![]() |
| Foto: Konrad Kustos |
Die Geschehnisse der letzten für viele andere Fehlentwicklungen symptomatischen anderthalb Jahre, Hintergründe, Fakten und einige kybernetische Einordnungsversuche finden sich hier, hier und hier. Nun, wo sich möglicherweise das unredliche Ende unredlicher Vorgänge abzeichnet, lohnt es sich, die Vorgänge des letzten halben Jahres noch einmal als Szenario falsch verstandener Humanität und eines zwangsläufigen Manövrierens in die Sackgasse Revue passieren zu lassen. Dabei offenbart selbst der Lösungsvorschlag des Senats so viel Pfusch und Unredlichkeit, dass er unabhängig vom Ausgang des Dramas einen Höhepunkt der Inkompetenz staatlichen Agierens setzt.
Am Anfang stand schon eine „Lösung“.
Die erste Generation der Platzbesetzer, großteils relativ unpolitische
Lampedusa-Flüchtlinge, konnten überredet werden, vor Einbruch des Winters in
ein Heim zu ziehen. Die Kosten trägt bis heute die Kältehilfe, sie werden also
aus öffentlichen Mitteln finanziert. Daraufhin trommelten in einer
beeindruckenden Nacht-und-Nebel-Aktion die revolutionären Unterstützer
politische Aktivisten aus der ganzen Republik zusammen, wie man hört, sind das größtenteils
gar keine Asylbewerber, sondern schlicht illegale Ausländer, und das Problem
hatte sich nicht gelöst, sondern verdoppelt.
Berlins CDU-Innensenator Henkel
drohte nun angesichts der zaudernden grünen Bezirksverwaltung unter der
nunmehrigen Führung von Monika Herrmann die polizeiliche Zwangsräumung an. Dann
passierte wieder lange nichts bis Henkel vom Regierenden Bürgermeister Wowereit
(SPD) und damit vom Koalitionspartner zurückgepfiffen wurde. Nun sollte
Integrationssenatorin Dilek Kolat für die Umwandlung der Krise in
Kolat-eralschäden sorgen,
ausgerechnet Kolat, die in ihrer kurzen Amtszeit noch kein Fettnäpfchen
ausgelassen hat. Dann tat sich an der Verhandlungsfront sieben Wochen erstmal nichts.
Vor Ort allerdings tat sich viel.
Nicht nur, dass provokativ die Hütten errichtet wurden, Versammlungen der
Bezirksverordneten gestürmt wurden und Toilettenwagen brannten, auch in der
benachbarten, zum Besetzungsterritorium zählenden und ebenfalls besetzten
Schule geschahen Dinge, wie sie in rechtsfreien Räumen eben geschehen. Zu
Messerstechereien, katastrophalen hygienischen Zuständen und der Notwendigkeit
eines privaten Sicherheitsdienstes für monatlich 30.000 Euro kamen zwei
„Schutztunnel“ hinzu, die der Verein, der als einziger noch in der Schule, die
eigentlich ein Sozialzentrum werden sollte, noch aktiv war, errichten ließ.
Damit versucht der „Fixpunkt“ seine rund 20 Mitarbeiter in das Gebäude zu
schleusen, ohne dass sie von aus den Fenstern geworfenem Müll und anderen
Gegenstände getroffen werden. Berichtet wird von fliegenden Matratzen,
Holzlatten, Stereoanlagen, Feuerlöschern und Sofas.
Wie rechtsfrei der Raum ist, zeigt
die Tatsache, dass von den 30 Personen, die hausintern die Sicherheit
übernehmen wollten, der Polizei lediglich die Handynummer und der Vorname
bekannt war. Die Kosten für die Tunnel übernimmt das Bezirksamt, das allein für
die Schule Kosten von bisher 116.000 Euro berechnet hat, wobei der
Einnahmeverlust für die Vermietung in Höhe von 14.000 Euro im Monat noch nicht
eingerechnet ist. All das zahlt der Steuerzahler für Personen, darunter rund 50
Roma, deren Asylbewerberstatus zweifelhaft und deren Verhalten ungesetzlich
ist.
