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Samstag, 6. Dezember 2014

Nachdenken statt Nahdenken

Zeichnung: http://artsfwd.org
„Sieh, das Gute liegt so nah“, meinte einst der gute Goethe, wobei wir ihm halbherzig recht geben wollen. Halbherzig deshalb, weil ein guter Gedanke tatsächlich etwas Gutes ist, aber keineswegs naheliegt. Politiker und Experten wollen uns zwar gerne weismachen, dass ihr Denken in geistigen Abkürzungen schneller zum Ziel führt, doch ist das scheinbar Naheliegende eher die Abkürzung ins intellektuelle Nirwana. „Lieber einmal in der Woche freiwillig Spinat mit Ei als jahrelang unfreiwillige Überwachung durch die NSA“, folgerte beispielsweise einst die Spitzenkandidaten der Grünen in ihrem Wahlkampf und wollte damit irgendeinen verschwurbelten Zusammenhang zwischen Veggie-Day und Anti-Unterdrückungspolitik herstellen. „Frauen schonen die Umwelt“, ermittelte allen Ernstes die Universität Halle, weil diese weniger klimaschädliches Fleisch zu sich nähmen. Dass es zwischen Männern und Frauen Stoffwechselunterschiede und andere Besonderheiten (etwa Schwerstarbeit) geben könnte, fiel dabei nicht ins Kalkül. Die Crux unserer Zeit ist es, dass komplexe Zusammenhänge auf ein paar griffige Parolen reduziert werden, und das geschieht leider nicht nur bei den vorauseilenden Verlautbarungen, sondern auch in der täglichen Praxis.