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| Quelle: BerlinerKurier.de |
Seit 2008 steigen die Zahlen bei den Asylanträgen. Am Jahresende
werden allein im Jahr 2014 geschätzt insgesamt 200.000 Menschen auf der Flucht
und/oder auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in Deutschland Asyl
beantragt haben. Das sind fast 60% mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dazu
kommen 16.000 Folgeanträge von abgelehnten Asylbewerbern, auch hier sind es
doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Und dabei reden wir nur von den Asylanträgen,
denn hinzu kommt noch die Armutsmigration aus der ganzen Welt und besonders aus
EU-Ländern. Doch darüber wird an anderer Stelle zu reden sein.
In Berlin jedenfalls schloss die zuständige zentrale
Anlaufstelle für drei Tage, weil sie unter dem Ansturm zusammenbrach. Zwei
Turnhallen waren noch zweckentfremdet in Reserve, um zusätzliche Schlafplätze
zur Verfügung zu stellen. Vor der Tür des Landesamtes für Gesundheit und
Soziales wurden Zelte aufgebaut, in denen jeweils mehrere 100 wartende
Flüchtlinge betreut wurden. 40 Dolmetscher waren dort aktiv, für die Kinder gab
es Luftballons. Die Beschäftigten arbeiteten in zwei Schichten. In anderen
Städten, Zeiten und Bundesländern wird es nicht viel anders aussehen.
Die örtlichen Behörden scheinen willig, der Flut Herr zu
werden, doch die Flüchtlingszahlen steigen weitaus schneller als das BAMF (die
nennen sich wirklich so), also das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge,
prognostizieren kann. Bei den Asylbewerbern kommen die meisten aus dem
Bürgerkriegsland Syrien, an zweiter Stelle stehen Menschen aus dem doch
eigentlich kriegsfreien Serbien gefolgt von Eritrea, Mazedonien und Irak.
Allein aus Bosnien-Herzegowina kamen nur im August 756 Menschen.
Vor einer Woche winkte der Bundesrat die Entscheidung von Regierung und Bundestag durch, entsprechend der
Koalitionsvereinbarung und in Abstimmung mit den relevanten mitteleuropäischen
Ländern die drei Balkanstaaten Serbien, Bosnien-Herzegowina und
Mazedonien zur Liste der sicheren Länder hinzuzufügen. Die Grünen in Baden-Württemberg - und nur dort - hatten dafür ihr Veto gelockert. Mit dem Beschluss wird nun ein großer Teil der Asyl-Prüfungsverfahren
deutlich erleichtert. Auch Albanien und Montenegro sollen zeitnah folgen.
Für die grüne (das meint hier nur die Parteizugehörigkeit)
Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg aber, ihres Zeichens studierte
Islamwissenschaftlerin und Theologin, versetzt dieses Gesetz dem Asylrecht „den
finalen Todesstoß“. Nur ohne es, „bleibt das gesellschaftliche Klima gegenüber
AsylbewerberInnen positiv.“ Ob sie sich da mal nicht täuscht?
Doch Innenminister de Maizière gibt der Grünen in diesem
Punkt durchaus recht und sieht eine „große Aufnahmebereitschaft“ der
Gesellschaft für Flüchtlinge. Er geht sogar noch weiter, wenn er sagt: „Wir
sind stolz darauf, das Land in Europa zu sein, das die meisten Asylbewerber
aufnimmt“. Dabei weiß man nicht so recht, ob er mit dem „wir“ seine Partei CDU oder
die deutsche Bevölkerung meint - ein nicht ganz unerheblicher Unterschied.
Immerhin ergänzte er, dass eine verantwortungsvolle Asylpolitik darauf
ausgerichtet sein muss, die Aufnahmebereitschaft für die „wirklich
Schutzbedürftigen“ zu erhalten. Es gebe nämlich ein „wachsendes Unverständnis
für die Armutsmigration aus Westbalkan-Staaten“. Ein solcher Zusammenhang von
Akzeptanz, Sinnhaftigkeit und Quantität ist natürlich für manche schon zu
komplex.
Nicht ohne Hintergedanken ergänzt das Innenministerium die
Faktenlage mit dem Hinweis, dass es seit 2009/10 keine Visumspflicht für die
fünf Westbalkan-Staaten mehr gibt und Angehörige dieser Staaten ohne Visum in
die EU einreisen dürfen. Dadurch sei innerhalb von vier Jahren, also bis 2013,
die Zahl der Anträge von 1000 auf 32.000 gestiegen. Dabei handelt es sich
hauptsächlich um Roma, die sich auf dem Balkan ungerecht behandelt fühlten oder
ungerecht behandelt wurden oder dies auch nur behaupteten.
