Vor dem Möbelgeschäft an der Ecke des bürgerlichen Wohnviertels hielt die Polizei. Der Laden mit arabischem Kitsch war eigentlich immer leer, also kam die Staatsgewalt vielleicht wegen Geldwäsche? Eine Nachfrage in der Apotheke nebenan schafft Klarheit: „Ach was, das waren die Roma mit einem Überfall, die kommen jetzt hier dauernd vorbei. Bei mir sind sie auch regelmäßig, versuchen mich abzulenken und Ware mitgehen zu lassen.“ Sagt es und zeigt ihr Pfefferspray, mit dem sie die ungewollte Kundschaft bisher noch loswird. Die Gegenseite ist aber nicht weniger unerfreulich: Hilflose Menschen werden familienweise in Zimmern zu Wucherpreisen zusammengezwängt. Ihre zivilisatorische Ferne zur deutschen Lebenswirklichkeit macht es ihnen bei besten Willen mehr als schwer, hier Fuß zu fassen. Also muss es nach zwei Texten zu politischen Begleiterscheinungen der Balkanmigration noch einmal abschließend um die „Endabnehmer“ einer verfehlten Politik gehen: um die betroffenen Menschen auf beiden Seiten. Aber wie es sich bei Konrad Kustos gehört, werden auch daraus grundsätzliche Strukturen und Prozesse des Niedergangs erkennbar werden.
In Mannheim werden 200 Euro für eine Matratze pro Monat gezahlt,
oder eine Familie muss sich ein Zimmer für 400 bis 500 Euro teilen. In Duisburg
sehen sich die Roma bewaffneten Angriffen von Türken und Libanesen ausgesetzt,
die „ihr“ Territorium gegen die Neuen verteidigen. Rund 19 Millionen Euro
dürfte es nach Einschätzung der chronisch klammen Stadt jährlich kosten, um den
Zuwanderern bei der Integration und sozialen Versorgung zu helfen. In Berlin
werden die Mädchen in türkischen Bordellen angeboten, während die Brüder und
Väter an den Kreuzungen Autoscheiben gegen den Willen der Fahrer reinigen oder
gnadenlos musizierend durch die S-Bahn ziehen. Erst kürzlich verlor ein
protestierender Fahrgast ein paar Zähne beim Zusammenstoß mit einer solchen Trompete.
Im Schmelztiegel Neukölln, wo 300.000 Bewohner aus 160
Ländern zusammenkommen, gehören seit kurzem laut eines Romaberichts des Bezirks
nun ebenfalls 10.000 Roma dazu. Dies rechnet der Bericht aus den angemeldeten
Gewerben (3000), die zum Empfang von Kindergeld berechtigen, und den
registrierten Schülern hoch. Für die Schüler werden sogenannte Willkommensklassen
eingerichtet, obwohl die meisten der Kinder keinerlei Deutsch- oder auch nur
Rumänischkenntnisse haben, teilweise Analphabeten sind und es an Romanes-sprechenden
Lehrern fehlt. Die Behörden versuchen wenigstens mit Basisimpfungen
Infektionskrankheiten zu vermeiden. Da es bisher keine Camps unter freiem
Himmel gibt, vermuten die Neuköllner, dass viele Roma in Kellern, Fluren oder
Dachböden unterkommen. Auch würden Wohnungen in unzumutbaren Zuständen
vermietet.
Meist landen die Zugezogenen in Problemquartieren mit hohem
Arbeitslosen- und Ausländeranteil und verschärfen dadurch die soziale Lage in
diesen Vierteln noch. Die betroffenen Kommunen betteln um finanzielle Hilfen
beim Bund und der EU, doch die, die diese Völkerwanderung unter dem Vorwand von
Freiheit und Gleichheit in Gang gesetzt haben, schweigen.
Im Duisburger Bezirk Bergheim zogen 2012 rund 500 Menschen
vom Balkan, darunter viele Roma, in mehrere leerstehende zusammenhängende Gebäude.
Vor den Häusern wuchsen Müllberge, und die Balkone sind mit Teppichen -
bisweilen auch einem toten Schaf - zugehängt. Die Anwohner klagen über Musik,
Geschrei und Grillgelage bis tief in die Nacht. 350 Ermittlungsverfahren sind
anhängig. Die Beamten in Duisburg kommen in einem internen Einsatzbericht zu der
Einschätzung: „Solange die Menschen in dieser Form ungeregelt zuwandern und
sich ebenso ungeregelt ansiedeln, sind die Probleme polizeilich nicht
beherrschbar." Insgesamt 70 kritische Standorte listet ein Bericht der
Verwaltung des Ruhrortes auf.
Die Alteingesessenen in den ohnehin kritischen
Stadtquartieren reagieren überfordert, betonen aber auch, dass sich unter den
Zugezogenen viele ordentliche und freundliche Menschen befinden. Einige der
Alt-Duisburger jedenfalls denken so, andere haben anonym zu Mord und Brandstiftung
aufgerufen. Vermutlich Wirrköpfe, aber wer weiß, bedenklich wäre es, wenn so
etwas in Deutschland umsichgriffe. Humanitäre Kreise richteten jedenfalls als
Reaktion darauf Nachtwachen zum Schutz der Roma ein. Umgekehrt wurde eine
Bürgerversammlung von linken Jugendlichen mit Eisenstangen, Knüppeln und
Reizgas attackiert - nach deren Ansicht durchaus zurecht, denn schließlich habe
man sich auf der Veranstaltung „antiromaistisch“ geäußert.
Die Situation eskaliert, weil Konfliktpotenziale über Jahre aufgebaut
wurden, ohne Lösungsmöglichkeiten anzubieten - eine Situation, die für die
Gesellschaft des Niedergangs typisch ist. Unterschiedliche Kulturen rigoros,
also massenhaft, zu mischen ist ein regelrechter Konfliktbrüter. In Duisburg
und anderswo haben wir es konkret mit der brisanten Mischung einer bestehenden dekadenten
Spätzivilisation mit dazustoßenden, teilweise mittelalterlichen Denkweisen zu
tun.
Roma stellen sich traditionell außerhalb etablierter
sozialer Strukturen. 32% der jungen Roma-Frauen erleben oder erleiden ihre
erste Schwangerschaft im Alter von 14 bis 17 Jahren. Frauen generell unterliegen
von Männern diktierten besonderen Reinheitsvorstellungen. Menstruation und
Geburt gelten als unrein, „Betroffene“ dürfen mit ihren eigenen Leuten keine
Tischgemeinschaft bilden und weder essen noch trinken. Es existiert eine Fülle
von Einzelregelungen zur Meidung "unreiner" Bedeutungsträger.
Die Sinti, die im Gegensatz zu den Roma schon seit vielen
Jahrhunderten in Deutschland leben, erklären in relevantem Maße heute noch alle
medizinischen und Pflegeberufe, die mit Krankheit und Tod in Berührung kommen,
sowie alle Berufe, die mit Tierfleisch und -blut zu tun haben, als unrein. Sinti
vertreten nach eigener Darstellung ein besonders ausführliches Meidungssystem
und Regeln strikter Abgrenzung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Dazu gehört beispielsweise
das Verbot, Nicht-Roma über den Dialekt der Gruppe zu informieren. Während
einige Roma staatlichen Unterricht in ihrer Zigeunersprache (sic!) akzeptieren,
würde dies nach Darstellung des Verbandes der schleswig-holsteinischen Sinti und Roma für die Sinti
einen völligen Bruch mit den kulturell bedingten Gesetzen ihrer Gemeinschaft
bedeuten.