Wie es im Leben so ist, gerieten
schließlich im Februar auch noch die Unterstützergruppen in Streit, und warfen
sich gegenseitig vor, Spendengelder nicht korrekt verwendet zu haben. Nachdem
die Hütten errichtet waren, drohte schließlich sogar Monika Herrmann mit dem grünen
Finger und forderte den Senat zu mehr Eile und Stringenz auf. Im normalen Leben
nennt man das Haltet-den-Dieb-Rufen, aber was ist am Oranienplatz schon noch
normal.
Dazu passt, dass sich die
Senatsverwaltung für Gesundheit ausdrücklich geweigert hat, die Besetzer in
Flüchtlingsheimen unterzubringen, und zwar eben genau mit der Begründung, dass diese
gar kein rechtmäßiges Asylverfahren durchlaufen. Weil zur Illegalität auch die
Anonymität hinzukommt, ist es für Kolat schwierig, mit der eigentlich
zuständigen Bundesbehörde für Migration und Flüchtlinge über Kontingente und
Kostenübernahmen zu verhandeln. Sie kann dort nicht nur keine Namen nennen,
sondern nicht einmal verlässliche Zahlen.
Inzwischen ist jedenfalls von
insgesamt 600 Betroffenen die Rede. Viele davon könnten auch nach Einschätzung
selbst von SPD-Politikern sofort ausgewiesen werden, bei anderen sei das „nicht
möglich, weil ihre Herkunft unbekannt ist oder sie aus einem Bürgerkriegsland kämen.
Moment mal, heißt das, es kann nur jemand abgeschoben werden, von dem der Name
bekannt ist? Dann kann also umgekehrt jeder illegal hierbleiben, der schnell
mal seine Papiere verbrennt…
Nun stellt sich also nicht nur die
Frage, ob die Besetzer überhaupt jemals weichen werden, und ob das dann auch
bedeutet, dass die Besetzung endet. Kolat soll jedenfalls schon zugesagt haben den
Oranienplatz als dauerhafte Plattform für den Protest von Flüchtlingen gegen
die Residenzpflicht, Arbeitsverbot und die europäische Asylpolitik zu sichern.
Wir haben richtig Angst, was das für den schönen Platz im Herzen Kreuzbergs
bedeuten mag.
Dieser Platz wird künftig auch ohne
Zeltdenkmäler darauf verweisen, dass diejenigen der in Not Geratenen oder aus der
Not Kommenden, die sich schweren Herzens und oft wohl auch voller Unverständnis
an die in der Tat nicht immer fairen Regeln halten, erheblichen Restriktionen
unterliegen, während die, die das nicht tun und teilweise auch überhaupt keine
Berechtigung für einen Asylstatus besitzen, dadurch dass sie die Regeln ihres
Ziellandes brechen, bevorzugt behandelt werden. Und das alles im Namen des
Mitleids, der Gerechtigkeit und der Humanität.

"Und das alles im Namen des Mitleids, der Gerechtigkeit und der Humanität."
AntwortenLöschenDiejenigen, die das so wie gehabt handhaben besitzen weder Mitleid, einen Gerechtigkeitssinn oder denken human. Der besetzte Platz ist doch nur Mittel zum Zweck. Devide and Conquer.
Der Platz war noch nie schön und wurde überhaupt nicht "genutzt" - gut, wenn er jetzt einen sinnvollen Zweck bekommen hat und diesen auch auf Dauer ausübt.
AntwortenLöschenWer erstattet Anzeige gegen die Verantwortlichen Politiker, wegen Rechtsbruch des Asylgesetzes!!!!???
AntwortenLöschenSpießer!
AntwortenLöschen