Wie sich die Bilder gleichen:
Daimler gab im Frühsommer stolz bekannt, 500 Millionen Euro in sein Berliner
Werk zu investieren, aber, die Information wurde vorsorglich gleich
mitgeliefert, es entstehen dabei ganze 15 Arbeitsplätze und vier Lehrlingsjobs.
Das Geld wird vor allem für neue Maschinen und Anlagen ausgegeben, die mit
Sicherheit in naher Zukunft dazu führen werden, dass auch hier zahlreiche
Mitarbeiter entlassen oder zumindest Arbeitsplätze entsorgt werden. Auf alle
Fälle - die teuren Maschinen müssen ja laufen - wurde vermehrte
Wochenendarbeitszeit angekündigt. Das könnte zwar auch von neuen Mitarbeitern
erledigt werden, aber Einstellungen liegen nicht im Trend bei den Managern
dieses neuen Kapitalismus der verbrannten Erde.
Karstadt, ein weiterer ehemaliger
Vorzeigebetrieb eines einst funktionierenden Kapitalismus, verkaufte kürzlich
seine „Kronjuwelen“, nämlich seine drei (noch Geld bringenden) Edelhäuser. Im
Februar hatte es schon geheißen, dass 3000 Mitarbeiter mit dem Aus rechnen
müssten. Das neue Management verkündete im selben Atemzug trotzig, man werde
nun die seit 2009 verlorenen sieben Millionen Kunden zurückholen. Will man
dafür etwa die katastrophalen weil kundenabschreckenden Sortimentskürzungen
rückgängig machen? Sicher nicht – und ebenso sicher ist diese Behauptung ein
Spiel auf Zeit, um ein paar Manager länger an den Fleischtöpfen zu halten und
das Gemeinwesen länger durch verlorene Subventionen erleichtern zu können.
Volkswagen schließlich investiert
auch, und zwar nicht nur in das teure Hobby seiner Funktionäre, mit einem
Fußballverein den Bayern Konkurrenz zu machen, sondern weltweit in fünf Jahren
86 Milliarden Euro. Von neuen Arbeitsplätzen ist auch hier trotz dieser
immensen Investitionen keine Rede, aber wenigstens wird auch noch nicht von
Entlassungen gesprochen. Stutzig macht allerdings, dass gefordert wurde, zehn
Milliarden Euro „einzusparen“. Wie man wohl diese „Effizienzmaßnahmen“ am
besten hinkriegt?
Die leicht erkennbare Gemeinsamkeit
der Beispiele ist, dass der Postkapitalismus gegenüber seinem Vorgänger der
marktwirtschaftlichen Prägung das verantwortliche und weiterdenkende
Wirtschaften verlernt hat. Qualifizierte Mitarbeiter werden von den Managern
des Niedergangs immer weniger als Produktivkraft wahrgenommen und gleichzeitig
die Bedürfnisse der Konsumenten ebenso wenig erkannt und respektiert. Das
schnelle Geld und virtuelle Erklärungsmechanismen wie auch die Sucht nach
persönlichen Vorteilen und Erfolgen führen zu einem destruktiven Wirtschaften
der (Un-)Verantwortlichen, das nicht nur Individuen und die Volkswirtschaft
ruiniert, sondern am Ende auch deren eigene Existenz.
So fahren die Manager im Interesse
ihrer eigenen Karriere und bei der Stabilisierung eigener Lebenslügen nicht nur
sowieso die Wirtschaft und die Welt an die Wand, sondern gelegentlich auch das
eigene Unternehmen. Was für die verantwortlichen Individuen in einer solchen
virtuellen Welt auch kein Problem darstellen muss, wie das Beispiel eines Horst
Ammann zeigt, der, nachdem er Berlin als Flughafenplaner dem Gespött der
Weltöffentlichkeit ausgesetzt hatte, flugs als verantwortlicher Partner in
Frankfurt engagiert wurde, um das umstrittene Terminal 3 zu gestalten.
Siemens jedenfalls gestaltet noch
weiter in Berlin – mit der Betonung auf „noch“. Bei jährlich mehr als 300
Millionen Euro Investitionssumme erstaunt es wohl nur uns Ewiggestrige, dass
dabei immer weiter die Zahl der Arbeitsplätze reduziert wird, auch wenn kürzlich verlautet wurde, der Stellenabbau werde doch nicht so drastisch ausfallen wie erst gemeldet. Dies zu
verstehen, bedarf es der Logik des Niedergangs, die uns der zuständige Manager Willi
Meixner aber dankenswerterweise ausführlich darlegt: Weil das Ergebnis im
zentralen Bereich für Stromgewinnung aus fossilen Brennstoffen um ein Drittel
absackte, rutschte die wichtige Rendite des Kerngeschäfts „unter den
angepeilten Zielkorridor“. Vom Umsatz blieben „nur noch“ 9% als operativer
Gewinn übrig, eigentlich sollten es 11% sein. Nur (!) 9% Rendite und ein auf
3,9 Milliarden Euro verdreifachter Überschuss - kein Wunder, dass man den
Gürtel der Mitarbeiter enger schnallen muss. Letztere können ja ihre
Überschüsse sowieso derzeit nur noch für 0% Rendite anlegen.