Eine derart erzeugte Sprachlosigkeit ist nicht gerade
hilfreich für Kommunikation und Integration. Eigentlich ist sie sogar ein
Schlag ins Gesicht des Gastgeberlandes. „Bei den deutschen Sinti und den
deutschen Roma“, so fährt die Homepage fort, „handelt es sich um Gruppen
unterschiedlicher Volkszugehörigkeit mit eigener Sprache, Kultur und Rechtsordnung.“
Moment mal, man ist stolz und kommt unwidersprochen damit durch, mitten in
Deutschland eine eigene Rechtsordnung zu praktizieren? Anscheinend, denn die
deutschen Sinti sind in der Bundesrepublik Deutschland trotz dieser eigenen
Rechtsordnung als nationale Minderheit anerkannt.
Hier nähern wir uns nun dem politischen Zusammenhang von
Mitleid, Verständnis, Toleranz einerseits und Selbstbehauptung der
Mehrheitsbevölkerung andererseits. Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung, die
eine schwer entwirrbare Mischung von problematischen Ressentiments und
funktionierender Realitätswahrnehmung darstellt, steht die veröffentlichte
Meinung, die auf der Mitleidsklaviatur alle Problempunkte mit ihrem Getöse überspielen
will.
Dazu gehören Zeitungen die mit Betroffenheitsjournalismus
auf Journalistenpreise zielen. „Sie kamen, um zu lernen“, titelte die Berliner
Morgenpost eine seitenlange Reportage ohne jedes kritische Wort, die mit
Bildern von süßen kleinen Kindern mit Rehaugen unterlegt war. Kinder, so geht
es schon einmal los, kommen überhaupt nicht, um irgendetwas zu tun, sie werden
mitgebracht von Leuten, die an das Lernen mit Sicherheit am wenigsten denken.
Zu den Verneblern gehören auch Leute wie der Duisburger
Pfarrer Augustin, der sich um „reaktionäre Ressentiments“ sorgt und „weg von
der Pauschalierung“ will, aber in den Medien, in denen er rumgereicht wir, kein
Wort zu den real existierenden Problemen oder eben zur Differenzierung findet.
Stattdessen warnt er gebetsmühlenartig vor „menschenverachtendem Gedankengut“
und rechtsradikaler Einmischung, die es in Duisburg in relevantem Maße noch gar
nicht zu geben scheint. Solche einseitige Realitätsverdrängung bei allem
spürbaren guten Willen schürt geradezu Krisen, denn sie verhindert, dass
Probleme angesprochen und gegebenenfalls gelöst werden. „Lasset die Kindlein zu
mir kommen“, ist im Zeichen des globalen Zerfalls jedenfalls keine zeitgemäße
Parole mehr.
Die positive Botschaft zum Abschluss kommt daher von den
Roma selbst. Als sich eine Hannoveraner Splittergruppe vom Begriff
Zigeunersauce öffentlich diskriminiert fühlte - was natürlich durch alle Medien
gereicht wurde - reagierte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ganz
entspannt, und warnte vor einer „dogmatischen Sprachregelung“. Bei Begriffen
wie Zigeunersauce oder Zigeunerschnitzel sei es unsinnig, den Begriff
„Zigeuner“ durch die Eigenbezeichnung „Sinti und Roma“ zu ersetzen. Dies ziehe
das eigentliche Anliegen der Sinti und Roma nur ins Lächerliche. So viel
Differenziertheit wünschte man sich in dieser Sache auch von vielen Deutschen.

Das Fatale an der, inzwischen europäischen, Situation ist die Ignoranz von Naturgesetzlichkeiten.
AntwortenLöschenDiese Ignoranz durch das verwirrte und orientierungslose Großhirn wird bereinigt durch die rücksichtslosen Mechanismen des Stammhirns.
Leider, denn dieser Prozeß wird sehr schmerzhaft sein. Auf beiden Seiten.
Wer seine Augen nicht zum sehen gebraucht, wird sie zum weinen benötigen.