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| Alles Bio… Quelle: wiedenroth.wordpress.com |
Beispielsweise hatte das ozeanographische Forschungsinstitut
Bedford herausgefunden und gegen den Strom veröffentlicht, dass die
Reaktorkatastrophe von Fukushima die Strahlung im Nordpazifik nur geringfügig beeinflusst.
Ausdrücklich erklären sie, dass diese Strahlung keinerlei Gefahr für Mensch und
Umwelt mit sich bringt. Aber sie konnten nichts dagegen tun, dass die Zeitung
daraus in der Überschrift machte: „Radioaktivität: Fukushima-Katastrophe
steigert Strahlung im Pazifik“. Der Journalismus wird in der öffentlichen
Wahrnehmung also zu einer zusätzlichen ideologischen Reuse, die nur das an
Bedeutung durchlässt, was beim Verbraucher ankommen soll und was inzwischen
viele wohl auch nur noch so hören wollen.
Ein besonders schönes Beispiel für ideologische
Metamorphosen von Erkenntnissen oder Nichterkenntnissen hat der famose Blog
ScienceFiles aufgedeckt. Kurz vor Weihnachten hatte sich nämlich
im „British Medical Journal“ ein zweiseitiger Beitrag gefunden, in dem eine
Wissenschaftlergruppe behauptete, mithilfe von Daten aus dem Darwin-Award nachweisen
zu können, dass Männer naturgesetzlich Idioten seien. Sie bezogen sich dabei
ausdrücklich auf die „Male Idiot Theory“ eines gewissen John McPherson. Übersetzt
und verkürzt fand sich daraufhin diese Untersuchung in praktisch sämtlichen
Tageszeitungen und Illustrierten - mit, wie man sich vorstellen kann, den entsprechenden
Konnotationen. Das Problem war nur: Der Beitrag war durch und durch als
vorweihnachtlicher Aprilscherz gedacht und als solcher auch leicht zu erkennen.
So ist schon der Darwin-Award unzweifelhaft selbst bei nur
kurzem Anwählen der Homepage als sarkastische Institution zu erkennen. Dort
macht man sich seit langem über vollkommen willkürlich ausgewählte Leute
lustig, die auf besonders dämliche Art zu Tode gekommen sind. Von hier stammt
also das „Datenmaterial“ für die Studie, und tatsächlich sind von den
aufgelisteten 318 Preisträgern 88,7% männlich. In ihrem Duktus bleibend beschrieben
die Autoren dieses Ergebnis als „verwirrend“, weshalb man „auf der nächsten
Party (mit oder ohne Alkohol)“ die Thesen weiter untersuchen wolle.
Die Journalisten, die uns die knallige, genderkonforme These als wissenschaftliche Wahrheit
unterjubeln wollten, hätten natürlich auch stutzen können, weil das British
Medical Journal dafür bekannt ist, zu jedem Jahresausklang in der ganzen
Ausgabe mit britischen Nonsenshumor selbstironische Akzente zu setzen. Oder es
wäre ihnen aufgefallen, dass der als Schöpfer der Male Idiot Theory genannte McPherson
kein Wissenschaftler, sondern Karikaturist und Buchautor („Frauen sind von der
Venus….“) ist. Die ScienceFiles
fügen entlarvend und wissenschaftlich präzise hinzu, es sei eigentlich offensichtlich
und entlarvend genug, dass die bewusste „Ableitung der Theorie eine Tautologie
und die Theorie selbst eine Übergeneralisierung“ und damit offensichtlich
komplett unwissenschaftlich ist.
Eine Spur von Ironie scheint die dpa-Journalistin Anja Garms,
die den ganzen Unsinn in die (Medien-)Welt gesetzt hat, immerhin noch ausgemacht
zu haben, denn sie verweist auf den Hinweis der Herausgeber des britischen
Journals, dass die Beiträge absichtlich skurril und witzig seien, aber, da
durch einen Peer-Review-Prozess gegangen, mithin echte wissenschaftliche
Arbeiten sind. Nur schade, dass ihr entgangen ist, dass auch diese Aussage
Bestandteil der Satire war, und echte Wissenschaft niemals so plakativ und
beliebig sein kann.
