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| Quelle: jebac.wordpress.com |
Die Gruppen der
Fußball-Europameisterschaft wurden dann doch tatsächlich ausgelost, obwohl die
Sportart wieder einmal gegen alle Regeln des politisch korrekten Fair Play
verstoßen hat. Das meinten jedenfalls voller Zorn und Häme die üblichen
Sichaufreger von Politik und Medien (wo ist eigentlich noch der Unterschied?).
Verursacher war diesmal der 75-jährige offizielle Anführer der
Fußballgemeinschaft Sepp
Blatter, seines Zeichens Präsident des Weltverbandes FIFA, der
es wagte, einmal in seinem Leben die Wahrheit zu sagen. Was war sein
„Verbrechen“? Er hat bestätigt, dass es auf dem Fußballplatz häufig und
naturnotwendig zu Beleidigungen kommt. Was war sein Fehler? Er hat nicht
bedacht, dass manche Wahrheiten wahrer sind als andere.
„Während eines Spiels machst Du
vielleicht eine Geste in die Richtung von jemandem, oder sagst etwas zu
jemandem, der nicht genauso wie du aussieht - aber am Ende des Spiels ist es
vergessen." Es ging also um Rassismus auf dem
Fußballplatz, und da kann in der Gutmenschengesellschaft so ein Satz tödlich
sein. Nein, nein, es ging nicht um den fast an jedem Spieltag zu beobachtenden
Rassismus, bei dem aus meist migrationshintergründigen unterklassigen
Mannschaften heraus der Schiedsrichter oder die gegnerische Mannschaft bedroht
oder geschlagen wird. Nein, es geht um diesen besonderen Prominentenrassismus, wie
ihn in Deutschland schon 2006, rund 70 Jahre nach Jesse Owens und 30 Jahre nach
Roberto Blanco, ein gewisser Gerald Asamoah entdeckt hatte.
Asamoah ist inzwischen arbeitslos,
und das liegt nicht daran, dass er eine schwarze Hautfarbe hat. Der wohl rassismusunverdächtige
FC
St. Pauli hat sich im Frühjahr von ihm getrennt, weil die Mitspieler und
Mitarbeiter anstatt eines aus dem Fernsehen bekannten netten, lustigen
Spaßfußballers einen respektlosen Dauernörgler vorfanden. Viele Fußballfans
kannten ihn sowieso schon als einen Rammbock, der keinen Gegner schonte, für
sich selber aber gern weinerliche Sonderrechte einklagte und auf dem Platz
unfair schauspielerte, was das Zeug hielt.
Natürlich hat er es als Schwarzer
in einem Land der zumeist Weißen schwerer als viele andere, aber er wusste auch
immer medienwirksam und theatralisch aus jeder schwarzen Mücke einen weißen
Elefanten zu machen und damit seine Popularität zu steigern. Einmal zeigte er
so Betroffenheit, weil in Rostock die Zuschauer den in der Tat üblen Affenruf
machten. Ein Ruf, der früher in jedem Stadion bei jedem Farbigen ertönte, bis
solche in allen Mannschaften spielten und für die blöden Ultra-Fans damit das
Feindbild nicht mehr funktionierte. Doch nur Asamoah tat das medienöffentlich
so „unfassbar weh“, dass Rostock anschließend eine Platzsperre und 20.000 Euro
Strafe erhielt. Später hatte der Kicker den FC Carl Zeiss Jena auf dem Kieker,
und man kann sich nur fragen, warum er trotz dieser unfassbar schmerzhaften
Ost-Erfahrungen kürzlich ausgerechnet bei Dynamo
Dresden anheuern wollte.
Der direkte Zusammenhang zum
„Prominentenrassismus“ ergibt sich aber aus einem ganz normalen Streit unter
Fußballern, bei dem Asamoah hinterher behauptete, Dortmunds Torhüter Roman
Weidenfeller habe ihn „schwarzes Schwein“ genannt. Dem Kontrahenten brachte das
drei Spieltage Sperre und 10.000 Euro Strafe ein, obwohl dieser bis zuletzt die
Aussage bestritt und Asamoah keine Zeugen hatte.
Nach meiner Vorstellung ist in
diesem Fall die Beleidigung sowieso lediglich durch das Wort Schwein und nicht
dessen Farbe gegeben. Schwarz ist Asamoah nun mal von Natur aus, und das ist
auch gut so. Angeblich soll Weidenfeller übrigens in Wirklichkeit ein dem
Stabreim ebenfalls Genüge tuendes „schwules Schwein“ vorgebracht haben, was
dann im normalen Sprachgebrauch in der Tat eine doppelte Beleidigung gewesen,
aber nicht unter die strengen Rassistengesetze des Fußballs gefallen wäre.
Ebenso absurd, dass der wie auch immer Geschmähte im Anschluss eine
„Ich-schneide-Dir-die-Gurgel-durch-Geste“ machte. Ungestraft natürlich.
