„Fahrradfahrer skalpiert“, meldete kürzlich die Bild-Zeitung, als ein solcher in Berlin schwer verunglückt war. Zwar hatte der Mann den Zusammenstoß mit einem Transporter selbst verursacht, indem er plötzlich über mehrere Spuren nach links zog, doch ist es dennoch traurige Wahrheit, dass Fahrradfahren auch ohne eigenes Verschulden inzwischen lebensgefährlich ist. Allein in der Hauptstadt verunglücken Radfahrer fast täglich schwer oder gar tödlich - die Hälfte davon durch Fremdverschulden. Das muss sich ändern, und es wird dafür tatsächlich zu wenig getan, doch was die Berliner Radfahrerlobby demnächst mit einem Volksentscheid wohl als Gesetz verankern können wird, ist die dreiste Durchsetzung von Partikularinteressen gegen die Allgemeinheit.
Der Verkehr einer Stadt ist ein kompliziertes Miteinander und Gegeneinander und ein labiles Gleichgewicht aus Sicherheitserfordernissen und Effektivität. Was Berlin stattdessen nach den ersten triumphalen Vorwahlergebnissen der Gesetzesinitiative bevorzustehen scheint, ist die Einführung des Radfahrerprinzips vom Buckeln und Treten in einer ganz neuen Variante. Auffällig dabei, dass die Radfahrerlobby den Wählern ungehindert von Regierung, Fachleuten und Autofahrerorganisationen mit schmerzhaft verkürzenden Argumenten, Behauptungen und Weltvorstellungen den Kopf verdrehen kann.
Es geht schon damit los, dass Radfahrer als die einzigen
Leidtragenden der sonst unter dem eher neutralen Begriff „Verkehr“
zusammengefassten allgemeinen Risiko-Mobilität dargestellt und wahrgenommen
werden. Dabei werden laut Polizei 50% der Radfahrerunfälle von Radfahrern
selbst verursacht, wobei aufgrund deren nummernschildfreien Anonymität davon ausgegangen werden
kann, dass die Dunkelziffer sogar ein Mehrfaches beträgt. Inzwischen häufen
sich sogar die teilweise schwerwiegenden und sogar tödlichen Unfälle zwischen
Radfahrern selbst.
Solche Informationen umkurvt der ADFC als Sprachrohr der
organisierten Fahrradfahrerschaft elegant in seinen eigenen Zahlenwerken. Doch
auch hier findet sich Interessantes, etwa, dass 17% der gemeldeten Unfälle von
Fußgängern durch Radfahrer verursacht werden. Marginal scheint dagegen die Zahl
von 3% der Fußgängerunfälle, die auf Gehwegen (also nicht auf der Fahrbahn oder
anderen direkten Gefahrenbereichen) verursacht werden, doch interessant wäre
natürlich der Radfahreranteil bei den Fußgängerunfällen, die sich auf Gehwegen zutragen,
der mindestens im hohen zweistelligen Prozentbereich liegen dürfte.
Das alles spricht natürlich keineswegs dagegen, die
Sicherheit beim immer populärer werdenden Radfahren zu erhöhen. Der wichtigste
Gesichtspunkt dabei müsste eigentlich sein, dass die Hauptverursacher von
Radunfällen mit Todesfolge Berufskraftfahrer in schweren Lkw sind. Hinzu kommen
in der Verursacherstatistik mit den Taxifahrern weitere Berufsfahrer. Deshalb
ist es befremdlich, dass im bald zur Abstimmung stehenden Radfahrergesetz
ausdrücklich der motorisierte Individualverkehr als Hauptfeind ausgemacht
wurde.
Am Ende aber werden alle Verkehrsteilnehmer die
Leidtragenden sein, selbst die Radfahrer. Das klingt nach einer kühnen These, weshalb
sie bewiesen werden muss: Gehen wir dafür einige der „Kernmaßnahmen“ des ursprünglichen
Gesetzentwurfes durch, die innerhalb von acht Jahren umgesetzt werden sollen.
Geschaffen werden soll für entweder 320
(Initiative) oder 2100 Millionen (Senat) Euro (wer wird das bezahlen?) ein
350 Kilometer langes Netz sicherer Fahrradstraßen, dazu mindestens 100
Kilometer Radschnellwege für den Rad-Pendlerverkehr sowie zwei Meter breite
Radwege (pro Richtung) entlang jeder Hauptstraße (800 Kilometer). Aus
Radfahrersicht ist das sicher eine feine Lösung, doch ohne eine riesige Zahl
von Kreuzungen mit dem klassischen Verkehr und einem gewaltigen Verlust
entweder von Parkplätzen und/oder allgemeinen Fahrspuren ist dies
offensichtlich nicht zu erreichen.
Den alternativen Gesetzgebern ist die Problematik wohl
bewusst, schreiben sie doch weiter hinten in ihrem Entwurf, dass in
Kreuzungsbereichen entweder Kreisverkehre zu bauen seien oder dem Radverkehr
Vorfahrt gewährt werden müsse. Und da sind wir schon beim Eingemachten, denn so
wird jeder einzelne Radfahrer an solchen Knotenpunkten den gesamten Restverkehr
zum Stillstand bringen. Und nicht nur dort, denn schneller motorisierter und langsamer muskulärer Verkehr sind in einem Netz und in signifikanter Anzahl einfach nicht kompatibel. Ein Fahrrad bremst sovie Autos oder Busse oder Lieferfahrzeuge oder Straßenbahnen aus, wie sich eben dahinter stauen. Also heißt es entweder-oder, solange man den Verkehr nicht auf zwei Ebenen abzuwickeln in der Lage ist.
Deshalb ist es auch scheinheilig, das Gesetz als
Wohltat für Fußgänger und den öffentlichen Personennahverkehr zu verkaufen.
Stattdessen wird sich nämlich ein Dauerstau wie Mehltau über die Stadt legen - Mobilität
einschneidend behindernd und das alles auch noch mit erheblichen negativen Auswirkungen
auf die Umwelt. Gleiches gilt für die massive Reduzierung von ohnehin knapper
Fläche des ruhenden und fließenden Verkehrs, denn wenn sich eine
gleichbleibende Menge von Fahrzeugen auf drastisch weniger Fläche drängen muss,
ist Stau oder letztlich die Aufgabe von funktionalen Mobilitätsbemühungen die
einzige Konsequenz. Da sind es eher Peanuts, wenn es laut Gesetzentwurf zusätzlich auf
Hauptstraßen auch noch „50 grüne Wellen für Radfahrer und den ÖPNV“ (für wen
denn nun?) geben soll.
Doch damit nicht genug. Das Gesetz wird 200.000 Fahrradstellplätze
an ÖPNV-Haltestellen und 200.000 weitere im sonstigen Stadtgebiet erzwingen. So
schön wie Park & Ride für den einzelnen Radfahrer auch sein mag, ist es in
einer vollgebauten Stadt einfach nicht vorstellbar, eine solche Menge an Stellplätzen
schaffen zu können, jedenfalls nicht da, wo sie gebraucht werden. Genauso wenig ist es
vorstellbar, wie sich ein entsprechend massenhaftes Nutzen der Bahn durch
Radfahrer fahrgast- und fahrplanverträglich umsetzen lässt. Utrecht und andere
holländische Städte haben es zudem vorgemacht, wie die Lebensqualität und die
Ästhetik der Stadt unter den Blechwüsten teilweise zweigeschossiger vorsichhinrostender
Aufbewahrungsgestelle leidet.
Nun soll, statt solche Erkenntnisse zu berücksichtigen, Berlin für Deutschland
laut Gesetzentwurf auch noch Vorbildcharakter bekommen. Vorbild wofür? Schon
jetzt wurden Fahrradrouten durch Grünanlagen oder auf Kosten von Grün- und
Freiflächen errichtet. Ein Großteil der durch die drohende Umgestaltung
vernichteten Stadt- und Funktionsfläche wird aber auch dann verloren bleiben, wenn
saisonbedingt die Mehrheit der Hobbyradler den Drahtesel in den Keller stellt. Ebenso
wird der ÖPNV entweder im Winter (im Falle einer wohl nicht zu erwartenden besseren Mittelausstattung, aber das Geld geht ja dann sowieso in den Fahrradtopf) unter der Last der zusätzlichen Fahrgäste ächzen
oder im Sommer im teuren Leerlauf seine Runden drehen (bzw. im Stau stehen s.o.). Und die
Mehrheit der Radfahrer hat dann auch noch mindestens ein Auto irgendwo herumstehen,
das in der Herstellung nicht dadurch umweltverträglicher wird, dass es nicht
gefahren wird. Ebenso wenig wie das Fahrrad in der Herstellung und Entsorgung dadurch
umweltverträglicher wird, dass es kein Benzin verbrennt.
All dessen ungeachtet heißt es im §1 des Entwurfs, weitere Menschen
sollen zum Umsteigen auf das Rad animiert werden. Auf insgesamt 30% des
Gesamtverkehrs soll der Anteil des Rades steigen. So wie es offensichtlich
scheint, dass die Sonne sich um die Erde dreht, wird hier der ideologische
Irrtum der Umweltfreundlichkeit ausgelebt, nur weil man beim Rad keine
Auspuffgase sieht. Ist denn ein Verkehrsmittel umweltfreundlicher, wenn das CO2
nicht aus einem Benzin-, sondern aus einem Muskelmotor mit deutlich
schlechterem Wirkungsgrad kommt?
Ohnehin ist es fatal und passend zur Zeit der ökologischen
Imperative, wenn eine komplexe Situation nur aus einem einzigen Blickwinkel
betrachtet wird. Der angeblichen Umweltfreundlichkeit des Rades stehen nämlich neben
der Behinderung des restlichen Verkehrs auch noch Flächenfraß (sowohl ruhend als
auch bewegt), immanente Gefährlichkeit (Fußgänger, Radfahrer) und Gefährdetheit
(Motorfahrzeuge, Radfahrer), begrenzte Beweglichkeit, vergleichbare Langsamkeit und Ineffektivität
(Lasten), Wetterabhängigkeit, Diebstahlanfälligkeit und vieles mehr gegenüber.
Was für das Individuum kaum eine oder eine hinsichtlich der persönlichen Nachteile
durchaus kalkulierbare Rolle spielt, weil es das Fahrrad als durchaus sehr sinnvolles
Mittel dort und dann einsetzt, wo und wann es dieses braucht, erweist sich für
das Kollektiv, also für das Gesamtgebilde Stadtverkehr, als Katastrophe.
Die entscheidende Frage ist bei kybernetischer Sicht nämlich
nicht, wie umweltfreundlich ein Verkehrsmittel ist, sondern welche Arbeit (mit den Messgrößen
Kraft und Weg) es in welcher Zeit bei allerdings möglichst geringer
Umwelt-, Verkehrs- und Menschenbelastung zu verrichten vermag. Es geht also um Leistung und Verträglichkeit, ansonsten müsste man das Zufußgehen oder gar das Zuhausebleiben gegenüber dem Radfahren entschieden bevorzugen. Genauso muss erkennbar
sein, ob die einzelnen Verkehrsmittel von ihren Leistungsparametern her
miteinander kompatibel sind und nicht eines das andere blockiert. Es handelt
sich also um eine große kybernetische Herausforderung an die zuständigen Planer
und soll nun durch eine ideologische Übersprunghandlung einer engagierten Lobby
per Volksentscheid brutal und dysfunktional gelöst werden wie ein Gordischer Knoten.
Eine Ausweitung des Fahrradverkehrs begleitet von nicht vertretbaren Privilegien ist aus
gesamtstädtischer Sicht eine fatale Fehlentwicklung. Dennoch muss natürlich
alles Sinnvolle für die Sicherheit und den Bewegungskomfort des Radfahrers
getan werden. Das ist schwierig genug, denn er ist aufgrund seines schmalen
Profils und seiner relativ hohen Geschwindigkeit weder von Fußgängern noch von
Motorfahrzeuglenkern leicht zu erkennen. Selbst die eigeninduzierte Sturz- und
Verletzungswahrscheinlichkeit durch Straßenschäden, Straßenbahngleise oder
vorausgehendes Fehlverhalten eigener oder anderer Verkehrsteilnehmer ist enorm.
Hinzu kommt die Verantwortungslosigkeit einer relevanten
Teilmenge der Radfahrerschaft, die sich weder auf der Straße noch auf den
Bürgersteigen rücksichtsvoll in das Kollektiv einfügen will. Immer noch ist
Radfahren für viele das Ausleben eines Gefühls von Freiheit, Kraft und
Abenteuer und für andere eines Gefühls der ideologischen oder physischen Dominanz. Das
wird natürlich befördert durch die bisherige weitgehende Unmöglichkeit einer
Verfolgung von Fehlverhalten und vor allem durch das selektive Toleranzverhalten der Gesellschaft, dessen sich rücksichtslose Radfahrer derzeit leider sicher sein können.
