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| "Flaschenzug" Foto: dpa |
Nachts sind Berlins öffentliche Verkehrsmittel voll von
jungen Menschen aus allen vorstellbaren Ländern. Sie unterscheiden sich in
Sprache, Outfit und vermutlich auch den Zielen, die sie ansteuern. Eigentlich
gibt es bei Ihnen nur zwei Gemeinsamkeiten: Wenn sie alleine oder zu zweit
reisen, schauen sie die ganze Zeit wie verzaubert auf kleine Geräte, die ihnen
die Wirklichkeit ersetzen. In größeren Gruppen halten sie stattdessen
Bierflaschen in den Händen und kommunizieren leise und entspannt. Das
Interessante daran ist: Diese Bierflaschen sind fast immer voll, die jungen
Leute hingegen nie.
Anscheinend sind die Bierflaschen nicht zum Trinken da,
sondern ein Teil der Etikette. Man trägt sie wie Handschuhe oder kleine Geräte,
die die Wirklichkeit ersetzen. Unter dem Strich wird in den Berliner Bussen und
Bahnen sowas wie eine große stille Party gefeiert, wo alle gut drauf sind, aber
keiner nervt. Eines der wenigen schönen Gegenmodelle zum Niedergang also.
Nun gibt es ja anscheinend auch einige wenige Leute, die
sich irgendwo zulaufen lassen und dann die Verkehrsmittel aufsuchen, um dort
einen Unschuldigen krankenhausreif zu schlagen. Deshalb sollen nun - und nicht
nur in Berlin - alkoholische Getränke im öffentlichen Nahverkehr verboten
werden. Und genau da sind wir wieder beim Niedergang angekommen: Unfähig, die
komplexe Wirklichkeit verstehen zu wollen, wird Nichtkausales verbunden und
werden falsche Entscheidungen getroffen. Die gestörten Gewalttäter werden sich
dadurch nicht aufhalten lassen, und die friedliche Gegenkultur des „Bottlewear“
wird zerschlagen. Man möchte zu heulen anfangen - oder zu trinken….

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