Bis auf ein kurzes Intro besteht die Darbietung der
Tanzschule in Orenburg, rund 1200 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen, aus
einer Gruppe leidlich beweglicher Mädchen, die dem Publikum ihre Ärsche
zuwenden und damit wackeln. Bisweilen legen sie sich zur Abwechslung des
monotonen Geschaukels bei kakophonischer Musik auch auf den Boden und machen
Liegestütze. Natürlich soll das erotisch sein, und ebenso natürlich ist es das
nicht. Es ist ordinär (nicht einmal obszön), aber auf jeden Fall so sexy wie
ein Elephant beim Milchholen.
Ich kann nur vermuten, dass die russische Obrigkeit einfach
eingeschritten ist, um die Mädchen vor sich selbst oder vielmehr ihrer
Tanzlehrerin zu schützen. Die Leiterin der Schule, Viktoria Jakowenko, bezeichnete
die Vorwürfe in Hinsicht auf Obszönität als absurd. Die Gruppe habe doch nur im
Twerking-Stil getanzt. Die Dame hat bei allem Bemühen um Zeitgemäßheit wohl nicht
gewusst, dass laut Wikipedia Twerking „im Allgemeinen als sexuell provokativer
Tanzstil aufgefasst“ wird, und deshalb in Ländern, in denen Minderjährige noch vor
sexueller Ausbeutung geschützt werden, für diese keine so gute Idee ist.
Die DPA sieht das natürlich anders und hisst erneut die
Flagge der sexuellen Befreiung Russlands. Wir kennen die Diktion schon, die
ohnehin wenigen gut zu Gesicht stünde, schon gar nicht aber einer
Nachrichtenagentur: „Die russische Staatsanwaltschaft, die Polizei und der Kinderschutzbeauftragte
ermitteln, weil sie ‚obszöne Gesten’ gesehen
haben wollen.“ (Also gibt es sie in Wirklichkeit gar nicht)… „Kritiker werfen
der Mädchengruppe ‚obszöne Gesten’ vor“
(Man kennt ja diese direkt von Putin gesteuerten russischen Kritiker. Gegen
alle anderen Russen haben wir selbstverständlich nichts, schließlich sind wir
Ausländerversteher)… „Den Schöpfer
der anzüglichen Aufführung … .“ (So kann man doch nicht mit einem Schöpfer
umgehen, selbst wenn er ein Dilettant ist.)… „Sie tragen einen Badeanzug
im Bienendesign und wackeln wie Bienen
mit ihrem Hinterteil.“ (Nein, sie tragen Möchtegern-Reizwäsche und bewegen
sich nicht wie Bienen, sondern wie Hafennutten.) „Was die Männer von Polizei und
Staatsanwaltschaft darin sehen, sagt mehr über sie aus als über den Tanz.“ (Und
hier kommt einfach nur noch moralisierende Wertung, nicht etwa in einem
schlechten Kommentar, sondern im Bericht DER deutschen Nachrichtenagentur.)
Und in so vermessener wie demagogischer Selbstgerechtigkeit
fordert das Medium den Leser auf: „Sehen Sie hier das Video und beurteilen Sie
selbst.“ Doch, egal ob Putingegner wie Putinversteher, jeder sieht hier die
unbeholfene Sexualitätsabsicht des Arschwackelns - nur die nicht weniger
penetranten Ärsche der DPA in ihrer unerbittlichen „Un“parteilichkeit sehen dies
eben nicht. Der Bericht, nein, der Kommentar, nein, die Kampfschrift erschien
auch im Berliner Tagesspiegel, wo er ja auch hingehört, doch nun kommt tatsächlich noch die
versöhnliche Wendung: Die Kommentatoren in der Internetausgabe erwiesen sich
mehrheitlich als manipulationsresistente, analytische und witzige Gegenspieler
der Indoktrinationsindustrie. Deshalb abschließend kommentarlos einige dieses
Beiträge, die uns hoffen lassen, wir könnten vielleicht, statt weiter in
Resignation zu verfallen, doch anfangen, über das System zu lachen.
