Humanismus, das ist
ein Begriff, der hoch im Kurs steht, und dabei so belastbar ist wie eine Tüte Marshmallows.
Den Definitionsspielraum steckte schon Staatsicherheitsminister Erich Mielke,
als er formulierte: „Wir sind nicht davor gefeit, dass wir einmal einen Schuft
unter uns haben. Wenn ich das schon jetzt wüsste, würde er ab morgen nicht mehr
leben. Kurzer Prozess. Weil ich ein Humanist bin.“ Wir lernen, dass nicht immer
Humanist drin ist, wenn Humanist draufsteht.
Definieren wir also einmal für den Hausgebrauch Humanismus
als das Dogma, Humanität walten zu lassen. Aber egal wie: Humanismus, Humanität
und Menschenfreundlichkeit sind keine Selbstläufer zum Glück, sondern müssen
sich wie alles im Leben Fragen unterwerfen: Für wen und gegen wen gelten sie,
in wessen Interesse werden sie interpretiert, wer profitiert und wer bezahlt? Deutschland
steht gerade vor der Frage, wie man mit notleidenden Menschen umgeht, die ihr
Heil in der Migration in unser Land suchen. Die Herrschenden und ihr ideologisch
betäubtes Fußvolk glauben, mit dem Begriff Humanität jegliche Legitimation auf
ihrer Seite zu haben - doch dem ist nicht so.
Humanität unterstellt einen Konsens des richtigen
Verhaltens, den es nicht geben kann. Da sind schon einmal die klassischen
Fragen: Darf man einen Bombenattentäter töten, bevor er Andere tötet? Darf man
ein Flugzeug abschießen, das auf ein Atomkraftwerk gelenkt wird? Darf man einen
Hitler töten, und wenn ja, gilt das auch für seine Gefolgsleute bis hinunter zum
letzten Schreiberling? Wer entscheidet, was man darf und was nicht? Das eigene
Gewissen etwa? Doch anderer Leute Gewissen mag etwas gänzlich anderes aussagen.
Und wollen wir dem Gewissen des Eiferers oder des Geisteskranken
Handlungsvollmacht zubilligen?
Tatsächlich muss in jeder einzelnen Situation geprüft werden,
ob eine Hilfe möglich ist und was sie bewirkt - für den Hilfesuchenden ebenso
wie für den Helfenden. Es ist zu unterscheiden zwischen individueller und
kollektiver Hilfe, denn die individuelle Hilfe liegt im Aktionsbereich des Helfenden,
die kollektive aber nicht. Ebenso müssen Notfallhilfe und Notstandshilfe auseinandergehalten
werden, wobei Notstand hier zu verstehen ist als eine aus maroden Strukturen
entstandene dauerhafte Situation. Nicht jeder wird dem Berufsbettler ebenso
freigiebig helfen wollen wie einem akuten Unfallopfer.
Kommen wir noch einmal zu dem Beispiel mit dem
Terroristenflugzeug zurück. Die einen sehen die bedauernswerten Passagiere und
wollen augenschließend hoffen, es werde schon nichts passieren. Die anderen
belasten ihr Gewissen und handeln zum Schutz der Mehrheit. Ist da jener, der
zur Schadensabwehr tötet, inhumaner als der andere? Jede Handlung muss danach bewertet
werden, für wen oder wofür sie Vor- und Nachteile bringt. Im Idealfall deckt
sich eine solche Bewertung mit der humanistischen Einordnung, aber eben nur
dann.
Im schlechten Fall wird die Humanität mittels ihrer
zeitgenössischen Verklärung zum Möchtegern-Alleskleber für gesellschaftliche
Bruchstellen. Sie flickt, wo repariert, aber am besten neu gestaltet werden
müsste. In den USA gibt es große Hilfsbereitschaft und gewaltige Institutionen,
die sich der Humanität widmen. Der Staat sagt Danke und zieht sich aus seiner
sozialen Verantwortung zurück. Wobei hier nichts über die Kausalität dieses
Prozesses ausgesagt werden soll, die wahrscheinlich sogar eher umgekehrt
abläuft.
Falsches Mitleid führt dann dazu, und da streifen wir wieder
unser Kardinalthema der letzten Monate, das auf einer Fachtagung die
obligatorische Teilnahme am Sportunterricht für Migrantenmädchen als ‚institutioneller
Rassismus‘ bezeichnet werden kann. Dass aus Aufgeschlossenheit für andere
Kulturen Zwangsverschleierung, Kinderhandel und Genitalverstümmelung mit einem
Karneval der Kulturen weggefeiert werden sollen.