Dass dpa einen solchen Blödsinn veröffentlicht, ist eine
Sache, aber dass die komplette Medienlandschaft dies übernahm, ist eine Katastrophe.
Die Welt, das Handelsblatt, der Tagespiegel und die Berliner Zeitung, der
Deutschlandfunk (er spricht sogar von „Neurowissenschaft“) und das ORF,
selbstverständlich auch Stern, Focus und Spiegel (die Liste bleibt hier
unvollständig) sind über das Stöckchen gesprungen. Die dpa, als problematisches
Hauptsprachrohr von Parteien und Regierung bekannt, erweist sich auch hier, wo
eine politische Parteinahme gar nicht erwartet wird, durch Themenauswahl und
-präsentation als treuer Überträger systemkonformen „Wissens“. Und die von ihr
bedienten Medien erweisen sich als verstandbefreites Medium der grassierenden
ideologisch motivierten Volksverwirrung.
Geistreich bleiben da nur die Kommentare auf ScienceFiles. Etwa:
„Wenn man das ernst nimmt, müsste man gleichzeitig aus der höheren
Professorenanzahl schließen, dass Männer intelligenter sind als Frauen.“ Ein
anderer hat für Frau Garms vorformuliert: „Wissenschaftler, die die bisher
verliehenen Nobelpreise ausgewertet haben, brachten Erstaunliches zu Tage. Von
den 802 Preisträgern waren 739 männlichen und nur 40 weiblichen Geschlechts.
Dieser signifikante Unterschied belegt eindeutig, was viele Männer geahnt
haben: Männer sind toll, warum auch immer.“
Weniger entspannt, aber noch sarkastisch lächelnd, heißt es
anderswo: „Ich denke, da wären gut EU-Fördergelder abzugreifen. ‚Systematische
Diskriminierung cis-femininer Idiot-Xn bei der Verleihung des Darwin-Awards –
Ursache, Folgen, Lösungen’. Damit sollte sich so ein Gender-Lehrstuhl doch
wieder 18 Monate über Wasser halten können.“ Völlig unkomisch ist dann aber
diese Erfahrung. „Ich habe mich in letzter Zeit recht intensiv mit Feminismus
beschäftigt und auch angefangen, Kommentare in online-Zeitungen zu schreiben,
kritisch natürlich. Sobald in einem Kommentar das Wort Feminismus auftaucht,
wird der Kommentar praktisch immer gelöscht.“
Das ist der Januskopf des modernen Journalismus: Dumme
Beiträge machen Karriere, wenn sie ins politisch korrekte Konzept passen, und
kluge Beiträge, wenn sie systemkritischen Inhalts sind, werden wegzensiert. Und
selbst wenn es einmal nicht um den Transport von Ideologie, also von
Herrschaftswissen, geht, scheitert die Substanz des Berichts oft an fehlender ethischer
und fachlicher Kompetenz. Schließlich will man ja eine knackige Schlagzeile
nicht ‚kaputt recherchieren’.
