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| Quelle: Amazon |
In Düsseldorf wurde einem 75-jährigen Mieter gekündigt, weil er in seiner Wohnung geraucht hatte. Wohlgemerkt, der Mann hatte nicht in der U-Bahn geraucht und nicht im Restaurant und schon gar nicht am Arbeitsplatz, nicht mal im Freien oder gar im Treppenhaus - nein, in seiner laut Grundgesetz, Artikel 13, unverletzlichen Wohnung. Ein Vorgang, der dann auch noch vom Amtsgericht bestätigt wurde. Dabei wird doch immer Toleranz gefordert. Vermieter können ein Lied davon singen, wie viel Asozialität von den Gerichten sonst toleriert wird: Abfall und Ungeziefer horten, laut Musik hören oder die Miete nicht bezahlen;. Aber einem einsamen alten Mann darf wegen der vagen Ahnung von Tabakgeruch der Lebensmittelpunkt entzogen werden.
Auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen hatten die Grünen
vor der Bundestagswahl einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands
Kantinen gefordert. Die Spitzenkandidatin Göring-Eckardt hatte nämlich hellsichtig
erkannt, dass „man nicht jeden Tag zwei Burger essen müsse“, und daraus die
Notwendigkeit einer Doktrin abgeleitet. Schließlich, so fuhr sie (ideo-)logisch
fort, sei das auch gut für den Klimaschutz. Verschlagen argumentierte sie, es
werde ja niemandem etwas verboten. Doch ihre Fraktionsvorsitzende Künast schob dann
doch die Wahrheit hinterher: Als erstes solle es um die öffentlichen Kantinen
gehen, also durchaus Zwangscharakter haben. Nach grüner Logik darf man sich
seine Bratwurst dann wohl von zuhause mitbringen. Immerhin, soviel Freiheit wollen
die Grünen dann noch zulassen, darf darüber diskutiert werden, ob der
Donnerstag oder der Freitag fleischlos zu bleiben hat.
Nicht auf grüne Weltverbesserer beschränkt ist die Forderung
nach der Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr. Nun mag die Tatsache, dass bisher
jede Senkung der Promillegrenze in Deutschland zu einem signifikanten Anstieg
der Unfallzahlen geführt hat, noch als Zufall ignoriert werden können. Doch
jeder, der schon einmal maßvoll Alkohol getrunken hat, weiß, dass seine
Fahrfähigkeit darunter weniger leidet als unter Müdigkeit, der Bedienung des
Navis oder einem nörgelnden Ehepartner. Als unfaire Argumente der
lustfeindlichen Regulierer müssen deshalb auffällige Unfälle durch Volltrunkene
herhalten oder durch Asoziale verursachte, die, nebenbei, auch Alkohol
getrunken hatten.
Doch das Spiel mit dem Regulieren funktioniert auch
andersherum, wenn der ideologische Wille es so will. Aus Anlass des Münchner
U-Bahn-Mords wurde erstmals und öffentlich massiv gefordert, die
Strafverfolgung bei unterlassener Hilfeleistung zu verschärfen. So könnte sich
also bald ein 60-Jähriger vor dem Kadi wieder finden, der sich nicht dazwischen
wirft, wenn drei durchtrainierte Schläger oder ein Messerstecher einen
Mitreisenden angreifen. Und entschuldigen mussten sich schon im Jahr 2010
Bundespolizisten vor dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, die in einem
Zug ihrem Auftrag nachgekommen waren, illegale Ausländer zu finden, und dabei
fatalerweise auch einen Farbigen angesprochen hatten.
Seitdem ist es nun auch durchgängig
rechtsgültig, keine Menschen wegen ihrer Hautfarbe kontrollieren zu dürfen. Wobei
die Frage offen bleibt, welche Gewissenskontrolle im Einzelfall beweisen können
soll, wie die Kontrolle nun motiviert war. Unter dem Strich wird es dazu führen,
dass auf der Suche nach illegalen Ausländern nur noch Einheimische kontrolliert
werden. Und was passiert eigentlich, wenn die Polizei auf der Suche nach einem
schwarzen Mörder ist? Muss sie dann aus Gründen der PoCo-Quote auch Weiße
kontrollieren?
Die amerikanische Prohibition hat gezeigt, was passiert,
wenn man dem Menschen seine mehr oder weniger schädlichen Schwächen „in seinem
eigenen Interesse“ verbieten will. Überhaupt zeigt die amerikanische
Zivilisation der selbstgerechten Beschneidung individueller Freiheiten, dass
genau dadurch gesetzliche und menschliche Grauzonen entstehen. Man denke nur an
die Jugendlichen (unter 21!), die ihr Stipendium und damit ihren Studienplatz
verlieren, wenn sie sich nicht sofort von jeder Party entfernen, auf der Alkohol
konsumiert wird. Oder man denke an die Universitäten, auf denen dringend dazu
geraten wird, sich vor dem Sex eine schriftliche Einverständniserklärung der
Partnerin ausstellen zu lassen, um die Freiwilligkeit des Aktes nachweisen zu
können.