Hätte die Volksentscheidsinitiative staatsbürgerliche Verantwortung,
würde genau von ihr die Forderung nach Nummernschildern für Fahrräder kommen.
Stattdessen fordert der Gesetzentwurf allen Ernstes, in allen Bezirken
polizeiliche Fahrradstreifenstaffeln zu schaffen, die sich ausschließlich um
Vergehen gegen Fahrradfahrer (und Fußgänger), aber nicht von Fahrradfahrern zu
kümmern haben.
Nicht zu vergessen: Leben ist bekanntlich lebensgefährlich und perfekte Sicherheit wird es auch mit Milliardenonvestitionen nicht geben. Bezeichnenderweise stiegen trotz der erheblichen Investitionen, die Berlin in den letzten Jahren in den Ausbau der Fahrradstadt Berlin gepumpt hat, die Unfallzahlen signifikant.
Was gerade geschieht, ist deshalb vergleichbar mit einer Person, die einen (sicher
unterhaltsamen und umweltfreundlichen) Spaziergang in einem Löwenzwinger plant
und sicherheitshalber fordert, die Löwen dauerhaft in kurze Ketten zu legen.
Das Rad verliert zudem
seine Nützlichkeit außerhalb eines begrenzten räumlichen und zeitlichen Anwendungsspielraums. Es kann
zusätzlich zum erwähnten Sicherheitsrisiko wenig Gepäck transportieren, es ist
schweißtreibend, es bleibt exklusiv für körperlich Belastungsfähige, ist für
längere Strecken zu langsam und bei Nichtgebrauch hinderlich. Im Verhältnis zu
seiner begrenzten Beförderungsleistung nimmt es unverhältnismäßig viel
Fläche in Anspruch. Auf den Straßen blockiert es schnellere Verkehrsmittel und
auf den Bürgersteigen gefährdet, ängstigt und nötigt es Fußgänger.
Kurz gesagt: Ein Bus befördert 100 Personen schnell und
sicher im fließenden Verkehr, während 100 Personen auf dem Rad
mit erhöhtem Sicherheitsrisiko langsamer vorankommen und - wären sie auf der einem Bus vergleichbaren
Fläche konzentriert - entweder einen Massensturz oder im besten Falle die
Blockade von vier Ampelphasen erzeugen würden. Gutes Rad ist da bloß noch teuer.
In unserem Leipziger Antifa- und Studentenviertel sind Radwege überall angelegt worden.Die Fahrbahn wird dadurch total eingeengt. Es sind halt Straßen aus der Gründerzeit. Jetzt drängeln sich Autos und Straßenbahn immer auf nur einer Abbiegespur und es gibt viele kleine Straßenkreuzungen dort. Aber was soll's Deutschland ist vor dem Kollaps. Wir erleben gerade die letzten "Stunden" Westroms aus eigener Anschauung. Es gibt nur noch blöde Ideen, die auch noch umgesetzt werden. Ich wette, dass es auch dafür Geld gibt. Für die Durchsetzung idelogischer Ideen ist immer Geld da, nur nicht für Dinge, die wirklich wichtig sind und Deutschland voranbringen könnten. Die DDR hatte es gerade auf 40 Jahre gebracht. Wielange wird es dauern bis Deutschland gestorben ist?
AntwortenLöschenWarum nicht ganz Berlin in eine Fußgängerzone umwandeln? Entschleunigung ist angesagt. Linkes Nichtstun braucht keine Hektik. Bayern zahlt schon. Mehr Esel und Kamele in die Stadt! Den Berliner Bären durch das Dromedar ersetzen! Der Orient ist doch auch schon da. – Furchtbar, wie nicht nur in Berlin linke Minderheiten immer dreister die Mehrheit kujonieren und diese sich das gefallen läßt. Nur zu: Analverkehr statt Straßenverkehr! Am besten bekifft und unter Chrystal Meth. – Leider, so steht zu befürchten, wird alles Ätzen gegen das linke Weltrettungsgewese nichts fruchten, es sei denn, der Bürger faßt sich endlich ein Herz und jagt das ganze rotgrüne Hirngezwerge auf die Felder, wo es sich mit dem Kartoffelanbau, statt mit Stadtplanung beschäftigen und, wenn ihm danach zumute ist, selber nach jeweiliger Lustlage und Präferenz in den A**** f***** und neue wertvolle Varianten davon aushecken kann.
AntwortenLöschen