die sie im
Meer anrichten können. Dies hinderte ihn aber nicht daran, mit seiner 90 Meter
langen Yacht in ein geschütztes Korallenriff zu rammen und es dabei weitgehend
plattzumachen. Das ist dann eben nicht nur dumm gelaufen, sondern auch ein
Ausdruck der Spreizung von altruistischer Selbstdarstellung und egoistischer
Selbstverwirklichung. Und solcher Wahn ist letztlich ein konstituierendes Merkmal
der Machtergreifung des neuen Milieus des Niedergangs.
Dabei entfaltet sich bei der Leugnung der Realität und der
Konstruktion einer alternativen Virtualität ein beeindruckendes Spektrum von naiv
bis infam. Einige Beispiele mögen das illustrieren. Schlicht dreist
präsentierte sich die Cicero-Autorin Petra Sorge nach den Vorfällen von Köln bei
ihrem Plädoyer für die Presserichtlinie, nach der die kulturelle Herkunft von
Straftätern zu verschweigen sei. „Debatte hatte einen enormen Hitzegrad
erreicht. Und im Ergebnis zeigt sich: Fast
alle Befürchtungen waren unbegründet. Vollkommen.“ Nebenbei: Allein die oxymorone Kombination
von „fast“ und „vollkommen“ beschreibt die Kompetenz der Autorin.
Beliebt ist auch die Methode des „Schönens“, etwa wenn die
Süddeutsche Zeitung aus einem straffälligen 20-jährigen Afghanen einen „Azubi“
macht. Nicht groß ist da der Abstand zum Fälschen. Wir erinnern alle den in der
Türkei „angespülten“ toten Flüchtlingsjungen, der nachweislich dort erst fotowirksam
drapiert wurde, nachdem er das Opfer der Gier seines wirtschaftsflüchtigen Vaters
geworden war, dem eine Zahnarztbehandlung in der Türkei zu teuer schien.
Dazu passt das jüngste Bild vom kleinen, reichlich
eingestaubten Omran in Syrien, das um die Welt geschickt wurde, um Empörung
über angebliche oder tatsächliche russische Luftangriffe zu erzeugen. Die
Medien interessierte dabei nicht, dass der Fotograf ein Sympathisant jener Islamisten
ist, die kurz zuvor einen 12-jährigen palästinensischen Jungen hingerichtet
hatten. Compact schreibt
dazu: „Sein Facebook-Profil ist vollgepackt mit Bildern, die ihn bestens
gelaunt mit den Männern zeigen, die dem verängstigten Jungen unter lauten
„Allahu-Akbar“-Schreien auf der Ladefläche eines Kleintransporters mitten am
Tag langsam die Kehle durchschnitten. Das
Bild des später als Mahmoud Issa identifizierten palästinensischen Jungen, ging
nicht um die Welt.“
Da wären wir schon beim Verschweigen, wie es praktiziert
wurde, als eine Handgranatenattacke auf ein Flüchtlingsheim in Villingen erst ohne weitere Kenntnis der Umstände als Folge von Fremdenhass verkauft
wurde, bis sie sich nicht mehr als Konflikt unter Sicherheitsunternehmen
verheimlichen ließ. Nur in den wenigsten Medien erschien der nicht ganz
unwesentliche Zusatz, dass es bei den Tätern um Osteuropäer gehandelt hatte.
Subtiler ist die Methode der gelenkten Assoziation. Nehmen
wir das Beispiel eines ursprünglich friedlichen Protestes gegen ein
Flüchtlingsheim, über den ein Kommentator zu einem früheren Kustos-Text im
Portal der „Freien Welt“ berichtete. „…es erst mit der Polizei Stress gab, als
die Antifa auftauchte. Die Anwohner griffen nicht die Polizei an, hatten auch
keine Böller, die Antifa, die dann kam, aber schon. Nächsten Tag in der Zeitung
war aber nur von einer Demo von Asylgegnern die Rede und dass es Zusammenstöße
mit der Polizei gab, Böller geworfen wurden usw. Die Antifa existierte im
Bericht überhaupt nicht! Doch nichts war gelogen! Es stand ja nicht da, dass
die Anwohner Böller geworfen hätten oder Zusammenstöße gehabt hätten.“ Gerne
werden durch assoziative Verknüpfung auch Politiker, Journalisten, Autoren und
kritische Bürger in die Nähe (vermeintlicher) Extremisten gerückt.
Manch einer mag sagen, es handelte sich hier um nicht zu
verallgemeinernde Beispiele. Doch sind sie tatsächlich beliebig ergänzbar und
gewinnen allein dadurch empirische Bedeutung. Vor allem aber hat die Tatsache,
dass es derart absurde Vorfälle in derartiger Häufung überhaupt geben kann,
allein Beweiskraft genug.
Es ist ja nicht so, dass in solchen Fällen immer ein böser
Vorsatz der Manipulation zu Grunde liegt. Die Schere im Kopf der Autoren,
Redakteure und der zahllosen mobbenden und diskriminierenden großen und kleinenMachtausüber des Alltags, die nur wahrnehmen, was in ihr Weltbild passt,
erledigt den Job meist besser als jede Zensurbehörde. Diese Meinungsmultiplikatoren
leben längst in einer Welt, die sich nicht mehr an realen Maßstäben zu
orientieren hat. Nicht das Sein bestimmt ihr Bewusstsein, sondern fortan das
Bewusstsein das Sein. Und betroffen sind dann natürlich nicht nur die
Produzenten solcher „Wahrheiten“, sondern auch deren Konsumenten.
Dieses neue Milieu kann sich als idealistisch ausgeben, weil
es im philosophischen Sinne tatsächlich idealistisch ist, also den eigenen
Ideen mehr Bedeutung zumisst als der Wirklichkeit. Die Grenze zum Pathologischen
wird da angesichts fehlender realer Rückkopplungen schnell fließend. Wie ließe
sich sonst erklären, dass es in Brandenburg seit 2005 ein „Willkommensprojekt“
mit mehr als 450 ehrenamtlichen Botschaftern gibt, das sich „um
Akzeptanzsteigerung bemüht“. Deren Chefin sich verständnisvoll gibt, man müsse
„die Ängste der Bürger schon ernstnehmen.“ Interessant wird das längst anderswo
gewohnte Neusprech dabei erst, wenn man weiß, dass dieses Willkommensprojekt
sich auf Wölfe bezieht. Hunderte von Menschen sind also mit großem Engagement
beschäftigt, gefährliche Raubtiere in menschlichem Siedlungsgebiet anzusiedeln.
Ohne Not wird eine Gefahr für Mensch und Haustier erzeugt, getrieben von
Romantik und falscher Tierliebe.
Das wahnhafte Bemühen um die nun im Allgemeinbewusstsein
angekommenen Hippie-Ideale „Love, Peace und Surrender“, auf Deutsch also um die
Aufgabe natürlicher Interessen, stattdessen die Unterordnung als ethischer
Standard oder kurz: das politisch Korrekte muss sich dann auch um demokratische
oder zivilisatorische Spielregeln keine Gedanken mehr machen. Praktiziert wurde
diese Nonchalance beispielsweise in der Apotheken-Zeitung „Baby & Familie“,
wo unter dem Titel „Gefahr von Rechts“
die Eltern von kleinen Kindern und deren Kindergärtner ausführlich informiert
wurden, wie man am Verhalten der Kinder „rechte Eltern“ ausfindig machen könne.
Unter der Anleitung von Diplom-Sozialarbeitern,
„Rechtsextremismusforschern“ und einer „Expertin“ der Amadeu-Antonio-Stiftung,
also der derzeit obersten Zensurbehörde der Republik mit besten Kontakten zur Regierung
und zur Antifa, setzt es dann Ratschläge wie: „Kinder rechter Eltern sind nicht
unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach
längerer Zeit auf, zum Beispiel, weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind.“
Oder: Sie tragen „vielleicht
bestimmte Kleidermarken“, denn „Kinder
solcher Eltern tragen keine amerikanischen Schriftzüge auf ihrer Kleidung“. „Jemand, der sich damit nicht
auskennt, bemerkt dies nicht unbedingt“, warnen die ideologischen Unheilstifter,
ein deutlicher Hinweis seien aber „akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke“. Der
Artikel ist entsprechend durchillustriert mit Frauen und Mädchen mit
geflochtenen blonden Zöpfen im BDM-Stil.
