Statt der schon lange vermissten ästhetischen und witzigen Zigaretten-Werbefilme
im Kinovorprogramm sollen nach dem Willen der Brüsseler Chefregulierer (Link) größerformatige
Warnhinweise auf Zigarettenschachteln und Schockfotos mit Raucherlungen,
schlechten Zähnen oder Krebstumoren sowie Amputationen zu sehen sein. Das ist
wie eine Kindererziehung, die vor dem Schwarzen Mann warnt (was natürlich auch
schon längst verboten ist). Nun mehren sich aber dummerweise die Hinweise, dass
die scheinbar gute Tat nach hinten losgeht.
Hinsichtlich des verbissenen
Kampfes gegen den Qualm geben jetzt Forscher sowohl aus Tel Aviv als auch aus Singapur
zu bedenken, dass Warnhinweise langfristig einen gegenteiligen Effekt zu haben scheinen.
Nach ihren Untersuchungen setzten Raucher nach einiger Zeit diese Schachteln voller
Warnhinweise mit Ehrlichkeit gleich und bringen Ihnen unterbewusst Sympathie
entgegen. In einer Doppelstudie führte das dazu, dass die mit Schockpropaganda
infiltrierten Probanden nach drei Monaten weitaus mehr Zigaretten kauften als
die ungewarnten. Das nennt man dann wohl einen kybernetischen Effekt.
Das Problem mit Verboten ist eben, dass sie Fakten zu schaffen
versuchen, ohne die Bedürfnisse und den gesellschaftlichen Hintergrund zu
verändern. Dies könnten Appelle an Moral und Bewusstheit, doch das ist in
dieser schwarzen Pädagogik nicht vorgesehen. Deshalb werden deren „Erfolge“
auch nie flächendeckend sein: Aus dem Verlies des Verbietens lassen sich immer
Schlupflöcher finden, nicht selten mit schlimmeren Folgen.
Ein solches Schlupfloch sind gegenwärtig die Shishas, die
ganze Viertel in Deutschlands großen Städten erobern und bei Migranten und
Jugendlichen zum schicken Ersatzkonsum genutzt werden. Im Gegensatz zu einer
Zigarette mit einer Reichweite von wenigen Metern kann eine Shisha-Bar mit ihrem
penetranten Parfümgeruch einen ganzen Straßenzug temporär unbewohnbar machen.
Es verdichtet sich aber auch immer mehr die Erkenntnis, dass das Ersatzrauchen
mindestens ebenso, wenn nicht gefährlicher ist als das Original.
„Shishas sind deutlich schädlicher als der Rauch von
herkömmlichen Zigaretten“, sagt beispielsweise Gunther Wiest, Chefarzt für
Lungenheilkunde in Hamburg. Weil die Rauchstoffe der Zigaretten bei Shishas
ausgefiltert würden, kratze der Rauch weniger im Hals und werde deshalb tiefer
inhaliert. Die krebserregenden Giftstoffe seien aber in dem Rauch genauso
enthalten. Eine längere Shisha-Session sei so schädlich wie 100 Zigaretten. Wer
zweimal pro Woche Shisha rauche, der inhaliere so viele Schadstoffe wie ein
starker Kettenraucher.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält sich bisher
vornehm zurück und formuliert verquast, der durchschnittliche Konsum von „ein
bis zwei Wasserpfeifen pro Woche“ sei weniger schädlich als „20-30 Zigaretten
am Tag“. Na toll. In jedem Falle massiv belastend für den Raucher und die
betroffene Umgebung, und wo sind nun unsere so gerne verbietenden Gebieter?
Haben Sie Angst vor dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit? Ist Qualm, den man
nicht sieht, für sie besserer Qualm?
Wahrscheinlich von allem ein bisschen, aber hauptsächlich sind gerechtfertigte Verbote eines staatlichen Apparats einfach zu langsam. Alternativ dazu wäre eine Intervention die Aufgabe eines sich gegenseitig korrigierenden Sozialverhaltens einer funktionierenden freiheitlichen Gesellschaft. Doch die hat längst vor dem Individualismus und dem Toleranzedikt kapituliert.
Wahrscheinlich von allem ein bisschen, aber hauptsächlich sind gerechtfertigte Verbote eines staatlichen Apparats einfach zu langsam. Alternativ dazu wäre eine Intervention die Aufgabe eines sich gegenseitig korrigierenden Sozialverhaltens einer funktionierenden freiheitlichen Gesellschaft. Doch die hat längst vor dem Individualismus und dem Toleranzedikt kapituliert.
Jedenfalls kommt es so zu der Widersprüchlichkeit, dass stinkende Zusatzstoffe wie Schokolade oder Vanille in
Zigaretten oder gar in E-Zigaretten in zwei bis drei Jahren verboten sein
werden, aber Shishas ungestört und unbeschränkt Menschen aus ihren Wohnungen
vertreiben können. Hier raucht der Apparat eine Friedenspfeife zu viel. Nebel im politischen Bewusstsein ist tatsächlich gefährlicher als
blauer Dunst in der Luft.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen