Als SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles daranging, unter der Parole „Spenden für den Wechsel“ im Internet selbige einzuwerben, rief sie versehentlich zu Überweisungen an die CDU auf. Künstlerpech, könnte man sagen, doch auch hier hat das Chaos System. Demotivierte Mitarbeiter arbeiten für Politiker denen zwar der Erfolg, nicht aber die Sache wichtig ist. Im konkreten Fall hatte der Mitarbeiter einfach den Text der Christdemokraten aus dem Internet geklaut und nicht einmal genug Sorgfalt aufgebracht, die Spuren zu verwischen. Und wie sollte da eine Frau Nahles, die viel Höheres als ordentliche Arbeit im Sinn hat, wissen, was ihre Mitarbeiter in ihrem Namen so veranstalten. Hier im Kleinen wie auch im Großen wird die Bundestagswahl zu einer Fake-Veranstaltung, die mangels Alternativen nichts wirklich zur Wahl stellt, sondern Herrschaftsstrukturen legitimiert und stabilisiert.
Der Fake-Charakter erschließt
sich unter anderem aus der Plakatwerbung. Die Werbung der Parteien ist
personalisiert. Politiker-Personen sprechen Wähler als Personen an. „Sie haben
es in der Hand“ oder „Dass Wir entscheidet“ behauptet die SPD. „Gemeinsam
erfolgreich“, „Auf Ihre Stimme kommt es an“ und „Weil jeder zählt: Das Ganze im
Blick“ hält die CDU dagegen. Man merkt schon den psychologischen Hintergrund:
Weil die, die gewählt werden wollen, genau wissen, dass sie sich jahrelang
einen Dreck um die Interessen der Menschen gekümmert haben, soll das nun in
vier Wochen wenigstens virtuell nachgeholt werden. Natürlich zahlen die Bürger
die Kosten für das Belogenwerden mittels Wahlmarketing auch noch selbst: 154
Millionen Euro aus Steuergeldern werden diesmal für die potemkinschen
Geisterstädte an die Parteien ausgeschüttet. Mehr als je zuvor.
Die Lüge ist inzwischen so sehr
zum Merkmal des politischen Systems geworden, dass es für den noch zur Skepsis
Fähigen meist ausreicht, die Behauptung einfach ins Gegenteil zu verkehren, um
dem Wesentlichem auf die Spur zu kommen. Dagegen hat sogar simple Produktwerbung
eine wohltuende ironische Realitätsnähe, wenn ein Lebensmittelzulieferer
verspricht „Wir retten den deutschen Haushalt“ (Ja) oder ein Süßwarenhersteller
behauptet „Wir verändern das Land zum leckeren“ (Ferrero). Weil Letzterer
angesichts seines neuen Produkts von Küsschen aus weißer Schokolade noch
nachlegte und plakatierte „Deutschland wählt weiß“ gab das natürlich
ordentlichen Ärger. Wie konnten die Werbefritzen im Jahr 2013 auch davon
ausgehen, dass das Wort „weiß“ nicht zu einem Shitstorm der Politisch-Korrekten
führen würde? Der Spruch wurde jedenfalls zur „Überarbeitung“ zurückgezogen.
In PoCo-Land herrscht nämlich die
Ordnung, oder schlechter gesagt: die
Ver-Ordnung - und das wird sich auch so schnell durch keine Wahl ändern. Dementsprechend
plakatieren die Grünen ihren Katalog von PoCo-Schlagwörtern ab und garnieren
jedes mit einem „UND DU?“. Das hätte Big Brother persönlich nicht überzeugender
hinbekommen. Eine solche Frage dient nicht dazu, den anderen besser zu
verstehen, sondern ihn moralisch unter Druck zu setzen und zu indoktrinieren.
Was die Menschen glauben oder
wissen oder zu wissen glauben interessiert diese neuen Propheten des
Gutmenschentums nicht, schließlich wisse man das selbst am besten, sonst wäre
man ja nicht der neuen Heilslehre des „Grünismus“ beigetreten. Demokratische
Debatten und Respekt vor anderen, gewachsenen, vielleicht sogar mehrheitsfähigen
Meinungen braucht man da nicht im ideologischen Portfolio.