Soll man sich nun über diese völlig realitätsfremde Dummheit
fremdschämen, die offensichtlich einem Wahn Folgenden bedauern oder eher darüber
nachdenken, welcher Geist der Denunziation, Bespitzelung und Aufkündigung des
sozialen Friedens inzwischen selbst an der Basis Eingang gefunden hat. Richtig
gruselig wird es, wenn dort von einer Mutter berichtet wird, die ins Fadenkreuz
dieser neuen Inquisition geriet. „Es
gab viele Gespräche mit der Mutter, in deren Verlauf sie immer einsichtiger
wurde.“ Der Ausdruck DDR 2.0 für unsere neue Bundesrepublik dürfte bald zu
einem Euphemismus schrumpfen.
Da gesamtgesellschaftlich die Realität zunehmend gegen das
Virtuelle ausgetauscht wird, ist, wie schon eingangs der Schweriner Politiker
demonstriert hat, das Bewegen im Wahn durchaus eine Karrieremöglichkeit –
solange man sich dann nicht doch irgendwo mit der Rest-Realität verheddert. In
einer Epoche, in der das Erfahrungswissen in dem Maße an Bedeutung verliert,
wie Theorien und Behauptungen zur Richtschnur unseres Denkens werden, können
sich die Lügen gegenseitig stabilisieren, ohne dass es groß auffällt. Das Wesen
des daraus entstehenden neuen kollektiven Wahns ist es also, dass die
Betroffenen alles in schönster Ordnung sehen. Sie können nicht anders, weil
schon ihre Lernschaltkreise fehlprogrammiert sind - und nur so lassen sich all
die schrecklich absurden Dinge erklären, die um uns herum geschehen.
Wen wundert es, wenn sich herausstellt, dass all dieser
Wahnsinn durchaus auch Methode hat. Der Wirtschaftswissenschaftler Richard
Thaler und der Rechtswissenschaftler Cass Sunstein haben ein Buch über das „Nudgen“
geschrieben. Es geht dabei um das Entwickeln von Methoden, das Verhalten von
Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und
Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Damit der
Leser dies nicht sofort als besonders perfide Sonderform der Manipulation
erkennt, wird jede Menge virtuelle Ethik gleich mitgeliefert. Die Autoren
nennen ihre Methode der Unterdrückung ohne erkennbaren Zwang „libertären
Paternalismus“.
Auch hier stoßen wir wieder schon im Begriff auf die
virtuelle Verschleierung ganz konkreter Unterdrückungsmechanismen. Ausgehend von der banalen Erkenntnis, dass
menschliche Entscheidungen nur begrenzt rational sind, gelte es das Gemeinwohl
zu fördern, indem die Menschen „paternalistisch“
beeinflusst werden. Schwuppdiwupp wird so real Böses in virtuell
Gutmenschliches verwandelt. Schließlich, so die beiden streng wissenschaftlich
Wahnsinnigen, sei diese Form der Bevormundung durchaus freiheitlich, da ja
jedem Menschen die Möglichkeit offen stehe, sich für einen anderen Weg zu
entscheiden.
Wieder einmal zeigt sich, dass Experten die Katalysatoren
des grassierenden Wahns sind. Ich werde mich nicht entblöden, meinen Lesern zu
erklären, warum diese Irren einer neuen Form der Diktatur, die auch ohne solche
ideologische Begleitmusik unaufhaltsam auf dem Weg zu sein scheint, das Wort
reden. Für jeden noch im Hier und Jetzt Verankerten dürfte dies auch so auf der
Hand liegen. Der Wahn schließt sich um unsere Gesellschaft wie ein Schwarzes
Loch: tödlich, finster und unentrinnbar. So wird der Weg über die Klippe zum
Wert an sich, die Gesellschaft des Niedergangs rehabilitiert den
Zauberlehrling. Der Wahn wird zur Wahrheit. Am Ende kann jeder Wahn, nur weil
er vorgibt, möglicherweise Gutes bewirken zu können oder zu wollen, zu etwas
Wünschenswertem mutieren. Und alles Bewahrende, dass sich diesem Zug ins
Nirgendwo entgegenstellt, ist dann eben ein Angriff auf den zum Fortschritt
erklärten Irrsinn und muss als Werk des Teufels der Inquisition anheimfallen.

