Die wird auch hier und heute nicht geliefert werden können,
dafür aber ein paar Fakten und Überlegungen, die der Mainstream so gerne
entweder verschweigt oder in einen euphemistischen Zusammenhang setzt. Denken
wir nur an die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung im Range eines
Staatsministers, Aydan Özoguz, die sich kürzlich zu etwas bekannte, was früher
selbst dümmliche Lonsdale-Jacken-Träger nicht durften: „Ich fühle mich als
Deutsche, aber ich bin auch stolz auf meine türkische Abstammung". Stolz?
Stolz kann man auf eine Leistung sein, aber was ist es für eine Leistung, eine
Abstammung zu haben?
Vielleicht hat die in Deutschland Geborene noch Sprachprobleme?
Wohl eher kognitive Probleme offenbaren sich, wenn sie ergänzt: „Ich begreife
Zuwanderung immer als Chance." Nicht etwa „kann eine Chance sein“ oder
„hat positive Seiten“, sondern ein Absolutum, das man den nordamerikanischen
Indianern, den Inkas oder den von Mongolen überrannten Völkern einmal zur
Unterschrift vorlegen sollte. So sind sie eben, die Befürworter von Amts oder
Gesinnungs wegen, - man fühlt sich gut, ohne an die Konsequenzen zu denken.
Natürlich kommt es für einen Staat, ein Land, ein Volk sehr
wohl darauf an, wie fähig und wie sozialverträglich die Menschen sind, die
kommen, in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt sie immigrieren oder
gegebenenfalls emigrieren. Weiter könnte man zusätzlich in fachliche, soziale,
körperliche oder kulturelle Kompetenz untergliedern. All das spielt im gegenwärtigen
Diskurs jedoch keine Rolle. Ganz nach dem Motto von Insterburg & Co „Was
drin ist, das ist drin, das ist des Lebens Sinn“.
Aber es geht ja in der Wirklichkeit auch gar nicht darum,
was verlautbart wird, sondern was passiert und warum. Was passiert, ist klar.
Die weltweite Krise des Systems setzt eine Völkerwanderung unbekannten Ausmaßes
in Gang. Mehrheitlich besteht sie aus Konfliktflüchtigen und
Armutsflüchtlingen. Warum es allerdings passiert, d.h. passieren kann, tritt
für viele in den Hintergrund: Nachdem der (Groß)Kapitalismus in einer
globalisierten, vollkommen erschlossenen und überbevölkerten Welt kaum noch
neue Märkte findet, um lange bewährte wirtschaftliche Strukturen
aufrechtzuerhalten, verlängert er seine Existenz durch den Import billiger
Arbeitskräfte einerseits und den Import neuer, durch das Sozialsystem
alimentierter, Konsumenten.
Dabei ist es ihm weitgehend egal, ob diese Zuwanderer
Kompetenzen haben, die für die Gemeinschaft nützlich sind. Schließlich lohnt
sich für ihn schon der Druck, den sie auf die Löhne ausüben können. Und für die
sozialen Lasten kommen schließlich am wenigsten die Konzerne auf, sondern der lohnabhängige
Steuerzahler sowie der gewerbliche Mittelstand. So erklärt sich auch, warum zu
Mitteleuropa inkompatible Staaten wie Rumänien und Bulgarien in die EU
aufgenommen wurden oder warum die EU beispielsweise in der Ukraine zündelt.
Mehr als 60.000 Bulgaren und Rumänen leben mittlerweile in
Deutschland von Hartz IV - bei steigender Tendenz. Das sind 60% mehr als vor
einem Jahr. Ursache ist die seit Anfang des Jahres geltende Freizügigkeit, mit
der beispielsweise auch Balkan-Ausländer Anspruch auf Sozialleistungen in
Deutschland haben. Die Zahlungen beanspruchten im Mai 20,9% der zugezogenen Bulgaren
und 9% der Rumänen, ein auffälliger Unterschied, der nirgends erklärt wird. Zum
Vergleich: 7,5% der Deutschen waren Hartz-IV-Bezieher und 16% der gesamten nichtdeutschen
Staatsbürger. Zumindest die Rumänen schneiden also gar nicht so schlecht ab,
und tatsächlich waren 185.000 Bulgaren und Rumänien zur selben Zeit
sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wie gesagt, der Postkapitalismus
erfreut sich an beiden Varianten.
Aber die unverantwortliche Aufblähung der EU ist ihm nicht
genug. So wird Rumänien immer mehr zum Einfallstor auch für Nicht-EU-Bürger.
Für lau (aus unserer Sicht) können sich hier Moldauer und andere einen
rumänischen Pass besorgen und damit EU-Bürger werden. 152.000 Menschen wählten
2011 und 2012 diese Abkürzung in die gelobten Länder, gegenwärtig sind 112.000
weitere Anträge gestellt, noch 800.000 werden von rumänischer Seite erwartet.
Schlepper betreiben einen schwunghaften Menschenhandel, weil der normale
Dienstweg lang und beschwerlich und mit üppigen Schmiergeldzahlungen
gepflastert ist.