Von dort kommen jedenfalls 20% aller gestellten Asylanträge.
Für nicht politisch-korrekte Beobachter liegt der Verdacht nahe, dass dabei ein
großmaßstäblicher Missbrauch des Asylrechts stattfindet. Doch das ist
sicherlich alles eine Frage der Gewichtung, Auslegung und persönlichen
Positionierung.
Ohnehin wird durchschnittlich nur ein knappes Prozent der Asylanträge
vom Balkan anerkannt. Im Fall Syrien und der dort herrschenden realen Gewalt,
die man uns noch vor wenigen Monaten als Variante des arabischen Frühlings
verkaufen wollte, dürfte der Anteil der Anerkennungen drastisch höher liegen.
Und das ist auch gut so, denn für solche Fälle unverschuldeter Not wurde das
Asylrecht schließlich geschaffen. Nein, nicht ganz. Ursprünglich ging es um den
Schutz politisch Verfolgter, erst später wurden auf Erlass einer EU-„Qualifikationsrichtlinie“
auch Flüchtlinge darunter subsumiert (d.h. aus Kriegsgebieten nach dem Genfer
Abkommen, nicht jedoch aufgrund wirtschaftlicher Umstände).
Dies war sicherlich schon eine Verwässerung des
ursprünglichen Schutzgedankens der Verfassungsväter, doch scheint es durchaus
nachvollziehbar, im Rahmen einer weltweiten menschlichen Solidarität Kriegs-
und Bürgerkriegsopfern einen solchen Schutz zuzugestehen. Dies darf aber nicht
heißen, die daraus entstehenden Belastungen für Bevölkerung und Volkswirtschaft
zu ignorieren. Im Jahr 2013 beantragten in Italien 28.000 Menschen Asyl, in Großbritannien
30.000 und in Frankreich 66.000, in der Summe soviel wie in Deutschland
alleine. Für diese Unverhältnismäßigkeit gibt es bisher keinerlei
Ausgleichsmechanismen.
Die Liste der sicheren Länder könnte ein solcher Mechanismus
sein, doch bisher sind auf ihr neben den EU-Ländern lediglich Ghana und Senegal
verzeichnet. Strenggenommen könnte also die gesamte Dritte Welt, und nach
dramatischen weltpolitischen Umwälzungen auch beispielsweise Kanada oder die
Schweiz zum Flüchtlingsentsenderland werden. In Österreich ist sogar die USA
als ausdrücklich nicht sicher definiert, weil dort die Todesstrafe möglich ist.
Letzteres zeigt, dass Vernunft und Moral nicht immer synchron sind, denn was
hat die Todesstrafe für Verbrecher mit politischer Verfolgung oder
unverschuldeten Notlagen zu tun?
Das deutsche Asylrecht wird so zu einer selbstgestellten
Falle. Angenommen, es herrschte Krieg in zwei Dritteln der Welt, so müsste
Deutschland möglicherweise Milliarden Flüchtlinge aufnehmen. Auch wenn das wohl
nicht passieren wird – wo ist die Grenze? Wie viel Elendsimmigration kann ein
Land, kann eine Volkswirtschaft vertragen, ohne selber relevanten Schaden zu
nehmen? Wie weit reicht also die Verantwortung, anderen zu helfen?
Natürlich kann ein immer noch reiches Land wie Deutschland
die gegenwärtigen Flüchtlingsströme technisch und finanziell handhaben. Aber in
einer Weltgesellschaft des rasanten Wandels und des absehbaren Zusammenbruchs
wird das vielleicht bald nicht mehr so sein. Deshalb ist es wichtig, die Dinge
nicht länger nur von einem humanistischen Standpunkt aus zu betrachten, sondern
auch dem des Selbstschutzes von Staat und Nation. Rechtzeitig müssen als erster
Schritt Kriterien entwickelt werden, wie Armuts- und Unbillmigration von
politischer und lebensbedrohlicher Gefahr unterschieden und unterschiedlich
behandelt werden kann.
Beispielsweise müsste es bei einer signifikanten
Verschärfung der Situation möglich werden, Unberechtigte schon vor der Einreise
zurückzuweisen. Auch wird sich dann der Anspruch, jedem einzelnen gerecht zu
werden, nicht länger aufrechterhalten lassen: automatisierte Prozesse müssen
greifen, wohl wissend, damit individuelle Ungerechtigkeiten zu riskieren. In
jedem Fall müssen, und das auch schon jetzt, die Flüchtlingsaufnahmeländer
weltweit Quoten vereinbaren. Die überproportionale Belastung einzelner Länder
ist ungerecht und nicht hinnehmbar. In diesen Quoten müssten sogar Obergrenzen
definiert werden, bei denen die Aufnahmekapazität eines Landes objektiv
überschritten ist. Drastisch gesagt: Zuwächse in Millionen- oder Milliardenhöhe
durch neue Völkerwanderungen und durch den Missbrauch der Hilfsbereitschaft
müssen ausgeschlossen werden.
