Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Sonntag, 12. Februar 2012

Kirchhof oder Friedhof


Bisher herrschte an kritischen Stimmen über die Zukunft des Euro in Deutschland, jedenfalls soweit es die Mächtigen und Einflussreichen betrifft, absolute Kirchhofsruhe. Ausgerechnet Ferdinand Kirchhof, seines Zeichens Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, blieb es vorbehalten, den ersten Stein zu werfen: Mehr direkte Demokratie in Euroland fordert er und meint damit Volksabstimmungen über sowohl den Euro selbst als auch über gewisse europäische Verträge. Wir werden sehen, ob das auf die Nachbeter der herrschenden Gesundbeter Eindruck machen wird. Ein Segen wäre es.

Sonntag, 5. Februar 2012

Eurokraten-Paten

Vor einer Woche ging es an dieser Stelle um ruinöse Drogeriewaren, und diesmal geht es um einen desaströsen Persil-Schein. Nicht nur einen für vergangene Missetaten, sondern praktischerweise einen, in den Versagen und Betrug für die Zukunft gleich eingebaut wird. Einen Weißwascher für ein Konstrukt, das unsere Zukunft mehr verändern wird, als es auf die ersten, ohnehin schon erschreckenden Blicke erkennbar ist. Die Rede ist vom ESM, dem „Stabilitätsmechanismus“ für die Eurozone, der nicht nur ein verzweifelter Versuch ist, die europäische Konkursverschleppung zu intensivieren, sondern auch ein Anschlag auf die Demokratie an sich. Ein Terrorakt von oben, der unsere politischen Denk- und Verhaltensweisen nachhaltig verändern wird.

Sonntag, 29. Januar 2012

Schlecker-Wecker

Hier wird oft über die schlimmen Dinge des Niedergangs berichtet, aber diesmal gibt es eine gute Nachricht: Schlecker ist pleite. Möglicherweise winkt die völlige Zerschlagung der einst größten deutschen Drogeriemarktkette, die seit den 70er Jahren für negative Schlagzeilen von Mitarbeiterausbeutung über ein zweifelhaftes Warensortiment bis hin zum aggressiven Ausbreitungswahn gesorgt hat. Doch der Niedergang der Gesellschaft wäre nicht der Niedergang, den wir kennen, wenn er sich nicht auch prächtig in der Schlecker-Abwicklung entwickeln könnte.

Sonntag, 22. Januar 2012

Stromabwärts

"Umweltfreundlich!"
Foto: Konrad Kustos
Alternative Energie tut not, aber welche? Die Windenergie spargelt schönste Landschaften bei niedriger Effizienz und hoher betriebsbedingter Anfälligkeit zu, die nachwachsenden Rohstoffe fressen Tropenwälder und wachsen mit Hilfe von Umweltgiften, Wasserkraft erzeugt Unterspülungen und Schlammlawinen, Geothermik verursacht Erdbeben - und alles zusammen leidet darunter, dass Energie immer noch nicht befriedigend gespeichert werden kann. Da sieht doch die Photovoltaik, die die Sonnenenergie nutzbar macht, wie der sichere Sieger aus. Hat ausgesehen, muss es nun aber heißen: Bei einer Solarfirma nach der anderen geht in Deutschland das Licht aus, weil jeder fromme Glaube an eine nicht so locker zu realisierende Sache irgendwann mit der Realität konfrontiert wird.

Sonntag, 15. Januar 2012

Fraglicher Frühling

Nun haben sie fertiggewählt in Ägypten. Wahlen sind demokratisch, verhindern Alleinherrschaften und haben sich bei uns bestens bewährt. Sie sind einfach toll, weil sie zum Grundkonsens unseres Zusammenlebens gehören. Noch besser sind Wahlen allerdings, wenn bei ihnen auch Demokraten Demokraten wählen. Da sieht es nun in Ägypten, einem der einflussreichsten Länder Arabiens, schon schlechter aus: rund 40% für die offiziell als moderat-islamistisch eingestufte Partei der Muslimbrüder, mehr als 20 Prozent für die radikale Partei des Lichts. Insgesamt eine dramatische Mehrheit islamistischer Kräfte. Da staunen unsere Medien, hatten sie doch seit Monaten den Aufbruch der Araber in eine Zeit der Freiheit bejubelt, und nicht nur in Ägypten geht der Schuss nun nach hinten los.

Sonntag, 8. Januar 2012

Närrische Nebelschau

Foto: ARD
Tom Buhrow, der Möchtegerne-Entertainer von den Tagesthemen, ist ein Medienclown, dem die Information wenig, das eigene Profil viel bedeutet. Allerdings ist er dabei nur eine Spitze vieler Eisberge. Die journalistische Berichterstattung als solche bewegt sich nämlich ziemlich geschlossen unter der Oberfläche und lässt uns kalte Füße kriegen, wenn wir an die Folgen für die demokratischen Strukturen denken. Infotainment scheint das Gebot der Stunde, aber das Problem liegt tiefer: Der Journalismus hat sich verkauft – an die Mächtigen und an die eigene Eitelkeit.

Sonntag, 1. Januar 2012

Alter-Ego

Die Kinder haben’s schwer, heißt es. In der Tat können sie sich körperlich gegen die Großen nicht durchsetzen. Das ist natürlich gemein, und deshalb wetteifert alle Welt, diese Ungerechtigkeit durch Bevorzugung an anderer Stelle auszugleichen. Deshalb gestehen wir den Kurzen auch manchmal Dinge zu, für die ein Erwachsener in Handschellen abgeführt werden könnte. So ist jemand, der sich im Restaurant dagegen verwahrt, dass fremde Kinder von seinem Teller essen, in der öffentlichen Wahrnehmung ein halber Faschist. Und weil in einer exzessiven Toleranzgesellschaft noch nicht freiheitsfähige Lebewesen mehr oder weniger alles dürfen und parallel dazu ‚Erziehung’ immer mehr ein Synonym für ‚Repressalie’ wird, entstehen daraus soviele Probleme, dass sich mit denen locker der Blog für die nächsten 52 Wochen füllen ließe. Ein andermal vielleicht, denn heute geht es ausgelassen zum Jahreswechsel mal in einer ganz und gar nicht ausgewogenen Polemik um das exakte Gegenteil: Wer schützt eigentlich die Alten, die mit dem Tempo nicht mehr mitkommen?