Blättern wir gedanklich zurück zum
Blatter-Sepp und danken dem Schicksal, dass der Mann Schweizer und nicht
Deutscher ist. Was hätte da wohl in den britischen Medien gestanden, die sich
aktuell besonders in der aktuellen Blatter-Schelte hervortun? Oder anders
gefragt: Wie hätten die diesmal die Begriffe „Blitzkrieg“ und „Deutsche Panzer“
in der Schlagzeile untergebracht? Ein misstrauischer Mensch könnte ohnehin
mutmaßen, es gehe eigentlich um eine Retourkutsche gegen einen Mann, der die Weltmeisterschaft
2018 an Russland statt an das Mutterland des Fußballs vergeben hat.
In der Tat, mit der Großspurigkeit
des Mächtigen, der er ist, haben Blatter und seine FIFA-Altherrenliga sich
schon häufig Feinde gemacht. Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe schwelen
unerledigt, besonders der Fall der Vergabe der WM 2022 an die Fußball-Weltmacht
Katar,
wo dann bei 50 Grad vor importiertem Publikum gespielt werden muss, lässt sich
mit fehlendem Verstand alleine kaum erklären. Es war dann weder geschickt noch
angemessen, gleich noch einen drauf zu setzen und an homosexuelle Fußballer zu
appellieren, in Katar doch bitte auf ihren dort illegalen Sex zu verzichten.
Auch für die Frauen hatte er ein Sprüchlein unter der Gürtellinie parat: Sie
mögen doch, so sinngemäß der Fußballphilosoph, früher mit dem Fußball anfangen,
damit sie rechtzeitig Kinder kriegen könnten.
All dieses bornierte und senile
Reden und Handeln, hat Blatter nicht wirklich geschadet, aber der Vorwurf, er
verharmlose den Rassismus im Fußball, hat gesessen. Rassismus, so es sich dabei
nicht eher um einen meistens damit gemeinten „Kulturismus“, also die Ablehnung
einer fremden Kultur handelt, ist natürlich überall und entschieden zu
verurteilen, doch gibt es eine Bewertungsbandbreite, die von Judenvernichtung
bis genau zu einem Wortwechsel auf dem Fußballplatz reicht.
Fußball gewinnt derzeit
psychologisch seine Popularität aus dem Umstand, dass es in einer genormten und
verlogenen Gesellschaft Freiheit und Authentizität verspricht. Das Runde muss
ins Eckige; objektiver kann eine Leistungsbewertung kaum sein. Und die
Popularität kommt aus dem Umstand, dass wir dort atavistische Verhaltensmuster
ausleben können, die in uns trotz aller zivilisatorischen Zwänge und Illusionen
weiter fest verankert sind. Wissenschaftler nennen das eine „Funktionale
Alternative“, mit der wir biologisch programmierten Bedürfnissen und
Fähigkeiten nachgehen können. Fußball ist Kampf, Konkurrenz, Wettkampf,
Schmerz, Erfüllung, Triumph, Kooperation und Feindschaft. Fußball ist auch
ästhetisch, und er ist als Funktionale Alternative nicht mehr oder weniger als
lebenswichtig. Er ist wirklicher als die schwindende Wirklichkeit um uns herum.
Wenn in der anderthalbstündigen
Extremsituation nicht geflucht und beleidigt würde, wäre etwas falsch; dann
hätte die Normierungsmaschine auch diesen noch verbliebenen Freiraum
plattgebügelt. Und es ist nunmal so, dass man bei Beleidigungen immer versucht,
die Achillesferse des Gegners zu erwischen, also ihm reale oder vermutete
Schwächen vorzuhalten und gesellschaftlich tabuisierte Eigenschaften
anzuhängen. Die Frage ist dabei nur, wie es weitergeht, wenn der Schlusspfiff
ertönt, wenn also die große Pause endet und wieder andere Normen und
Autoritäten als die des Schiedsrichters gelten. Spätestens dann nämlich muss
der Handschlag und das Vertragen kommen.
Leute, die nicht verstehen wollen
oder können, welche wichtige Funktion Sport und besonders Fußball in der postindustriellen
Gesellschaft hat, machen sich stattdessen ihren eigenen pseudointellektuellen
Sportersatz, indem sie Haupt- und Nebenseite solange vertauschen, bis sie sich
moralisch groß und rein über den gesunden Menschenverstand (mit all seinen
Fehlern) erheben können.
Sie verkürzen Zusammenhänge, nicht
nur im Fall der Political Correctness, weil nur so ihre ideologischen
Konstrukte scheinbar funktionieren. Sie versprechen Gerechtigkeit, aber sie
zerstören Freiheit, Selbstbestimmung und Kreativität. Und sie schaffen
Ungerechtigkeit, denn in dem goldenen Käfig, den sie aus der Realität
herausbiegen, werden aus weitgehend Integrierten plötzlich wieder Exoten, denen
Sonderrechte eingeräumt werden und deren in der Normalität erbrachte Leistungen
einen schalen Beigeschmack bekommen.
Nicht mehr und nicht weniger hat
Blatter intuitiv erkannt und gemeint. Als der Journalist ihn weiter in die Ecke
drängen wollte und quasi-polizeiliche Maßnahmen seitens der Verbände forderte,
antwortete er: "Natürlich muss eine Liga so etwas untersuchen und eine
Lösung finden. Und wie sähe die aus? Man würde die beiden Spieler
zusammenbringen und sagen: 'Gebt euch die Hände!'" Wenn er recht hat, hat
er recht.

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