Und da sind wir schon wieder zurück bei den Berliner
Flüchtlingen, die den Einheimischen nicht nur auf der Nase, sondern
zwischenzeitlich auch in einer Schule
und auf dem Dach einer Pension herumtanzten. Die dem Bezirk dadurch entstandenen Kosten führten inzwischen zu einer Haushaltssperre und dadurch unter anderem zur Austrocknung zahlreicher Jugendprojekte. Zuletzt setzten die Flüchtlingsaktivisten auf die
moralische Anfälligkeit und Naivität von Kirchengemeinden und besetzten eine
wunderbare spätklassizistische Kirche
in Kreuzberg.
Obwohl sie sich zumindest in Berlin nachweislich illegal aufhalten und obwohl der Bezirk und letztlich auch der Senat ihnen an der Grenze zur Legalität immer wieder goldene Brücken gebaut hat, verweigerten sie sich, angetrieben durch selbsternannte „Unterstützer“, sowohl den demokratischen Spielregeln, den geltenden Gesetzen und den ungeschriebenen Regeln der Gastfreundschaft. Sie wollen ein anderes politisches System, sie wollen Gesetze, die die Menschen dieses Landes nicht beschlossen haben, und sie wollen persönliche Vorteile gegenüber anderen. Doch damit schaden sie vornehmlich den Menschen, die das Asylrecht dringend nötig haben. Schutz des Asylrechts bedeutet, an allen Fronten gegen den Missbrauch konsequent vorzugehen.
Obwohl sie sich zumindest in Berlin nachweislich illegal aufhalten und obwohl der Bezirk und letztlich auch der Senat ihnen an der Grenze zur Legalität immer wieder goldene Brücken gebaut hat, verweigerten sie sich, angetrieben durch selbsternannte „Unterstützer“, sowohl den demokratischen Spielregeln, den geltenden Gesetzen und den ungeschriebenen Regeln der Gastfreundschaft. Sie wollen ein anderes politisches System, sie wollen Gesetze, die die Menschen dieses Landes nicht beschlossen haben, und sie wollen persönliche Vorteile gegenüber anderen. Doch damit schaden sie vornehmlich den Menschen, die das Asylrecht dringend nötig haben. Schutz des Asylrechts bedeutet, an allen Fronten gegen den Missbrauch konsequent vorzugehen.

"goldene Brücken gebaut hat..."
AntwortenLöschenDie versprochene Berliner Brücke war, jeden Antrag einzeln zu prüfen.
Wurde preussisch korrekt erledigt, und alle Anträge mit identischem Wortlaut einzeln abgelehnt . . .
Liebe Bunte Bank, obwohl wir offensichtlich unterschiedlichen Denkschulen entstammen, sind Ihre Beiträge immer sachlich und informativ. Dafür wollt mich mich einfach mal bedanken. Beste Grüße KK
LöschenLieber Herr Kustos,
AntwortenLöschenwohl wahr – der Fall im Asylbewerberheim Burbach zeigt in der Tat, dass der Schutz des Asylrechts bedeutet, an allen Fronten gegen den Missbrauch konsequent vorzugehen.
Ich finde es erstaunlich, dass ein die Kybernetik vertretender Mensch wie Sie ganz offensichtlich glaubt, dass Deutschland ein geschlossenes System ist, das sich von den Bedingungen und Zuständen in der Welt und den daraus resultierenden rekursiven Prozessen abschotten kann.
Da menschliche Systeme – und dazu gehören Staaten natürlich auch – miteinander verflochten sind, sind die Zustände, wie wir sie heute haben, die Antwort auf menschliches Versagen auf vielen Ebenen.
Staaten und deren Unternehmen, die ökologische und gesellschaftliche/familiäre Systeme nicht nur in Afrika, Asien sowie in Süd- und Mittelamerika zerstört haben und weiterhin zerstören, dürfen sich nicht wundern, wenn sie mit den Konsequenzen konfrontiert werden. Das wirklich Ungerechte dabei ist, dass Weltunternehmen ungehindert und offensichtlich von den meisten Menschen unhinterfragt einfach weitermachen dürfen – und keine Konsequenzen tragen oder fürchten müssen.
