Ob Frei.Wild nun rechts oder gar
„Rechtslastig“ (Berliner Morgenpost in der Überschrift, inklusive großgeschriebenem Adjektiv) orientiert sind und das gut verbergen, oder ob man ihnen
einfach ihre zur Schau getragene Liebe zur Heimat übelnimmt - eine sachliche
Analyse stand weder vor einem Jahr noch
jetzt zur Debatte. Es ging um die Zurschaustellung rechter, also linker,
Gesinnung.
Auf meinem Blog gab es nie mehr Kommentare als zu diesem Thema. Das allein wäre natürlich ein
Grund zum Nachhaken, doch viel mehr geht es um die Freiheit der Meinung und um die
Freiheit der Kunst. Definitiv ist Frei.Wild nämlich keine verbotene Vereinigung
und hat deshalb auch das Recht, an den gesellschaftlichen Prozessen in diesem
Land teilzuhaben (zwei Freiwilderer haben die deutsche Staatsbürgerschaft und
damit wird eine Nominierungsvoraussetzung erfüllt). Umgekehrt kann man sie
kritisieren, so viel man will.
Die Band verkauft aber auch ihre
CDs wie geschnitten Brot, und das ist nicht nur die entscheidende
Nominierungsvoraussetzung für den Echo, sondern ein Zeichen, dass viele
Menschen die politisch-korrekte Tabuisierung von Ursprünglichkeit und
Heimatliebe in Deutschland nicht hinnehmen wollen. Zur Fußballweltmeisterschaft
können zwar ruhig Millionen Eventfans „Deutschland“ grölen, doch das explizite
Bekenntnis zur Heimat ist in diesem Land, und nur hier, weiter ein „Geht gar nicht“.
Den Echo-Verantwortlichen sind solche
Details sowieso völlig egal, müssen es auch sein, denn hier geht es per
Definition um die objektive Anzahl verkaufter Scheiben. Insofern war es vor
einem Jahr ein Rechtsbruch und ist die diesjährige Nominierung ein deutliches
Zeichen für eine sachlich-ökonomische und gegen eine ideologische Orientierung.
Auffällig war übrigens auch, dass
die Musikszene, die sich vor einem Jahr noch so aufgeregt gab, diesmal weitgehend
ruhig blieb. Im Vorfeld der Nominierung hatte nur die Band Jennifer Rostock zum
freiwildigen Echo-Boykott aufgerufen. Im Vorjahr war die Front der potentiellen
Boykotteure mit Die Ärzte, MIA und Kraftklub zahlreicher und prominenter
besetzt. Hat ein Jahr des Aufregens gereicht oder hat sich die Stimmung
gedreht? Vielleicht hat sich auch nur gezeigt, dass die künstliche
Aufgeregtheit nicht zu dem erhofften Mehrverkauf eigener Scheiben geführt hat?
Für die Tiroler waren die Vorgänge
jedenfalls jenseits all solcher Motivationen damals und heute sicher sowohl
verkaufs- als auch imagefördernd. Nur konsequent, dass sie das Echoecho nutzen
und nun mit ihrem eigenen Boykott zusätzliche Aufmerksamkeit suchen. Dass bei
denen nicht alles ganz richtig in der Birne ist, zeigen sie zumindest mit ihrer
Absageformulierung: Es gehe der Band „um
die Verletzung auf der emotionalen und seelischen Ebene, die der gesamten
Frei.Wild-Familie zugefügt wurde". Schluchz.
Von den Echo-Granden forderte man eine offizielle Entschuldigung, die diese
mit ebenso absurder Logik ablehnten: „Jetzt eine Entschuldigung mit
Blick auf die hitzige Debatte des Vorjahres zu fordern, die maßgeblich über die
Öffentlichkeit ausgetragen wurde, hieße, an dem damaligen Diskussionsstand
wieder anknüpfen zu wollen. Das entspräche weder der Komplexität des Themas,
noch einer nach vorne gerichteten Auseinandersetzung“, sagte Dieter Gorny, der
Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie.
Doch entweder gibt es etwas zu
entschuldigen oder nicht! Da hilft auch kein verquastes Herumeiern. Erst recht
nicht, wenn der damalige Fehltritt heute damit verteidigt wird, dass „die
Dynamik der Auseinandersetzung“ dies erfordert hätte. Dem Mob nachzugeben, weil
er ein Mob ist, soll als Argument durchgehen?
Dabei hatte die Aussage Gornys an sich schon entschuldigende Substanz: Es
gebe also einen neuen „Diskussionsstand“ und „eine nach vorne gerichtete
Auseinandersetzung“. Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass man sich
vom damaligen Zurückweichen vor der „hitzigen Debatte“ irgendwie doch distanziert.
Ob da ein eigens eingerichteter siebenköpfiger Ethik-Beirat zusammengesetzt aus Vertretern
des öffentlichen Lebens (?), der Kirche, des Deutschen Kultur- sowie Musikrates
sowie der Lehrerschaft nicht eher eine Verschlimmerung ist? Die Freiheit von
Kunst und Meinung soll also nun von einem willkürlich zusammengetrommelten
Expertengremium beschnitten werden? Ein Schiedsgericht, das wahrscheinlich auch
noch so kompetent in seiner Sache ist, wie Architekten in den Jurys von
Architekturwettbewerben?
Immerhin urteilte der Rat über Frei.Wild, „dass hier
insgesamt die Grenze vom künstlerisch Vertretbaren zum gesellschaftlich völlig
Unvertretbaren nicht überschritten sei". Alles wieder in Ordnung also im
Establishment. Doch auch wenn die
ökonomischen Gesichtspunkte im Vordergrund stehen mögen, ist die
Wiedernominierung eine öffentliche Absage an die proto-totalitäre Aufgeregtheit
der selbsternannten Gutmenschen. Ein Echo als Lichtblick sozusagen.
Lieber Herr Kustos,
AntwortenLöschenvielen Dank für diesen teils sehr erhellenden Beitrag, den ich an manchen Stellen allerdings mit Kopfschütteln las:
Aus meiner Sicht ist es nicht zulässig, die linke Gesinnung in diesem Zusammenhang aus der rechten schlusszufolgern. Warum diese Polarisierung?
Ich widerspreche zudem Ihrer Auffassung, dass die Wiedernominierung eine öffentliche Absage an die proto-totalitäre Aufgeregtheit der selbsternannten Gutmenschen ist. Den Begriff „Gutmensch“ verstehe ich nach wie vor anders als Sie, aber das habe ich in früheren Postings schon dezidiert angeführt, wenn ich mich recht entsinne.
Den Begriff proto-totalitär würde ich ganz sicher noch viel sensibler einsortieren als den Begriff „Gutmensch“ – die Verwendung in diesem Zusammenhang ist meiner Ansicht nach keineswegs dazu angetan, eine vernünftige Auseinandersetzung zu führen.
Ich glaube im Gegensatz zu Ihnen, dass die diesjährige Nominierung dieser Truppe der Vernunft geschuldet ist. Aus meiner Sicht ist diese Entscheidung vermutlich der einzige Weg, um aus ideologischen Sackgassen zu kommen.
Viele Grüße für heute
Annette S. aus K.
Freiwild hat vollkommen Recht, wenn sie die Veranstaltung dieser selbst hassenden Meinungsfaschisten ablehnen. Der Plattenverkauf spiegelt die wirkliche Meinung des Volkes und nicht die medial auferlegte Political Correctness
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