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Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachten des Wahnsinns

Das Weihnachtsfest musste schon einiges aushalten. Erst haben die Christen es von den Heiden vereinnahmt, dann wollten sie es wieder verbieten, schließlich rückte der Dämon Mammon in den Vordergrund und nun gerät es zunehmend, und das macht es richtig sympathisch, in die Schusslinie der politisch-moralisch korrekten Kämpfer für das selbstgestrickte Gute. Doch der Reihe nach…
Als das Christentum im alten Rom Staatsreligion wurde, funktionierte man kurzerhand die Saturn-Feierlichkeiten zur Feier der Geburt Christi um. Aber in unseren „christlichen“ Weihnachtsbräuchen ist auch sonst nicht viel authentisch christlich. Nimrod, ein mythisch-mystischer vorderasiatischer König zweifelhaften Rufs, könnte der Vorläufer des durch den Kamin rutschenden Nikolaus gewesen sein. Immergrüne Feierbäume gab es schon im alten Ägypten, das Datum der Wintersonnenwende nutzten schon die Druiden und auch vorgeschichtliche Menschenopferer.


Das passte den strenggläubigen Puritanern in England ebensowenig wie die Orgien, die gerne zur Feier der Geburt des jungferngezeugten Jesus gefeiert wurden. Deshalb blieben von 1647 an die Kirchen zur Wintersonnenwende geschlossen; mit ein Grund, warum Weihnachten jetzt ein Fest des häuslichen Beisammenseins ist. Inzwischen geht es Weihnachten auch durch externe religiöse Eiferer an den Kragen. In Indonesien wurde einer christlichen Gemeinde das Weihnachtsfest einfach verboten; viele Kirchen im ganzen Lande standen unter Polizeischutz.

Und der radikal-islamische Vordenker Yussuf al-Qaradawi (der mit den Mohammed-Karikaturen groß rausgekommen war) forderte, allen Christen in islamisch dominierten Staaten das Feiern zu verbieten. Die Feiertage verstößen gegen den islamischen Glauben. In einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, sagte der 83-Jährige, Araber und Muslime dürften keine Weihnachtsfeste mehr erlauben und auch der Verkauf von Weihnachtsbäumen sei zu unterbinden.

Zurückhaltender, aber umso nachhaltiger sind die Angriffe, die von Leuten und ihren Gesinnungsgenossen inszeniert werden, die in einem roten Mann mit weißem Bart zuerst Karl Marx wahrnehmen. Ihnen ist Weihnachten schon lange ein Nadelbaum im Auge, denn sie sehen neben dem Kommerz darin auch einen Anschlag auf das „vernünftige“, rationale Denken. Wohl auch deshalb verbot 1990 der fortschrittliche Verwaltungsrat einer Gemeinde in Cleveland, USA, alle Geburts- und sonstige Weihnachtsszenen von jedem Schulgrundstück zu entfernen, weil dies die Trennung von Kirche und Staat verletze.

Das hier an anderer Stelle schon kommentierte USA-weite Verbot, „Happy Christmas“ zu wünschen (und das Gebot, stattdessen „Happy Holidays“ zu verwenden), um das rund eine Prozent der Nichtchristen nicht zu diskriminieren, war dann nur die konsequente Fortsetzung des ideologischen Spaßverderbens. Wenn das dort konsequent gehandhabt werden soll, müsste eigentlich auch der weihnachtliche Konsumterror abgeschafft werden, doch so weit geht die Spaßverderberei im Mutterland der Weihnachts-Coke-Konvois dann doch nicht.

Man kennt das aber schon aus einem anderen Land, das Probleme mit der Denkfreiheit hatte: Der DDR wird nachgesagt, man habe aus dem Christkind eine Jahresendflügelpuppe machen wollen. Was haben wir im Westen darüber gelacht, doch das Lachen bleibt jetzt im Halse stecken: Jene Menschen, die mehr wissen als andere, was für alle gut ist, wissen, dass für Weihnachten Tiere geschlachtet und Bäume geschlagen werden, dass Kerzenflammen CO2 freisetzen, dass wir ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil es ja nicht allen so gut geht und weil manche das Familienfest nicht feiern können, weil sie keine Familie haben. Diese Leute erfreuen sich eines guten Gewissens, wenn sie anderen ein schlechtes Gewissen verschaffen, indem sie ihnen ihre weihnachtlichen Todsünden vorbeten.