Es sollte nun aber nicht der Eindruck entstehen, dass allein
die Medien die Wirklichkeit politisch-korrekt verfälschen. Das schafft die
Wissenschaft auch ohne Hilfe. Und manchmal versteckt sich die herrschende
Ideologie auch hinter der Maske der Wissenschaftlichkeit. Zornig kritisierte beispielsweise
die aufgrund ihrer offenen Struktur immer wieder ideologiegefährdete Wikipedia den
Volksmund, der fatalerweise bisweilen immer noch den Begriff vom Hottentottenhintern benutze. Wikipedia schlägt vor, doch einen dicken
Arsch ein „prominentes Gesäß“ zu nennen oder besser gleich (und
unglaublich wissenschaftlich seriös) „Steatopygie“. Man stelle sich vor, zwei
Personen wollten über eine dritte lästern und sagten ‚Mein Gott, hat der/die aber
eine Steatopygie’…
Fragen, die sich der Wikipedia-Autor natürlich nicht stellt,
denn hier wären ja sogar schon zwei unglaubliche und untolerierbare Diskriminierungen
(für Rassismus und gegen Adipositas
enthalten. Deshalb belehrt er uns hinsichtlich unseres
‚Unsprechs’ auch dahingehend, dass die seiner Meinung nach wohl falsche „Zuordnung
solcher körperlichen Merkmale zu einem afrikanischen Volk“ nur bei „damaligen europäischen Zeitgenossen“ vorgekommen seien. Schließlich
sei heute allgemein anerkannt, „dass die genannten anatomischen Phänomene auch bei anderen genetisch ähnlichen Phänotypen vorkommen“. Aha! Damit hat er nun scheinbar
wissenschaftlich korrekt bewiesen, dass rote Äpfel nicht mehr rote Äpfel
genannt werden dürfen, weil es auch rote Tomaten gibt. Fazit: Dieser Autor ist
vielleicht kein dicker, aber sehr wohl ein großer Arsch. Wie mag wohl nur der
wissenschaftliche Begriff dafür heißen?

Gut, dass die Wissenschaft über so abstruse Sachen wie den Urknall oder den Klimawandel nachdenkt - ansonsten hätten die mit gesundem Menschenverstand ausgestatteten Denker gar nichts zu spotten. Und wir sind letzteren auch sehr dankbar, dass sie die Wissenschaft vor "politisch korrekten" Denkverboten retten wollen.
AntwortenLöschenEs ist nur ein wenig unfair, ausgerechnet diesen Wissenschaftlern vorzuwerfen, sie stünden "auf der Lohnliste der globalen Ausbeutung" oder seien gleich Teil des "Niedergangs". Denn ersteres gilt leider für praktisch jeden in unseren westlichen Industriegesellschaften, es sei denn, er wohnt in einer Waldlichtung und ernährt sich nur von seiner Hände Arbeit. Auch die Teilhabe der Wissenschaftler am Niedergang möchte ich nicht abstreiten, das gilt aber noch viel intensiver für die Medien- und Unterhaltungsbranche.
Und was mir bislang auch noch nicht klar geworden ist - inwiefern trägt der "Anti-Politisch-Korrekt"ismus zum Kampf gegen die Ausbeutung und den Niedergang bei? Gibt es konkrete Beispiele, wo z.B. der Kampf gegen nichsexistische Sprach- und Denkweisen ausgebeuteten Arbeitern geholfen hätte oder die kulturelle Entwicklung eines Volkes wieder angeschoben hätte?
Nicht dass ich hier eine Antwort erwarten würde.
Das ist schon richtig, dass alle vom Niedergang betroffen sind, aber heißt das, jetzt solche Prozesse nicht mehr kritisieren zu dürfen ("unfair")? Nicht dass ich hier eine Antwort erwarten würde.
AntwortenLöschen;-)
Oh doch, ich antworte... natürlich darf man solche Prozesse kritisieren. Ich darf auch meinen Nachbarn kritisieren, weil er dauernd Brotkrumen aus dem Fenster wirft und damit die Vögel verfettet. "But does it matter? And if it matters, does it matter that it matters?" - oder anders formuliert, hätte ein "Science Blog" nicht sinnvolleres zu tun, als wie im Kindergarten auf Weichwissenschaften wie Soziologie oder Gender Studies herumzuhacken?
LöschenHallo, vielen Dank an Ihren Freigeist Herr Kustos.
AntwortenLöschenVon mir ein Link ueber 10 Dogmen der Wissenschaft von Ruper Sheldrake.
Viele Gruesse:-) Pschemek
https://www.youtube.com/watch?v=JKHUaNAxsTg