Wir wissen, dass das
Gleichbehandlungsgesetz und seine Alltagsspielformen bedeutet, manche Menschen
etwas gleicher zu behandeln als andere. Zuletzt wurde dazu hier und hier
das Genderthema behandelt, also die These, dass es zwischen den zwei
Geschlechtern weder geschlechtliche noch sonstige Unterschiede gibt/geben darf.
Seit dem 13. Februar sind wir schon ein ganzes Stück weiter, denn Facebook, der
Blinddarm unter den Organen der neuen Zeit, hat, wenn auch vorerst nur für
englischsprachige Nutzer, aus bisher zwei ideologisch gleichen Geschlechtern gleich
58 gleiche Geschlechter gemacht. Jede derzeit denkbare sexuelle Versponnenheit oder Notlage erhält
so ohne Not gesponnen eine eigene sexuelle Identität und sogar die entsprechende
Grammatik zugewiesen. Das klingt zuerst
wie ein Witz, ist aber ein paradigmatischer Vorgang, der einerseits
weitreichende Folgen hat und andererseits tief blicken lässt, wie viel
Absurdität in unserer neuen virtuellen Gesellschaft schon möglich ist.
Über
diese Zusammenhänge hat sich Matthias Heine in einem Artikel
der Berliner Morgenpost so hellsichtig und souverän Gedanken gemacht, dass
es Euer Konrad Kustos diesmal nicht
besser hätte aufschreiben können. Deshalb gebe ich ihn hier nun wieder - aus
urheberrechtlichen Gründen sinnvoll gekürzt-, bevor ich mich am Ende noch
einmal mit ein paar grundsätzlichen Gedanken zurückmelde.
„Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, sehr
geehrtes Bigender, sehr geehrtes Agender, sehr geehrtes Androgynous, sehr
geehrtes Pangender, sehr geehrter Trans Male, sehr geehrte Two Spirit, sehr
geehrtes Intergender, sehr geehrtes Neutrois, sehr geehrtes MTF, sehr geehrtes
FTM, sehr geehrte CIS usw. usf...." So könnten in nicht allzu ferner
Zukunft amtliche Massenschriftsätze beginnen. Denn Facebook hat, wie berichtet,
am 13. Februar die Einstellungen in seiner englischsprachigen Fassung
dahingehend geändert, dass Nutzer nicht mehr nur zwischen männlich und weiblich
wählen können, sondern zwischen 58 Geschlechtsbezeichnungen, von denen sich
einige erst aus der Kombination mehrerer möglicher Geschlechter ergeben.
Obendrein können die Benutzer entscheiden, ob sie als him, her oder them
angesprochen werden möchten.
Üblicherweise wird jede
gesellschaftliche Innovation aus den USA mit Verspätung auch bei uns
übernommen. Wir können uns also auch in Deutschland bald auf
Facebook-Einstellungen, Personalausweise, Formulare und Lebensläufe freuen, die
mehr Auswahlmöglichkeiten zulassen als die Speisekarte eines chinesischen
Restaurants.
Mit den 56 neu hinzugekommenen
Geschlechtern verneigt sich Facebook vor der Gendertheorie. Die verharrt schon
lange nicht mehr bei der an sich nützlichen Unterscheidung zwischen biologischem
Geschlecht und gesellschaftlich geprägtem Gender, sondern ist mittlerweile
dahin fortgeschritten, dass ihre radikalen Vertreter die Existenz oder doch
zumindest die Relevanz des biologischen Geschlechts schlicht leugnen. Sie
glauben, wenn erst einmal die gesellschaftlichen, sprachlichen und politischen
Zwänge beseitigt seien, die Menschen dazu verurteilen, sich entweder als Mann
oder als Frau zu definieren, dann könne sich jeder eine
Patchworkgeschlechtsidentität zusammenbasteln. …
Die Welt wird davon nicht
untergehen, und es wird auch niemand davon zwangsschwul werden, wie radikale
Gegner der Gendertheorie befürchten. Man kann diese für eine Pseudowissenschaft
halten und trotzdem akzeptieren, dass es offenbar manchen Menschen psychische
Leiden bereitet, als Mann oder Frau bezeichnet zu werden. Wenn dem so ist, dann
wollen wir sie eben nicht mehr zwingen, sich selbst so zu nennen, und erwarten
demütig die Einführung der neuen multiplen Geschlechtseinstellungen auch in
Deutschland. Facebook hat angekündigt, dass es die Optionen nach und nach auch
für andere Sprachen zu Verfügung stellen will.