Es führt dazu, dass 33% der Deutschen der Meinung
sind, man müsste jeden Hilfesuchenden unabhängig von seiner Hilfsbedürftigkeit
in Deutschland aufnehmen. Es führt dazu, dass in Berlin auf unabsehbare Zeit
Studenten keinen Sport mehr machen können, weil ihre Hallen für Flüchtlinge
requiriert wurden. Es führt dazu, dass Schlepperbanden aus dem Elend und der
Entwurzelung von Hoffenden reichlich Profit schlagen können. U.s.w.
Konrad Kustos glaubt, dass es nottut, akut in Not Geratenen
nach besten Kräften zu helfen. Das bedeutet, es muss Kriterien geben, bei
welchem Level von Not und in welcher Notsituation geholfen wird, und es muss
sichergestellt sein, dass die Hilfeleistung nicht über die Kräfte des oder der
Helfenden geht. Und natürlich sollte geprüft werden, ob dem Hilfesuchenden
damit überhaupt unter dem Strich ein Gefallen getan wird.
Der Popanz „Humanismus“ verhindert eine solche Abwägung. Als
moralischer Knüppel erschlägt er jeden Versuch einer Feinabstimmung. Ein paar
der Kriterien, die sich aufdrängen, seien deshalb wenigstens hier genannt:
Integration ist ab einer bestimmten Zahl zu Integrierender nicht mehr möglich,
es bilden sich Parallelgesellschaften mit allen bekannten negativen Folgen für
alle Beteiligten. Das Zusammenleben von Kulturen führt automatisch zu
Spannungen, die mit wachsender Zahl und Größe der beteiligten Volksgruppen überproportional
zunehmen. Migranten bringen ihre Familie nach und erzeugen Nachwuchs, was bei
nicht ausreichender Versorgung mit Arbeitsplätzen das Sozialsystem massiv
belastet. Arbeitsplätze für nicht ausgebildete und sprachunkundige Einwanderer
sind weder beliebig vorhanden noch herstellbar. Das bestehende Rechtsgefüge im
Arbeitsleben (Betriebsräte, Tariflohn, Festbeschäftigung, Lohnfortzahlung), das
ohnehin unter Druck steht, wird weiter ausgehebelt.
Der traurige Witz ist, dass alle diese Probleme schon länger
virulent sind, während selbsternannte Humanisten der neuen Prägung darangehen, Deutschland
zum uneingeschränkten Einwandererland zu machen. Unermüdlich schaffen die
Institutionen das Klima und die Bedingungen, vielleicht ihre eigene Existenz,
mit Sicherheit aber die Lebensgrundlage der deutschstämmigen Bevölkerung inklusive
der bereits ansässigen Migranten, nachhaltig zu verschlechtern. Man könnte
sagen, sie sägen am Ast, auf dem sie sitzen, wenn sie nicht gleich den ganzen
Baum entwurzelten.
Zu diesem Baum gehören natürlich auch die Werte, Fähigkeiten
und Errungenschaften dieses Landes. Da fragt man sich schon, warum
beispielsweise die Kirchen an einer Ökumene mit einer atavistischen Religion
wie dem Islam arbeiten, anstatt ihre Überzeugungen zu verteidigen. Aber es ist
natürlich auch deren Crux, dass sie für Friedfertigkeit stehen wie ihr
Leitmotiv Jesus und deshalb die andere Wange hinhalten, wenn es ihnen an den
Kragen geht.
Dass dann am Ende hier auch für Migranten das Leben so
unerfreulich wird, wie es an den Orten schon ist, von denen sie kommen, ist das
traurige Fazit einer solchen maßstabslosen Humanität. Durch die ‚humanistisch’
verkürzte Situationsbehandlung wird das objektive Problem subjektiv
verkleinert, aber objektiv ausgeweitet.
Die Existenz dieser Probleme muss zum Teil leider auf den
Umstand zurückgeführt werden, dass viele Menschen zu solchen Differenzierungen
nicht fähig oder bereit sind, woran die weiter oben schon angesprochene
jahrhundertelange Einübung unserer Kultur in das Erdulden von Missständen mitverantwortlich
ist. Ebenso aber gibt es Profiteure, die dummerweise in den Machtpositionen
sitzen und das Gutmeinen der Menschen manipulieren und ausnutzen.
Nur mit diesem Instrumentalisieren der Humanität für
Propaganda und zur Durchsetzung von Gruppeninteressen gegen die Allgemeinheit lässt
sich erklären, dass für viele Humanisten die Humanität im Umgang mit
Andersdenkenden plötzlich nicht mehr gilt. Die Hasskampagne gegen Pegida und
alle anderen nicht migrationsfreundlichen ‚Untermenschen’, ist das Signal zu
zeigen, dass mit den neuen Humanisten nicht mehr zu spaßen ist. Durch den
aufgebauten Druck soll den Menschen das Differenzieren abgewöhnt werden, was im
Erfolgsfalle dazu führt, dass die unhumane Humanität einen epidemischen
Charakter bekommt.