Nanny-Staat nennen die Amerikaner ihr System einer
fürsorglichen Diktatur, und sie leiden darunter ebenso wie wir auf dem Weg
dorthin sind. Oft geht mit solchen Maßnahmen laut Wikipedia eine intensive
Kontrolltätigkeit des Staates einher. So ist die öffentliche Bevormundung auch
immer eine Einübung in eine totalitäre Gesellschaft.
Das wirklich erschreckende daran aber ist nicht die
Unverhältnismäßigkeit, mit der ideologische Besserwisser gewachsene Strukturen
umkrempeln wollen, sondern die Beliebigkeit, mit der das geschieht. Denn
während einerseits auf wehrlose Einzelne immer mehr Druck ausgeübt wird, können
sich andere immer mehr der gesellschaftlichen Kontrolle entziehen.
Frech kommt weiter, heißt beispielsweise die Parole jener
Radfahrer, die Verkehrsregeln als persönlichen Angriff des Staatsapparats auf
ihre persönliche Freiheit ansehen. Solche Paranoia fällt aber überhaupt nur an
und auf, wenn wenigstens noch nachgedacht wird - also nicht mehr dort, wo der
eigene Müll im öffentlichen Raum genau dort deponiert wird, wo er eben an- und
hinfällt. Der Ghettoblaster in öffentlichen Schwimmbädern oder am Badesee gibt
den Leidtragenden nicht einmal die Gelegenheit, zwischen Techno und Rap zu
wählen. Wer in die U-Bahn drängt, bevor die Fahrgäste aussteigen, sichert sich
den Sitzplatz. Diese Aufzählung könnte unendlich weitergeführt werden. Die egoorientiert
agierenden Individualisten scheren sich einen Teufel um den Mitmenschen oder
sozialverträgliches Verhalten - und genau diese selbstgerechten
Selbstverwirklicher werden von den Bevormundern in den meisten Fällen in Ruhe
gelassen.
Was also zu verbieten ist und was nicht, richtet sich zur
Zeit nicht nach irgendwelcher Sinnhaftigkeit und auch nicht mehr nach
gewachsenen Regeln und Normen. Schon gar nicht richtet es sich nach dem
Dafürhalten der Allgemeinheit. Die Entscheidung haben ideologisierte und
ideologisierende Netzwerke übernommen, und die haben im Zuge der zweiten
Aufklärung in den sechziger und siebziger Jahren ein meist linkes und
mehrheitlich von einem fatalen Freiheitsbegriff ausgehendes Bewusstsein. Freiheit
wird verstanden als Überwindung zwischenmenschlicher Regelmechanismen, obwohl die
eigentlich weitaus präziser, effektiver und gerechter sind als behördlich oder
durch Gruppenterror angeordnetes Gutmenschentum. In diesem Bewusstsein kann
dann sogar klammheimliche Freude signalisiert werden, wenn, wie es vor der Wahl
bundesweit geschah, Vertreter einer demokratischen, aber eben nichtlinken
Partei angegriffen, geschlagen und verletzt werden.
Richtig ist es genau andersherum: Nur individuelle
Entscheidungen, die auf einer Akzeptanz gewachsener Verhaltensnormen und
Wertvorstellungen fußen, können in den unendlich vielen täglichen
Entscheidungssituationen angemessen sein. Obrigkeitsstaatliche
Generalanweisungen werden dagegen den Anforderungen der Realität meist nicht
gerecht. Sozial unterlegte und situationsangemessene autonome Entscheidungen müssen
aber in einer freien Gesellschaft erlernbar sein und sind nur möglich, wenn es
eine Konditionierung und Bereitschaft zum sozialverträglichen Handeln gibt. Die
wird aber im Zeichen des Niedergangs und des Kults der individuellen Freiheit gerade
entsorgt.
Sowohl auf der politischen als auch auf der individuellen
Ebene maßen sich also die neuen „Aufgeklärten“ an, die Mehrheit an ihrem Wesen
genesen zu lassen. Und diese Mehrheit lässt sich das gefallen, weil sie auf
einen weiteren ideologischen Trick hereinfällt, nämlich dem des Toleranzdogmas.
Wie soll man sich auch gegen Rücksichtslosigkeit und Bevormundung wehren, wenn
man doch dem Rücksichtslosen und Bevormundenden gegenüber stets Toleranz zu
üben hat? Wenn beispielsweise der U-Bahn-Drängler nicht sofort von anderen
Reisenden zur Ordnung gerufen wird?
So entstehen in der Gesellschaft des Niedergangs neue
herrschende Minderheiten und neue Untertanen. Waren früher die Herrschenden
eher - um aus Mangel an Alternativen diese eher untauglichen Begriffe zu
benutzen - „rechts“ und die Unterdrückten „links“, so hat sich dieses
Verhältnis längst umkehrt. Sowohl rechtes als auch linkes, also extremes Denken
hat aber immer die Tendenz zum Totalitären. Man könnte sogar, wenn auch kaum beweisbar,
mutmaßen, dass Egoisten und Bevormunder derzeit intuitiv eine Koalition der
Machtmenschen eingehen.