Konrad Kustos wird kleinlich,
wenn er es mit kleinlichen Ideen und Ideologien zu tun hat. Wenn Kleingeister also
ihren geistigen Horizont noch weiter verengen, um sich in einer komplexen Welt
geborgener fühlen zu können, oder wenn sie dies tun, um die Opfer
jahrzehntelanger Indoktrination nun als Wahlvieh einzusammeln. Anders
ausgedrückt: Konrad Kustos kann die Grünen nicht leiden….
Eine gewisse Schadenfreude kann
er deshalb nicht verhehlen, wenn Grüne und SPD diesmal teilweise Plakate aus
umweltfreundlichen und formaldehydfreiem Material aufgehängt haben, die sich
unter dem Einfluss des herbstlichen Regens beulten und auflösten. Anscheinend
ist die ökologisch-korrekte Rettung der Welt doch nicht so einfach wie
behauptet. Schade, dass sich die anderen geistigen Kurzschlüsse von der Uckermark-Windmühle
bis zum Einwanderungsland erst als solche widerlegen lassen, wenn es zu spät
ist.
Die „Welt“ schrieb zu diesem
Thema: „Personell festzumachen ist dieses Elend der Grünen an ihrem
Spitzenkandidaten Jürgen Trittin, der seinen alten linken Utopismus ins
staatsrationale Umbauprogramm der Grünen transformiert hat und ihnen damit
allen Charme sowohl des Pragmatismus als auch der Verbesserungsmunterkeit
genommen hat.“ Wobei es bei genauerem Hinsehen mit diesen Charme nie so weit
her war: Von Anfang an herrschte bei den Grünen der Dogmatismus, der allerdings,
solange die Beteiligung an der Macht noch fern schien, aus taktischen Gründen
und mit Rücksicht auf die damalige Sponti-Basis möglichst kaschiert wurde.
Nun hat der Marsch durch die
Institutionen, der in der Studentenbewegung ausgerufen wurde, nicht nur den Weg
der Grünen, sondern auch die Denkweise aller anderen herrschenden Parteien mehr
oder weniger entscheidend beeinflusst. Doch wachsender Dogmatismus,
Realitätsferne und Demokratieunverträglichkeit nähren sich nicht nur aus dieser
Wurzel.
Der Niedergang führt zu einer
Verschiebung von Machtverhältnissen. Der Staat ist nicht mehr der „ideelle
Gesamtkapitalist“, also eine ausgleichende Kraft zwischen unterschiedlichen
Machtpotenzialen mit sehr unterschiedlichen, vor allem aber nationalen
Interessen, sondern zunehmend das Werkzeug des international operierenden
Konzernkapitalismus. Wozu also sollte ein Politiker auf das Denken oder die
Bedürfnisse seiner (nationalen) Wähler achten, wenn sein Handlungsspielraum
durch staatsferne Interessen so eingeengt wird, dass er gar nicht mehr als
Volksvertreter tätig werden könnte, selbst wenn er wollte?
Und schließlich gibt es noch
einen dritten Faktor, der strukturell ausschließt, dass die sonntägliche Wahl
demokratische Bedürfnisse bedient. Der hier schon oft beschriebene Niedergang
der Zivilisation hat bewirkt, dass der demokratische Apparat von Blendern und
Karrieristen unterwandert wurde. Die Zeiten sind vorbei, in denen eine
relevante Anzahl von Politikern Sach- oder gar Volksinteressen vertrat. Die,
die es nach oben schaffen, sind jetzt knallharte Spezialisten in virtueller
Selbstdarstellung und im Beiseiteräumen von Konkurrenten. Deshalb agieren sie
im Wahlkampf ja auch so ungeschickt: Weil sie in dieser kurzen Zeit die Schauspielbühne
der Volksnähe betreten müssen und darin so geübt sind wie der Esel im
Eislaufen.