Entweder man investiert in
Maschinen, die die menschliche Arbeitskraft zu ersetzen haben, oder man besorgt
sich billigere Arbeitskraft. Aber auch der durch Maschinen erzeugte Mehrwert
wird nicht wie früher wenigstens teilweise an die Menschen durchgereicht, etwa
in Form von Rentensubventionierungen
oder der positiven Anpassung von Sozialleistungen.
Nein, seit dem Verschwinden des Sozialismus gibt es plötzlich den
„demografischen Wandel“, der allen gesellschaftlich produzierten Mehrwert zur
angeblichen Verfügungsmasse des Kapitals erklärt.
Die menschliche Arbeitskraft, die hierzulande noch gebraucht
wird, kommt aus den Bereichen Verwaltung und „Drecksarbeit“ (inklusive vieler sozialer
Berufe). Zumindest Letzteres niedrig bezahlt, schwer zu leisten und
nachvollziehbar unbeliebt. Deshalb ist es auch infam, wenn immer von einem
Bedarf an Qualifizierten gesprochen wird. Den gibt es zwar auch, aber für immer
weniger Menschen.
Wir in Deutschland, also wir als
Deutsche und wir als (für die Renteneinzahlungen angeblich dringend benötigte)
ausländische Arbeitskräfte, können schließlich froh sein, wenn „unsere“ doch so
erfolgreiche Exportindustrie nicht bald auch den letzten Arbeitsplatz
wegexportiert hat. Um beim Ägypten-Deal zu bleiben: Siemens garantierte den
Ägyptern, am Golf von Suez eine Fabrik für Rotorblätter mit bis zu 1000
Beschäftigten zu errichten. Aber auch der Service, so Meixner, werde sich dahin
verschieben, wo die Gasturbinen laufen: in den Mittleren Osten, nach Asien,
Afrika und Lateinamerika. „In Saudi-Arabien haben wir vor kurzem das Kraftwerk
Qurayyah in Betrieb genommen. Und die zwölf Gasturbinen aus Berlin und Mülheim,
die da installiert wurden, konnten wir nur verkaufen, weil wir künftig dort
Arbeitsplätze schaffen.“ So sei dort auch eine Endmontage vorgesehen. Der
Umbauplan des Unternehmens sehe vor, Jobs dort aufzubauen, wo es Geschäfte
geben könnte.
Siemens’ Strategien sind mit
Sicherheit kein Einzelfall. Vielleicht ist es aber auch erforderlich, das hier
gerne gepflegte Konzern-Bashing etwas kybernetisch zu relativieren. Die Zeiten
der Globalisierung zwingen die weltweit operierenden Unternehmen tatsächlich zu
einer harten Gangart, will man nicht die Konkurrenzfähigkeit verlieren. In
Deutschland ist derzeit nicht viel an produktiver, also mehrwertschaffender Produktion zu
verkaufen. Stattdessen werden bekanntlich mehrwertfressende Subventionsindustrien wie die Energiewende hochgezogen. Und sicher könnte man, wenn man wollte, sogar noch schneller und
gnadenloser Investitionsmittel und Arbeitsplätze exportieren. Vielleicht müssen
also die Global Player wirklich so agieren in einer globalisierten Welt, nur auf
den anstehenden Zusammenbruch des Systems hat das keine heilende Wirkung - der
kommt dadurch um so zwangsläufiger.
Wird aber
unter dem Strich trotz dieser Zwänge nicht auch für die Konzerne mehr Schaden als Nutzen angerichtet,
indem die hierzulande bewährte Kompetenz, Zuverlässigkeit, Organisiertheit,
Qualität und Intensität aufs Spiel gesetzt wird? Dies ist natürlich nur noch eine
rhetorische, längst abschlägig beantwortete Frage, die im Niedergang eben nicht mehr zulässig zu sein scheint. Höchstens
noch für Innovation und Steuerung leistet man sich gerne die heimische Filiale,
der Rest wird bestenfalls als Altlast mitgeschleift – und natürlich zum Abgreifen von Transferleistungen.