Auf dem Weg zu einer umfassenden
korrekten Geschlechterbenennung auch im Alltag außerhalb von Facebook sind aber
nicht nur gesellschaftliche Probleme zu lösen, sondern auch sprachliche. Denn
erstens gibt es in der ganz normalen Offline-Kommunikation ja keine praktischen
Scrolldown-Menüs, bei denen man schnell die richtige Anrede des Gegenübers
anklicken kann. Und zweitens legen merkwürdigerweise gerade diejenigen, die
sonst strikt darauf beharren, dass biologisches Geschlecht und Gender
keinesfalls identisch sind, den allergrößten Wert auf die Übereinstimmung von
biologischem und grammatischem Geschlecht, also Genus. …
Im Deutschen werden traditionell
gemischtgeschlechtliche Gruppen mit der männlichen Pluralform bezeichnet. Man
spricht althergebrachterweise von Politikern oder Bäckern – auch wenn sich
Frauen unter ihnen befinden. Die linguistische Bezeichnung dafür ist „generisches
Maskulinum".
Doch das generische Maskulinum
gilt bei seinen Gegnern als eine der wichtigsten Eckpfeiler patriarchalischer
Herrschaft. Der Kampf gegen das generische Maskulinum hatte uns nicht nur die
mittlerweile allgegenwärtigen Doppelformen wie „Studentinnen und
Studenten" beschert, sondern auch das große Binnen-I, das vermutlich die „taz"
erfunden hat: StudentInnen. …
Aber was ist mit den anderen 56
Geschlechtern, die Facebook am Donnerstag neu geschaffen hat? Es kann ja nicht
im Sinne der Uni Leipzig und des Feminismus sein, andere vom Patriarchat und
der Heteronormativität unterdrückte Gruppen zu diskriminieren, indem man sie
durch die Nutzung der allein das biologisch weibliche Geschlecht korrekt
adressierenden Anredeform ausschließt.
Will man die neuen Geschlechter
korrekt anreden, erfordert das einen sprachlichen Innovationsschub. Denn im
Deutschen legt die Endung eines Wortes die Geschlechtszugehörigkeit fest. Den
männlichen Berufsbezeichnungen wird in der Mehrzahl der Fälle einfach ein -in
angehängt. Bisher gibt es, der überholten Bipolarität entsprechend, nur diese
eine Möglichkeit, die überkommenen Maskulina zu variieren.
Für neue Geschlechter müssten
neue Endungen geschaffen werden. Theoretisch bietet die deutsche Sprache dafür
unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Gut möglich, dass irgendwann ein
Professor sein auf Geschlechtskorrektheit Wert legendes Auditorium anredet: „Liebe
Studentinnen, Studenten, Studenta, Studenti, Students, Studentanen,
Studentossen, Studentissen, Studentoren, Studenter usw. usf."
Doch selbst, wenn sich
Einzelpersonen im direkten Gespräch oder in Behörden bei ihren Formularen zu
solch mühseligen hyperkorrekten Anreden durchringen – in längeren Texten, wo
die entsprechenden Berufsbezeichnungen häufig auftauchen, sprengte es jeden
Rahmen, wenn man an jeder kritischen Stelle 58 geschlechtsspezifische Begriffe
benutzen würde. …
Eine Lösung könnte die jährliche
Geschlechterrotation sein. Einmal im Jahr müsste man dann die entsprechenden
Begriffe austauschen (was vor allem in elektronischen Dokumenten ja ganz
einfach ginge) und eines der 58 Geschlechter würde alle 57 anderen mit meinen.
Neben das generische Maskulinum und das generische Femininum würden dann auch
noch das generische Transgenderum, das generische CIS und viele andere
Neuerungen treten. Und alle 58 Jahre stünde sogar die klassische männliche Form
wieder da, und sogar patriarchalische Traditionalisten könnten sich die Texte
wieder anschauen, ohne Zuckungen zu kriegen.“
In der „Netzwelt“
wird der Coup, mit der sich der Datensammler und Volksverdummer Facebook
windschnittig an die Spitze der Bewegung zur Machtergreifung des Irrationalen
setzen will, begeistert zitiert. „Netzwerk macht Schluss mit bipolarer
Gender-Ausrichtung“ heißt es dort, und wir erfahren, dass die Menschenfreunde
von Facebook „durch die Einführung weiterer Geschlechter-Typen seinen
Mitgliedern erleichtern (wollen), ‚authentischer’ aufzutreten“. Für die Integration der neuen Begriffe hat
Facebook mit einer „Bürgerrechtsgruppe LGBT“ (= Lesbian, Gay, Bisexual,
Transgender) zusammengearbeitet. Dass die Nutzer(-innen, -außen +56...) sich
nun auch noch ein Personalpronomen aussuchen dürfen, wird lustig, da man davon
ausgehen kann, dass die meisten von ihnen gar nicht wissen, was das ist.