Ganz ausgezeichneter Artikel . Besser kann man Zustände nicht beschreiben .
AntwortenLöschenSchön beschrieben, so isses - noch. Eine wahnsinnige Welt.
AntwortenLöschenPs:
Der Teufel mit seinem Anhang, wird auf Hel geworfen.
Auch wenn es etwas anders ist, als die Erdenmenschen sich das denken - hier sind die, die das wieder neu ordnen und richten werden.
http://fogy.guitars/neuigkeiten-und-so/index.php
Man kann gar nicht genug über den Wahnsinn schreiben, der die westliche Gesellschaft in ein offenes Irrenhaus verwandelt hat in dem paranoide Therapeuten immer neue Wahnvorstellungen entwickeln, denen zu folgen dann das Heil in die Welt bringen soll. Wer noch klar zu denken vermag, wird gemieden, ausgegrenzt und gerne auch schon mal verleumdet. Doch was ist das für eine Welt, deren Abiturienten zwar die schon abgesenkten Hürden der körperlichen Leistungsfähigkeit gerade noch überwinden können, aber dann beim Einstellungstest für das Bundeskriminalamt wegen unzureichender Beherrschung ihrer Muttersprache abgewiesen werden müssen, weshalb es nur gelingt, die Hälfte der vorgesehenen Stellen zu besetzen? Siehe hier: http://www.spiegel.de/panorama/bundeskriminalamt-bewerber-scheitern-am-deutschtest-a-1124217.html
AntwortenLöschenDa kann man nur noch sagen: Die Bildungs- und Rechtschreibreformen tragen jetzt ihre wahren Früchte. Die Bildungsrepublik wird zur Legastheniker-Hochburg und immer noch wird der schulische Schwerpunkt auf fächerübergreifende Frühbegenderung gelegt. Als Pippi Langstrumpf noch einen Negerkönig zum Vater hatte und ein Zigeunerschnitzel auf jeder Speisekarte zu finden war, waren auch die schulischen Leistungen noch besser. Damals ging es noch ums Wesentliche, heute werden wir bis zur Erschöpfung mit Kinkerlitzchen beschäftigt.
Danke für den großartigen Beitrag.
Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer
»... Du hast eben keinen Wahnsinn, jedenfalls nicht den richtigen. Der keinen einzigen Fehler macht, der nichts verklärt, nichts bewundert, was nicht bewunderswert ist.
AntwortenLöschenDer Walmann, H. Boëtius
die Meinungslenkung läuft noch auf mit einem wesentlichen weiteren Werkzeug: Moderation von Kommentaren und Leserbriefen. Die Redaktion zensiert die Meinungen. In Leserbriefen und Kommentaren kann man nicht andeutungsweise sagen, welche Info zum Zusammenhang fehlt, welche Unterschlagen wurde, was fehlt, geschweige denn seine Meinung, was man denkt. Die Redaktionen zensieren radikal und veröffentlichen höchstens kleine, milde Kritiken. Beispiel in der ZEIT. Da schwingt sich die "Moderation" auf, den Stil der Antworten zu bemängelbn und zu bestimmen welche Argumente nicht dazugehören. Wobei die behaupteten Gründe nicht kontrllierbar sind, sie können genausogut nur vorgeschoben oder eingebildet sein. Wofür einiges spricht. So sind mir mehrere solcher Fälle vom Spiegel, vom Focus und von der ZEIT zugetragen worden! Und was bei der WELT und der SZ und den Funkmedien ARD & ZDF passiert, ist ebenfalls im höchsten Maße anrüchig.
AntwortenLöschenVielleicht ist www.polpro.de/disqual.html oder so die richtige Antwort auf unsere Meinungslenker. Vielleicht ...