„Alle, die das toll finden, können ja mal überlegen, ob sie
ihre Tochter oder Schwester hier in Berlin gern so bei einer Schulaufführung
sehen wollten.“
„Twerking bedeutet schlicht, sexuell zu provozieren und den
Hintern den Leuten mit geöffneten Beinen hinzustrecken, damit man einen
ungehinderten Blick zwischen die Beine junger Mädchen hat. Genau das wird hier
demonstriert. Twerking ist im Westen durchaus nicht üblich (wie von der
Tanzlehrerin behauptet), sondern kommt von den Hiphoppern und Rappern, die ein
Frauenbild haben, das aus dem vorigen Jahrhundert stammt.“
„Hier ausgeführt von Kindern. Tagesspiegel: Löschen Sie den
Link.“
„Ich persönlich finde aufgrund des Alters der Mädchen, dass
hier bereits die ‚Edathy-Zone’ berührt wird.“
„Wo sind denn die ganzen ‚Edathy-Kopf ab!’-Schreier jetzt,
die sich dermaßen empörten über die sexuelle Ausbeutung armer rumänischer Buben
für ein paar Euro? Man kann das Video finden, wie man will, aber wer das als
harmlose Kinderaufführung verkaufen will, hat nicht alle auf dem Sender oder
bestimmte politische Absichten. Es ist halt eine willkommene Gelegenheit, mal
wieder Putins Reich des Bösen vorzuführen.“
„Schon klar, jetzt ist der Tanz gut, und die russischen Spießer
sind die Bösen. Hätten dagegen Feministinnen diese Tanzaufführung als das
gebrandmarkt, was sie ist - nämlich die sexuelle Zurschaustellung
minderjähriger Mädchen - dann wäre der Tanz böse und es würde regelrecht
gefordert werden, dass die Behörden Strafen erlassen.“
„Für eine handvoll Dollar verkauft diese Schulleiterin ihre
Schülerinnen. Pussy Riot, die russische ‚Punk-Band’, die es auch ohne ein
einziges Lied in den westlichen Medien zu ‚Weltruhm’ brachte, lässt grüssen. Also
mein Mitleid hält sich in Grenzen, ein paar km weiter hätte man diese
Schulleiterin umgehend gesteinigt, aber das wäre dann für unsere Medien kein
Thema.“
„Da hat die
Auslandsabteilung der Aufregungspolizei aber mal wieder einen Skandal von
galaktischer Bedeutung aufgedeckt: In Russland, wo, wie immer wieder zu
erfahren ist, ohne Putin gar nichts entschieden wird. Die Aufregungspolizei,
Abteilung fremde Dienste Ost, hat sich entschlossen, die skandalöse Prüderie
der Putinversteher von Orenburg weltweit an den Pranger zu stellen, der
Vorbeugung wegen. Denn in Berliner Schulen würden die Mädchen zum
körperbetonten Streifenkostüm sicherlich dezent Kopftücher tragen, und somit
ein Zeichen gegen Prüderie und Ultranationalismus setzen. Nastrovje.“
Es ist obszön, da der Geschlechtsakt "tänzerisch" dargestellt wird - mit Kindern. Nutten könnten es nicht besser und es würde auch besser ins Rotlichtmilieu passen.
AntwortenLöschenLOL, über was wird sich da eigentlich aufgeregt ?
AntwortenLöschenDass ein Land (und auch noch der Feind) uns kopiert ?
Oder in unserem Land viel härtere Sachen rundum die Uhr von unseren (noch jüngeren) Kindern auf MTV/VIVA etc. konsumiert wird, dies als normal aufgenommen und zum Teil als Vorbild angesehen wird, weshalb es dann in div ersen DSDS-Kopien nachgemacht wird ?
Vlt. sollte man einfach mal daran denken, dass normale Bienen ihr "Handwerk" nunmal hauptsächlich mit dem Hinterteil vollrichten und dies wurde im Theater entsprechend gewürdigt - möglicherweise auch ohne sexuellem Hintergedanken.
Die Mädchen werden sich später lebhaft zurückerinnern, besonders, nachdem es jetzt zum Skandal erklärt worden ist.
AntwortenLöschenDie Aufführung war echt eine blöde Idee, wenn ich meinen Senf dazu geben darf.
Eine solche Darbietung vor den eigenen Eltern und Geschwistern war sicher nicht sehr prickelnd für die Mädels, die sehen auch nicht besonders glücklich dabei aus.
Gehört jetzt nicht etwa verboten, wenn es denn freiwillig möglich ist, daran teilzunehmen - meine Meinung - aber es passt nicht in ein Schulprogramm und den "Skandal" kann man sich ersparen - die daraus schlechten Erinnerungen der Mädels auch.
M.D.