Die neue, virtuelle Humanität schafft
zur Aufrechterhaltung ihrer weltanschaulichen Dominanz Dogmen und (zumindest
weltanschauliche) Unterdrückung Andersdenkender, also totalitäre Strukturen.
Selbst ein Machiavelli, einer der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit,
wird bei uns längst nicht mehr als Realist wahrgenommen, sondern als
gewissenloser Bösewicht. Man muss sich inzwischen sehr genau überlegen, wo,
wann und wie man sich äußert. Nur die Gedanken sind weiter frei – jedenfalls
solange sie nicht geäußert werden.

Werter Herr Kustos,
AntwortenLöscheninteressant, dass Sie den Humanismus – und damit natürlich wieder mal die undifferenzierten Gutmenschen – für die Missstände in diesem Land verantwortlich machen und sie mit der Zuschreibung eines epidemischen Charakters (einer Seuche?) gleichsetzen.
Bemerkenswerterweise nehmen Sie für sich das in Anspruch, was Sie den aus Ihrer Sicht inhumanen Gutmenschen im Hinblick auf die Pegida vorwerfen: Sie starten eine Hasskampagne und schmeißen dafür vorher schon verdrehte Tatsachen in einen Topf, rühren halbherzig um und spekulieren dann über eine Gesellschaft, die die Pegida in Misskredit bringt.
Aus meiner Sicht versuchen Sie hier mal wieder, den Gärtner zum Bock zu machen.
In der Tat muss man sich gut überlegen, welche Gedanken man äußert. Das ist aber keine neue Erscheinung, sondern eine sinnvolle Forderung.
Dieses Land hat glücklicherweise ein Grundgesetz, das übrigens auf humanistischen Werten aufbaut und erstmalig Rechte festschreibt, die im Dritten Reich mit Füßen getreten wurden.
Art. 5 besagt, dass jeder – und damit auch Sie – das Recht hat, seine Meinung zu äußern und zu verbreiten. Dieses Recht wird allerdings beschränkt durch die Vorschriften der allgemeinen Gesetze.
Das heißt also, dass man nur ungestraft äußern und handeln darf, was man will, solange festgeschriebene (Menschen-)Rechte eingehalten werden.
Interessant finde ich übrigens auch, dass ausgerechnet Sie sich berufen fühlen, darüber zu befinden und zu urteilen, was guter oder schlechter Humanismus ist. Und selbstverständlich verwahre ich mich gegen Ihre Äußerung, dass Humanismus ein Popanz ist.
Annette S. aus K.
Liebe Annette S., leider muss ich feststellen, dass Ihre Beiträge viel von ihrer früheren Brillanz verloren haben, um nicht zu sagen, dass diese immer trolliger werden. Ich möchte Sie entschieden bitten, wieder zur Auseinandersetzung mit den Texten zurückzukehren, und ich muss Sie ebenso entschieden auffordern, persönliche Angriffe ohne inhaltliche Substanz künftig zu unterlassen. Dieser Blog ist nicht Ihr persönliches Wutkissen, sondern dient der Suche nach Erkenntnis. Wenn Sie die (für sich) schon gefunden haben, ist meine Erkenntnis, dass dies hier nicht der richtige Ort für Sie ist. Ich bedauere das ausdrücklich für diesen Blog, aber besonders für Sie persönlich.
AntwortenLöschenDennoch oder gerade deshalb beste Grüße, Ihr KK
Lieber Herr Kustos,
AntwortenLöschenvielen Dank für die eindringliche Philippika, auch ich wate schon seit Jahren darauf, das "unsere" Regierung sich mit scharfen Wirtschaftssanktionen gegen die inhumane Todesstrafe und der menschenrechtswidrigen globalen Liquidationspolitik der USA wendet.
Frau S. ich wünsche Ihnen und uns, daß wir niemals wieder realen Haß erfahren müssen - denn was Sie hier so leichthin als "Haßkampagne" diffamieren ist eine noch viel zu zurückhaltend geäußerte Meinung zu einer globalen Katastrophe die in ihren Auswirkungen noch zu Abermillionen Toten führen wird, von Menschen Ihrer Güte allerdings unter dem Mäntelchen des tolerare (ertragen) gedeckelt wird, bis es denn dann wie üblich bei Massenmorden zu spät sein wird...