Hier greift also das bekannte Prinzip des „Profite privatisieren (also nicht die Gemeinschaft teilhaben lassen) und Verluste vergesellschaften.“
Ich kann nicht nachvollziehen, wie Sie darauf kommen, dass die Flüchtlinge in Berlin ein anderes politisches System wollen und Gesetze, die die Menschen dieses Landes nicht beschlossen haben, und wie Sie darauf kommen, dass sie persönliche Vorteile gegenüber anderen (gegenüber wem?) wollen.
Mich würde interessieren, wie Sie das argumentieren.
Was Sie Hilfsbereitschaft nennen, nenne ich Verantwortung – sowohl für die Menschen aus Krisengebieten als auch dafür, Systeme zu begünstigen und zu unterstützen, die so ausgerichtet sind, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben können.
Oder meinen Sie, dass eine Großteil gern das in der Regel bisschen Hab und Gut zurücklässt, um in eine unbekannte Kultur zu gehen?
Die Flüchtlinge machen hier nicht Urlaub auf Kosten der SteuerzahlerInnen der BRD, sondern sie hoffen auf ein menschenwürdiges Leben.
Das, so finde ich, ist legitim.
Legitim finde ich andererseits auch die möglicherweise berechtigte Sorge vor immer mehr Kriminalität. Um die nicht weiter anwachsen zu lassen, plädiere ich für eine „provisorische Einbürgerung“ bzw. ein „provisorisches Bleiberecht“ auf zehn Jahre – Konstrukte, die in ein „ständiges Bleiberecht“ bzw. in die Zuerkennung der deutschen Staatsangehörigkeit umgewandelt werden können, wenn die betreffenden Personen sich während dieser Zeit keine Straftaten zuschulden kommen lassen und die deutsche Sprache annähernd perfekt sprechen.
Ich wünsche eine gute Woche und grüße herzlich aus dem 7gebirge
Annette S. aus K.
Liebe Annette, ich glaube keineswegs, dass Deutschland ein geschlossenes System ist und habe keine Ahnung, wie Sie darauf kommen. Ich weiß aber, dass es staatliche Steuerungsmittel gibt. Das hat man damals sehr schön gesehen, als Otto Schily der ersten Welle von Sozialunterwanderern einen Riegel vorschob. Inzwischen sind die Zeiten deutlich irrer geworden (z.B. EU-Freizügigkeit), aber dennoch gibt es Möglichkeiten, die Probleme zu mildern. Ich vermisse, dass Sie inhaltlich auf meine differenzierenden Vorschläge dazu eingehen.
AntwortenLöschenWenn Sie behaupten, dass Unterentwicklung durch Kolonialismus verursacht wird, verkehren Sie die Kausalitäten. Kolonialismus wäre ohne Unterentwicklung nicht möglich gewesen. Die unbestrittenen Verbrechen, die dabei begangen wurden und begangen werden, rechtfertigen unabhängig davon keineswegs im Umkehrschluss, ganz Deutschland in Flüchtlingsgeiselhaft zu nehmen.
Hinsichtlich der Flüchtlinge am Oranienplatz ff will ich nur auf die Berichterstattung von TAZ bis Boulevard verweisen, die treffend beschreiben, dass diese Personen politisch für ein anderes System als eine Demokratie eintreten. Wie kommen Sie darauf, ohne gegenlautende Informationen meine Aussage einfach in Frage zu stellen? Wer sich, wie hier geschehen, außerhalb des Asylverfahrens stellt, bemüht sich ja wohl offensichtlich um Vorteile gegenüber solchen, die dies nicht tun. Ich habe den Eindruck, dass hier Emotionalität Ihren kybernetischen (und auch den logischen) Blick trübt. Die konsequent zukunftsweisende Frage, ob Deutschland auch Hunderten von Millionen sich fruchtbar weiter fortpflanzenden Menschen (inklusive der dann gettoisierten einheimischen Deutschen) auf Dauer ein menschenwürdiges Leben bieten kann, umgehen Sie leider elegant.
Humanität ist eine Tochter der Rationalität, nur das Machbare ist human, alles andere fällt unter das G-Wort.
Beste Grüße aus dem herbstlichen Berlin,
Ihr KK
P.S.: Bei Zweifeln sollten Sie mal mit der Thomas-Gemeinde nach dreitägiger Besetzung reden - oder noch besser: bei der Renovierung der ganzen Kirche helfen....
Entschuldigung, es muss natürlich heißen:
Löschen"... in ihren Heimatländern ..."