Natürlich ist von dem beschworenen besinnlichen Weihnachten nicht mehr viel übrig. Aus dem Saat-Fest der heidnischen Saturnfeierlichkeiten sind längst die Sat-Feste der Saturn-Märkte geworden. Und dennoch: Ist es nicht ein zu verteidigender Kulturwert in einer sich selbst aufreibenden Niedergangsgesellschaft aus Individualismus, Hektik und wirtschaftlichem Überlebenskampf in dieser speziellen Situation sozusagen zwangsweise zum Innehalten und Beisammensein gebracht zu werden? Lasst uns doch einen letzten Moment genießen, in dem wir uns dem Rest eines Zaubers hingeben, den die Vergangenheit entwickelt und uns hinterlassen hat. Lasst uns den Kirchenfrieden halten, wie ihn früher die Päpste verordneten, ohne auch nur einen Gedanken darauf zu verschwenden, welcher Aberglaube uns das Weihnachtsfest nun eigentlich hinterlassen hat.

Aber nein, passend zu Weihnachten kommt nun ein ökologisch korrekter Stromversorger daher, dessen Windkraftanlagen selbstverständlich keine katastrophale Ökobilanz haben, und rechnet uns vor, dass in der Weihnachtszeit 500 Millionen Kilowattstunden für die Festbeleuchtung verbraucht würden, weil 8,5 Milliarden kleine Lichter in den Lichterketten leuchten. Selbst wenn die Rechnung stimmt: Was wäre wichtiger als mit 500 Millionen Kilowattstunden ein wenig Licht in kalten Herzen zu entzünden?

Und der an seinen mit Pestiziden aufgezogenen Ölsaaten auf Regenwaldboden moralisch gutes Geld verdienende Stromversorger ist kein Einzelfall. Selbst bei der vom Autor höchstgeschätzten Wikipedia muss man lesen: „Die Werbung mit Lichteffekten, vor allem in Form der Weihnachtsbeleuchtung, führt zu einem hohen Stromverbrauch in der Vorweihnachtszeit und ist insofern klimaschädlich.“ Da wundert es erst recht bei der EU-Kommission nicht, dass sie für fünf Millionen Euro vor einem Jahr einen Jugendkalender drucken ließ, der politisch korrekt sowohl muslimische, jüdische und sogar hinduistische Feiertage enthielt, in dem allerdings Weihnachten „vergessen“ wurde.

Ostern wurde übrigens gleich mitvergessen - und das ist auch gut so. Schließlich wird seit einiger Zeit unter Berufung auf EU-Umwelt-Regelungen in Deutschland auch das Abbrennen von Osterfeuern von den Behörden verhindert. Dort entstünden schließlich Feinstaub (wo ist die Verhältnismäßigkeit?) und CO2 (das entsteht aus alter Vegetation in gleichem Maße, egal ob sie verrottet oder verbrannt wird). In dem Sinne: Frohe Weihnachten!




5 Kommentare:

  1. ja, schön einfach mal den schwachsinn so auf den punkt zu bringen.
    und so soll den bürgern weltweit mal wieder der letzte rest von toleranz und recht auf eigene bräuche ausgetrieben werden.

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  2. Weihnachhtheileweltsheuchler,jede Stunde sterben Leute am Hunger,mir ist Weihnachten vergangen.Na dann frohe Ostern

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  3. ... und wenn Du Dich noch so selbstgerecht empörst: Die Leute sterben dann immer noch. Wenn auch nicht am Hunger, sondern an Unterernährung (an Hunger ist nämlich noch keiner gestorben, höchstens ist er verhungert). Also gönne auch Du Dir wenigstens an Weihnachten mal ein paar entspannte Gedanken. Nur wer seine eigene Lage meistert, kann anderen helfen oder gar Ratschläge erteilen.

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  4. Allen anderen Lesern des Blogs wünsche ich trotz allem frohe Weihnachten. Euer Frank

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  5. Dürfen Atheisten eigentlich Amen sagen?

    Amen.

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