Der durchschnittliche Moldauer verdient zuhause 150 Euro im
Monat - wenn das keine gute Basis für Lohnverhandlungen in Deutschland ist…
Aber auch dem, der nur den deutschen Sozialstaat schröpfen will, wird es immer
einfacher gemacht. Gerade kam eine von deutschen Unternehmern entwickelte
Handy-App auf den Markt, mit der für 7,99 Euro Rumänen und Bulgaren einen
kompletten Hartz-IV-Antrag in ihrer Landessprache ausfüllen können. Französisch
und Türkisch sollen folgen.
Werter Herr Kustos,
AntwortenLöschenHut ab – Sie haben es geschafft, ein Pamphlet zu verfassen, das komplizierte Sachverhalte auf einen erstaunlich kurz gegriffenen Nenner bringt.
Bemerkenswerterweise machten Sie aus Aydan Özoğuz auch gleich noch eine Integrationsbeauftragte im Range eines Staatsministers, was korrekterweise natürlich „im Range einer Staatsministerin“ hätte heißen müssen.
Aber sei's drum – das sind Feinheiten der deutschen Sprache, die lässlich sind.
Schwerwiegender finde ich, dass Sie Ihrer Leserschaft ganz offensichtlich suggerieren möchten, dass Zuwanderung eine „feindliche Unterwerfung mit kriegerischen Mitteln“ ist, denn nichts anderes waren die mongolischen Invasionen, die Sie erwähnen.
Menschen, die in Deutschland zuwandern, kommen in der Regel allerdings mit friedlichen Absichten und reisen legal ein, sodass dieser Vergleich schlicht und ergreifend unzulässig ist.
Die EU-Ausweitung ist eine politische Entscheidung, die es Menschen ermöglicht, eine Wahl zu treffen. Und das ist kein Verbrechen, sondern zunächst einmal ein Recht.
Dass die ZuwandererInnen ghettoisiert werden, ist übrigens ebenfalls ein politisches Problem. Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn ich die Sache ein wenig humoriger angehe als Sie und mich zu der Überlegung hinreißen lasse, dass es ein erster interessanter Schritt sein könnte, MigrantInnen am Starnberger See, am Chiemsee oder auf Sylt anzusiedeln. Aber das ist natürlich eine Utopie und deshalb nicht relevant.
Nun gut, zurück zu Ihrem Text.
Wer es schafft, große Zusammenhänge notfalls in einem Satz auf den fragwürdigen Punkt zu bringen, schafft auch problemlos den Sprung zu der generalisierenden Behauptung, dass die Befürworter von Amts oder Gesinnungs wegen – das ist ein im Hinblick auf die Stilistik übrigens nicht ganz astreines Zitat – eben so sind (wie sie sind) und sich gut fühlen, ohne an die Konsequenzen zu denken (wenn sie denken, was sie denken, und sagen, was sie sagen, und glauben, was sie zu glauben glauben).
Ich vermute, dass Sie sich mindestens ebenso gut fühlen, wenn Sie Ihre persönliche Wahrheit wöchentlich kundtun. Das gönne ich Ihnen von Herzen und mir die Zeit, beim Lesen Ihrer Thesen meine eigenen Standpunkte noch einmal zu hinterfragen und zu durchdenken – ein Prozess, der mich übrigens recht häufig dazu bringt, mich von Ihren Ansichten zu distanzieren.
Dennoch wünsche ich einen schönen Sonntag und grüße aus dem 7gebirge
Annette S. aus K.
Dennoch ein kleiner Kritikpunkt von meinerseits: gerade auf Internetseiten wie diesen ist es extrem wichtig, dass jeder Punkt genauestens recherchiert ist. Nicht Özoguz hat gesagt, dass sie Stolz ob ihrer Herkunft verspürt (wahrscheinlich denkt sie das aber!?!) sondern Özkan von der CDU. Dennoch ist diese Aussage bezeichnend und richtig interpretiert. Wenn wir sagen, dass wir stolz sind Deutsche zu sein, müssen wir uns rechtfertigen…
AntwortenLöschenNach lesen dieses Beitrags fällt mir beiläufig wieder eine Begebenheit aus dem letzten Sommer ein. Da fragte mich ein älterer Herr, welchen Preis ich für meinen Mercedes C/Touring haben wolle, dabei wollte ich das Schätzchen eigentlich gar nicht verkaufen und bin auch weiterhin recht zufrieden damit. Im Gespräch erfuhr ich, dass er aus Moldawien stamme und eine große Familie hätte. Ich war darob doch ein wenig erstaunt.
AntwortenLöschen@anette,
AntwortenLöschenin Starnberg gibt es viele mIgranten.
gehen sie mal an einem Werktag an den See, da liegen sie, während die Deutschen arbeiten und das Geld erwirtschaften, was die bekommen. das ist schon lange keine Migrantenfreie Zone mehr. auch am Wochenende ist die