Stattdessen haben und nutzen die
Konzerne inzwischen das Potential, die involvierten Staaten gegeneinander
auszuspielen und zu weiteren weitgehenden Zugeständnissen zu zwingen. Auf die
Spitze getrieben wird diese Abhängigkeit, wenn sich Siemens schon bei Abschluss
der Ägyptenverträge sicher sein konnte, dass die Bundesregierung mit Hermes-Ausfallbürgschaften
den gesamten Deal absichern wird. Und was soll das nimmermüde Gerede von
nötigen zusätzlichen Arbeitskräften für virtuelle Zukunftsarbeitsplätze, wenn
sich schon lange abzeichnet, dass in Deutschland zumindest die
Industrieproduktion keine Zukunft haben kann?
Was bleibt uns im Zeichen des
Niedergangs anderes übrig, als hilflos und wohl auch vergeblich an die Moral
und Vernunft der Mächtigen zu appellieren? Also etwa Siemens zu bitten,
angesichts einer neunprozentigen Rendite wenigstens nicht über die schon dort
befindliche Dampfturbinenschaufelfertigung hinaus Produktionskapazitäten nach
Budapest zu verlagern? Doch Meixner weiß
es besser: Da man doch schon da ist, sei es nur sinnvoll, „artverwandte
Gasturbinenschaufeln auch dort herzustellen und so ein Kompetenzzentrum zu
bilden. Dort sind wir dann wettbewerbsfähig mit der nötigen Effizienz, Qualität
und modernen Fertigungsverfahren.“
Fazit: Siemens ist global
wettbewerbsfähig, Deutschland ist Siemens global egal. Kapitalisten alter
Prägung wussten intuitiv, dass sie ohne ihre Basis nicht existenzfähig sind und
verhielten sich in den ihnen gegebenen Grenzen entsprechend respektvoll.
Postkapitalisten hingegen plündern die Substanz einer Volkswirtschaft, weil nur
das ein schon gescheitertes Wirtschaftsmodell noch etwas länger am Leben erhalten kann.
Alles, was passiert, geht auf Kosten der arbeitenden Menschen und jener, die
arbeiten wollen, aber nicht gelassen werden. Es geht also gegen den heimischen
Mittelstand. Es geht schlichtweg gegen die Basis allen inländischen
Wirtschaftens. Von alldem profitiert das Niedriglohn-Ausland ebenso wie zumindest
pekuniär die Konzerne.
Perverserweise greifen die
deutschen Konzerne den deutschen Bürger aber noch von einer anderen Seite an.
Zusammen mit dem Export von Kernsubstanz betreibt man den Import
von nicht oder kaum qualifizierten Menschen, um die Vorteile der
Niedriglohnländer auch zuhause zu installieren: niedrige Lohnkosten und (vom
Sozialsystem zur Verfügung gestellte) Kaufkraft. Dass nun die Entwurzelung
ganzer Volksgruppen mit willfähriger Unterstützung der Medien als Gipfel der
Menschenfreundlichkeit verkauft wird, ist schlichtweg perfide.

"Geld" ist der Glaube, der das Elend fördert und das Leben missachtet -
AntwortenLöschenund dennoch ist es "nur" eine Religion, ein gelebter Glaube.
Daraus ergeben sich für mich zwei Fragen:
1.) wenn Frieden kein Geld bringt, weshalb glauben wir an dieses kranke Geldsystem?
2.) warum glauben wir nicht an Geldsystem, in welchem der Friede Geld erzeugt?
Alles andere, zB. Massenentlassungen, Job-Prostitution, Zerstörung des eigenen Lebensraumes sind "nur" mathematische Erscheinungen von diesem gescheiterten Geldsystem, in welchem wir logischerweise an die physischen Grenzen stossen (gib mir die Welt plus 5%)
Da Banken derzeit ihr Geld einfach so erfinden können, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, zeigt wie phantasievoll "Geld" gehandhabt werden könnte:
Ideen sind gefragt! - Alle sind gefordert!
Die Lösung kann nur eine komplette Änderung der Religion "Geld" sein - oder wir warten noch etwas, bis niemand mehr eine sinnvolle Arbeit hat, von welcher man auch nicht leben kann und ein paar Einzelpersonen die ganze Welt zum Sklavenplaneten umgebaut haben -
aber vielleicht hilft dann den hoffnungslosen Optimisten ihr verdrehtes Denken weiter, wenn sie gar nichts mehr zu fressen haben und freiwillig ableben sollen, weil ihr eigenes Dasein zu teuer ist.
(M.D.)