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"Lächeln für den Niedergang"
Foto: ARD |
Fehlbesetzt war Buhrow schon als Moderator, worüber hier
schon
ausführlich referiert wurde. Mit seinem Schwiegersohnlächeln gelang es ihm, die
schlimmsten Katastrophen ins Familientaugliche zu konvertieren, aufkeimende
Kritik an politischen Selbstdarstellern mit einem jovialen Nicken zu
beschwichtigen. Er war die fleischgewordene Abkehr vom kritischen Journalismus,
von wertungsfreier Berichterstattung und vom demokratischen Selbstbewusstsein
der vierten Gewalt.
Wie man hört, hat er sich nach dem Posten nicht gedrängt.
Das passt, denn diejenigen, die an den Fäden ziehen, können einen Strohmann
ohne Führungserfahrung gut brauchen. Und er kann den Job gut brauchen, wo wir
doch wissen, dass seine Vorgängerin Monika Piel pro Jahr mehr als 53.000 Euro verdient
hat und der Wert ihrer Altersversorgung mit 2,14 Millionen Euro beziffert wird.
Dabei ist bei seiner Bestallung vom Gärtner zum Bock alles
niedergangsmäßig korrekt vorgegangen: 41 von 47 Stimmberechtigten votierten für
ihn. Da wir uns die Interessenorientierung in diesem Gremium gut vorstellen
können, war das ungefähr so demokratisch, wie wenn Architekten in den Jurys von
Architekturwettbewerben über die Architekten bestimmen, die unsere gebaute
Umwelt noch ein bisschen hässlicher machen dürfen. Letztlich ist das auch so
demokratisch, wie wenn Erich Honecker einstimmig zum Generalsekretär gewählt wurde.
Kein Wunder, dass die Unterschiede zwischen Tagesschau und Aktueller Kamera jenseits
ihrer politischen Polarität kaum noch bemerkenswert sind.
Buhrow hat also keine Ahnung von seinem neuen Job, aber er
hat als Korrespondent in Amerika sein berühmtes Servicelächeln und die
entsprechende Systemkonformität erworben. Natürlich will er nun ein „Intendant
zum Anfassen“ sein und fordert „Mut zu Experimenten“. Er scheut sich nicht
einmal zu sagen „Ich liebe den WDR“. Kann man eine Rundfunkanstalt lieben? Und
was sagt seine Ehefrau dazu?
Doch die geliebte Anstalt schreibt derzeit rote Zahlen.
Deshalb ist der ehemalige News-Showmaster in Wirklichkeit dazu da, nun auch im
öffentlich-rechtlichen System die Strukturen des Postkapitalismus einzuführen -
Strukturen wie sie die restliche Medienlandschaft schon vollzogen hat. Kurz
gesagt: weniger Mitarbeiter, weniger hohe Gehälter, weniger Information, dafür mehr
Show, Unterhaltung und verordnete Meinung.
Ein windschnittiger Mann wie er mag auch dafür vorgesehen
sein, der verstörten Öffentlichkeit zu erklären, warum das neue
Rundfunkbeitragsgesetz den öffentlich-rechtlichen Anstalten noch mehr Geld
zukommen lässt, obwohl diese seit vielen Jahren kaum etwas anderes tun, als die
privaten Sender aufs peinlichste zu kopieren. Werbende Spielfilmeinblendungen,
hysterische Trailer, Gewinnspiele zur Produktwerbung und ein durch Volksmusik schlecht
kompensierter Jugendwahn; die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.
Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats, bestätigte
diese Mutmaßungen zur Funktion des neuen Intendanten gleich nach der Wahl
Buhrows: „Die anstehenden programmlichen und finanziellen Herausforderungen
erfordern eine zukunftsorientierte Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
und eine hohe Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft nach innen und
außen.“ Will sagen: Nach innen braucht man einen Hampelmann und nach außen
einen Grüßaugust.
Kritiker aus dem WDR-Umfeld bezeichnen den Neuen als
Laiendarsteller, der keine Führungskompetenz habe. Selbst seine praktischen
Erfahrungen werden als eingeschränkt betrachtet, denn er hat ausschließlich
Fernsehen gemacht und das auch noch ausschließlich in der aktuellen
Berichterstattung. Doch so ist es ja in der freien Wirtschaft auch: Der Lenkwaffen-Manager
geht zur Unterhosenfirma, der Würstchenfabrikant zu Microsoft. Ihre Qualitäten
haben nicht auf der Ebene der Konstruktivität zu liegen, sondern auf der der
Selbstdarstellung und des Wegbeißens von Konkurrenten. Das Interessanteste an
all dem ist das Phänomen, das ich in meinem Buch mit dem Begriff Paul-Prinzip zu beschreiben versucht habe: Die Funktionäre des
Niedergangs steigen nicht mehr wie früher nach dem Peter-Prinzip bis in eine Position, in der sie
inkompetent sind, sondern sie steigen überhaupt nur, wenn sie von Anfang an in
Bezug auf ihre formalen Aufgaben inkompetent sind.
Dies ist eben die neue Äußerlichkeit, und das ist nur
konsequent in der virtuellen Gesellschaft. Sonst könnte man ja auf die Idee
kommen, nach Möglichkeiten zu suchen, Probleme zu lösen, statt sie
wegzulächeln, wegzulügen oder zu verschweigen. Doch das ist mega-out. Ein viel
genanntes Argument allerdings, das Buhrows Medienkompetenz und seine
zugreifende Art dann doch noch beweist, wurde bisher hier unterschlagen: Er ist
glühender Tatort-Fan.

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