Die einzige Wahl, die die Wähler
haben, lautet, die Machtlosigkeit zu akzeptieren oder an der Machtlosigkeit zu
verzweifeln. Deshalb arrangieren sich viele mit diesen Strukturen. Das zeigt
auch eine Studie der R+V-Versicherung, nach der die Befürchtungen, dass die
Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind, gegenüber dem Vorjahr um zehn
Prozentpunkte zurückgegangen sind. Die Bedenken liegen nun mit 45% auf dem bisher
niedrigsten Stand. Bedenkenlos werden deshalb marginale Unterschiede unter den
Parteien zu Schicksalsfragen aufgeblasen und dann wahl-los „die kleineren Übel“
gewählt.
Die Sorgen und Ängste werden
nicht mehr auf Politiker, sondern ins Virtuelle oder Persönliche projiziert. Angst
herrscht vor einer (wenn auch nur mediengenerierten) Zunahme von
Naturkatastrophen (56%) oder davor ein Pflegefall zu werden (55%). Immerhin
sorgt man sich auch um die Lebenshaltungskosten (61%) und dass man die Kosten
für die Bewältigung der Eurokrise zu tragen haben werde (68%).
Nebenbei gesagt, welche
Bewältigung? Mit solchen Euphemismen werden Umfragen schon über die
Fragestellung auch zum Manipulationsinstrument, zur Einübung in die virtuelle
Demokratie. Wie auch immer, all diese Sorgen sind da, ohne dass die Betroffenen
dafür eine im Grunde alleinherrschende Einparteienregierung verantwortlich
machen - und sei es durch eine Denkzettelwahl. Selbst für Letzteres ist das Angebot überschaubar, denn zur Wahl mit einem gewissen Protestpotential stehen "Ungültig", die "AfD" und eigentlich guten Gewissens unwählbare Radikale. Die Piraten hingegen fallen aus, denn sie agieren schon jetzt als den Herrschenden durchaus genehmer, weil für sie folgenloser Blitzableiter des Zorns der Politikverdrossenen.
Dazu passt die Allensbach-Erkenntnis,
dass die Deutschen immer zufriedener mit der Demokratie werden. Nur noch 11%
sind unzufrieden. Gleichzeitig sinkt aber unter jungen Leuten die Bereitschaft,
zur Wahl zu gehen. Über die Wechselwirkungen von Politikverdrossenheit und
individualistischer Sozialferne soll aber ein anders Mal spekuliert
werden.
Fakt ist, dass die Parteien des
Niedergangs kein Vertrauen in die Menschen haben, sondern in konkrete
machtpolitische Abhängigkeiten und in ferne, wohlklingende, abstrakte soziale
Ziele. Der Mensch soll nicht sozial als verantwortlicher Teil einer
Gemeinschaft reifen, sondern durch Verbote an virtuellen Zielen ausgerichtet
werden.
Das alles führt zum traurigen
Schluss, dass die Demokratie nicht mehr funktioniert - jedenfalls nicht, wenn
es um Wahlen und Volksvertretung geht. Längst entscheiden Monopole, Lobbys,
Apparate und ideologische Bündnisse. Die Strukturen haben sich endgültig
verselbstständigt. Immerhin garantiert das Staatswesen (im Gegensatz zum immer
einflussreicher werdenden PoCo-Komplex) im allgemeinen noch formal die freie
Meinungsäußerung. Noch.
Demokratie ist der gelebte
Anspruch, das Spektrum unterschiedlicher Denkweisen des Volkes zu einem
Ausgleich zu bringen. Was wir gegenwärtig an der „Macht“ haben und wieder
bekommen werden, ist ein aus freien Wahlen hervorgegangener Klüngel aus
Vertretern von Partikularinteressen, die sich auch noch zum großen Teil zumindest
gegen die subjektiven und meist auch objektiven Interessen des Volkes richten
(Euro, Migranten, Umverteilung). Und wäre es wirklich zulässig, auch nur über
die subjektiven Interessen des Volkes hinwegzugehen, selbst wenn man für sich selbstherrlich
in Anspruch nimmt, die objektiven zu kennen? Die demokratische Wahl war einmal.