Dann ist aber auch schon Schluss mit lustig, denn unter dem
Mäntelchen von Toleranz und Weltoffenheit, wird nur die Gleichschaltung durch
das „Neudenk“ eingeführt. Wer dann in absehbarer Folge nicht die Evolution
leugnet, die aus gutem Grund zwei Geschlechter zum Fortbestand der
höherentwickelten Arten hat entstehen lassen, wer also nicht Jahrtausende der
menschlichen Erfahrung und Wissensbildung der neuen Lehre opfert, wird erst als
Reaktionär ins gesellschaftliche Abseits befördert und dann kriminalisiert
werden.
Diese neue Fortschrittlichkeit
ist kein bisschen fortschrittlicher als der übelste Kreationismus, sondern nur
eine andere Spielform derselben ideologischen Verirrung, eine, die die Realität
ausblendet, um besser eigene Neurosen befriedigen zu können. Wenn aber das
Irrationale sich trotz aller Offensichtlichkeit (und nicht nur hier) in solcher
Windeseile durchsetzt, welche Möglichkeiten des Widerstandes gibt es dann überhaupt
noch? Die alten Diktaturen konnte man mit Gewehren stürzen - die der modernen
Seelenfresser nicht. Hoffen wir wenigstens weiter auf die massenhafte Reaktion des
gesunden Menschenverstandes
in all seinen Spielformen, der die neue Diktatur der Hanswürste,
Hanswürstinnen sowie Hanswürst+56 einfach weglachen möge.
Herzlichen Dank für diese herrliche Posse!
AntwortenLöschenFacebook hat sich vermutlich schlicht im Datum vertan.
Für den 1. April wäre dieser Scherz genial gewesen, findet die
Hanswürstin-55 Annette S. aus K.
Ich bin in Melle mal im Rathaus gewesen und haben die Toilette gesucht. An einer Tür stand "BesucherInnentoilette". Ich habe das erst nicht verstanden. "Was haben die noch Außentoiletten?", habe ich gedacht.
AntwortenLöschenLeider produziert die Gender-Ideologie immer weniger scherzhafte Dinge:
AntwortenLöschenVom Europäischen Parlament angenommener LUNACEK- Bericht: Es sollen im Zusammenhang mit der „sexuellen Orientierung“ Maßnahmen zur „Einschränkung der Meinungsfreiheit“ ergriffen werden
Damit dürfte es künftig gefährlich sein z. B. auf die Probleme der Kinder bei gleichgeschlechtlicher Adoption hinzuweisen.
Denn im Gegensatz zu einem Kind in einer Vater-Mutter-Gruppierung, erleidet das in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung heranwachsende Kind eine gewisse Deprivationssituation, da ihm der enge Kontakt mit der Gegengeschlechtlichkeit verwehrt bleibt und somit eine Art Freiheitsentzug vorliegt.
Hirnphysiologische Gegebenheiten weisen auf die Bedeutung gegengeschlechtlicher Erziehung und damit auf die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit gegengeschlechtlicher Spiegelung für spätere Stressverarbeitung, Bindungsfähigkeit und emotionale Zwischenmenschlichkeit hin.
Eine wesentliche neurophysiologische Basis für dieses wichtige Verhalten stellen die so genannten Spiegelneuronen dar, welche zur Grundausstattung des Gehirns gehören. Sie geben bereits dem Säugling die Fähigkeit mit einem Gegenüber Spiegelungen vorzunehmen und entsprechen so dem emotionalen Grundbedürfnis des Neugeborenen. Man geht davon aus, dass diese Spiegelneurone zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr voll entwickelt sind. Dies ist nur dann der Fall, wenn die Fähigkeit zu spiegeln optimal und intensiv im familiären Bezugskreis (Mutter oder Vater) genutzt wird. Wie bei allen Nervenzellen im Entwicklungsstadium gegeben, gehen auch die Spiegelneuronen bei mangelnder Anregung zu Grunde ("Use it or lose it").
[siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014]
Ein ganz wichtiges Thema. Haben Sie/hast Du nicht Lust, dazu einen Gast-Post zu schreiben, also über die physiologischen und psychologischen Folgen des Genderismus? Gerne auch mit den angedeuteten EU-Regelungen/Bericht... Würde mich freuen. Kontakt: Konradkustos@gmx.de.
AntwortenLöschen