Nur in der Mitte, genauer gesagt einer demokratischen und
unideologisierten Mitte, findet sich die Wahrheit. Wenn wir aber noch keine
Zeit hatten, kollektiv herauszufinden, was unter neuen historischen
Gegebenheiten gut und richtig ist, brauchen wir Gelassenheit und Freiräume.
Leider bringen ideologisch Bewegte ebenso wie sozialfern Individualisierte mehr
„Unterdrückungsenergie“ auf als der Mainstream. Ein fataler Konstruktionsfehler
der menschlichen Gesellschaft.
Wir brauchen im übrigen auch das Recht, Fehler begehen zu
dürfen, denn Fehler sind menschlich. Die wohlmeinende Absicht mancher Menschen,
menschliches Fehlverhalten abzuschaffen, bedeutet also letztlich den Versuch,
den Menschen abzuschaffen. Dies umso mehr, als Fehlverhalten relativ und eine
Frage der Erkenntnis und des Standpunkts ist. Allerdings wäre der Versuch,
menschliches Verhalten zu optimieren, durchaus statthaft und sinnvoll, doch
genau dies verträgt sich nicht mit einer Verbots- und Regelungskultur, denn
eine Optimierung setzt den begleitenden Prozess von Versuch und Irrtum voraus.

"Unnötig zu erwähnen, dass die Kanne mit Hitler so viel Ähnlichkeit hat wie Goofy mit Barack Obama"
AntwortenLöschenDiese Erwähnung war wirklich unnötig: Denn ich habe das Bild der Kanne gesehen und spontan gedacht. "Sieht aus wie Hitler!"
Herzliche Grüße
Otschi
Lieber Otschi,
Löschenklar sieht das Foto (nicht die Kanne) ein bisschen aus wie olle Adolf. Hauptsächlich sieht sie aber auch aus wie eine Teekanne, ist sogar eine. Schlimm wäre ja nur, wenn jetzt alle Nazis sich diese Kanne in ihren persönlichen Führer-Verehrungsschrein stellten. Machen sie aber nicht. Im übrigen, und das war der versteckte Witz, finde ich, dass Obama wirklich ein bisschen wie Goofy aussieht.
Herzliche Grüße zurück
Schon traurig, dass man über so einen Quatsch überhaupt diskutieren muss. Es sollte doch reichen, dass man sich nicht mehr traut einen Bart zu rasieren, der Hitler ähnlich sehen könnte. Was passiert mit uns Deutschen nur? Das ist doch unsere Geschichte. Gut oder schlecht? Jeder hat sein Problem. Aber irgendwann muss vergessen werden.
LöschenWenn man nur wagt, über Juden zu sprechen, dann ist man gleich verrufen oder sogar vor dem Kadi. Wer kassiert denn heute immen noch?
In keinem anderen Land duckt man sich so wie in Deutschland.
Gleichzeitig geht unsere Regierung immer mehr auf noch größere Unternehmen. Diejenigen, die Deutschland wieder aufgebaut haben (Beispiel Trümmerfrauen) die werden heute vergessen oder sogar noch unterdrückt. WOW
Lieber Herr Kustos,
meine Hochachtung vor den offenen Worten.
Zitat:
AntwortenLöschen"Allerdings wäre der Versuch, menschliches Verhalten zu optimieren, durchaus statthaft und sinnvoll, doch genau dies verträgt sich nicht mit einer Verbots- und Regelungskultur, denn eine Optimierung setzt den begleitenden Prozess von Versuch und Irrtum voraus."
oder die Kräfte der Natur walten zu lassen.
Abstieg und Aufstieg. Werden und vergehen. Auslese und Ausmerze.
Schwach vergeht Stark besteht.
Dem steht das Großhirn entgegen, welches permanent diese Kräfte auszuhebeln versucht.
Gelingt auch eine Weile, manchmal auch etwas länger aber nie endgültig.
Und dann stellt sich natürlich die Frage: Wer will wen Optimieren?
Der an Physis und Psyche Gesunde den Kranken? Oder umgekehrt?
Der Fähige den Unfähigen? Oder umgekehrt?
Der mit klarem Verstand den ohne Verstand? Oder Umgekehrt?
Und wer entscheidet über die Statthaftigkeit eines solchen Unterfangens?
Meine Erfahrung im Leben und mit Blick auf die Historie zeigt, daß die sich zu Höherem berufenen "Optimierer" nicht alle Tassen im Schrank hatten und haben.
Zu Deinem letzten Satz: Im Prinzip hast Du da schon recht, aber ich sprach ja nicht von Menschen, die das Optimieren organisieren sollen, sondern von Strukturen, denen ermöglicht werden soll, sich zu optimieren. Die Evolution ist beispielsweise eine solche Optimierungsstruktur, aber auch eine funktionierende Marktwirtschaft ist eine solche. Wenn solche konstruktiven Strukturen durch negative Strukturen behindert werden (also hier beispielsweise PoCo und Monopole), dann entsteht der, in meinem Buch viel genauer beschriebene, Niedergang.
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