Mut macht allerdings das
Desaster, das die Grünen als Vorhut eines totalitären Beglückungsstaates mit
ihrem Veggie-Day erlebt haben. Laut Umfragen rutschten sie in der Wählersympathie
vom aussichtsreichen Platz des Kronprinzen auf den eines auf ein Wunder
hoffenden Mitläufers. 61% der Befragten wollten sich nicht zum
Teilzeitvegetarier verordnen lassen. Da waren die Dogmatiker in ihrer Arroganz
in den letzten persönlichen Freiraum eingedrungen und damit zu weit gegangen. Doch
immerhin 30% votierten für die grüne Zwangsernährung. Ist da das Glas nun halb
voll oder halb leer?

Mein Vorschlag zur Wahlwerbung für eine liberale Partei war ja, in einem Forum geäußert:
AntwortenLöschenLeeres Plakat, unten der Parteiname, oben nur die Worte: Machen Sie doch, was Sie wollen.
Hätte mir gefallen.
Darf ich meinen linken Nachbarn ausrauben, um das Geld einem anderen zu geben? NEIN!
AntwortenLöschenDarf ich meinen Nachbarn schlagen und einsperren, wenn der sich weigert sein Geld herauszugeben? NEIN!
Darf ich meinen rechten Nachbarn beauftragen meinen linken Nachbarn auszurauben, nötigenfalls zu schlagen und einzusperren? NEIN!
WARUM UM GOTTES WILLEN GLAUBT DANN DER WÄHLER, ER HABE DAS RECHT LINKE ODER RECHTE PARTEIEN ZU BEAUFTRAGEN ANDERE IN MEINEM NAMEN AUSZURAUBEN, NÖTIGENFALLS ZU SCHLAGEN UND EINZUSPERREN?
DAS IST DOCH UNLOGISCH!
Ein (von mir nicht weiter verifiziertes, aber glaubwürdiges) Faktoid ist, dass dies die letzte Bundestagswahl war, bei der die Mehrheit der Wahlberechtigten jünger als 55 ist. Ab dem nächsten Mal haben die Bald- und Vollrentner die Kontrolle ganz übernommen, und schon diesmal hat sich das im Ergebnis gezeigt. Diejenigen, die sich noch ein paar Jahre vorspielen wollen, dass alles prima läuft, haben beinahe für eine absolute Mehrheit der Union gesorgt. Das deckt sich mit der Beobachtung oben, dass das Land in einer satten Zufriedenheit versinkt.
AntwortenLöschenRein logisch ergibt sich, dass eine Demokratie, deren Wähler in ihrer Mehrheit (bald) nicht mehr arbeiten, diejenigen wenigen, die das noch tun, ausquetschen muss. Und die Ausgequetschten müssen versuchen, erst aus der Verantwortung und dann aus dem Land zu flüchten. Oder sie wagen eine Revolte - die Piraten gelten K.K. zwar als schon vereinnahmt, aber warten wir es ab. Wer mit "shutdown -h now" eine ganze Stadt in die Knie zwingen kann, sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn die 5%-Hürde weit entfernt ist.
Das mit der satten (Selbst-)Zufriedenheit gilt selbstverständlich auch für die Grünen, das muss ich leider zugeben. Klare politische Kante sieht anders aus als "Veggie-Days". Ärgerlich nur, dass man den Grünen vorwerfen muss, die Wähler bezüglich Steuererhöhungen nicht ausreichend belogen zu haben. Die Merkel-Boys haben ja auch fast alle die Klappe gehalten über das, was demnächst alles kommt an Grausamkeiten, und damit die Alternative für Deutschland gerade noch ausgebremst.
Aber wenn man schon aus dem Desaster der Grünen Mut schöpft, so doch umso mehr aus dem Armageddon der "Liberalen". Wenigstens zu einer Blinddarm-OP ist der gesättigte Wähler noch fähig. Und jetzt hat die F.D.P. nur noch die Wahl zwischen Hängen und Würgen, Lindner und Kubicki, man weiss nicht, wer kälter dreinblickt von den beiden, bestens geeignet, die 3%-Hürde nach unten zu reissen. Gute Nacht!