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| Quelle: howstuffworks.com |
Für 3-7000 Euro kann man sich den Penis um 1-3 Zentimeter
verlängern lassen, ganz nach dem umgekehrt proportionalen Verhältnis von
Brieftasche und Arztvertrauen. Mittlerweile liegen Penisvergrößerungen schon auf
dem siebten Platz der schönheitschirurgischen Eingriffe bei Männern. Bei Frauen
liegt, wie sollte es anders sein, die Brustvergrößerung auf Platz 1, doch das
gilt nicht als Intimoperation, ist hier also zu vernachlässigen.
Wer seinen Penis also um die
stolzen zwei Zentimeter verlängern will, lässt sich - soviel nachdenken über
den Schnitt im Schritt muss sein - zuerst von einem Psychologen ein Alibi-Okay
gegeben. Dann wird ein etwa fünf Zentimeter langer Schnitt an der oberen Wurzel
des Penis gemacht. Die Sehne, die Penis und Beckenknochen verbindet, wird
gelöst und der Penis leicht herausgezogen. Dabei kann es zwar zu Thrombosen,
Embolien, Blutergüssen und Narben kommen, aber danach kann der Kandidat
immerhin beim nächsten Schwanzvergleich um zwei Positionen aufrücken. Nicht
billiger ist eine Penisverdickung, bei der Eigenfett aus dem Bauch eingespritzt
wird, eine Prozedur, die aber nach einiger Zeit wiederholt werden muss. Was tut
man nicht alles für die intime Schönheit?
Frauen riskieren dagegen gerne mal
eine dicke Lippe, weil sie sich schon für läppische 3000 Euro die Schamlippen
stutzen lassen können. Ebenso beliebt
sind Scheidenstraffungen, weil man nicht nur so aussehen will wie eine
12-Jährige, sondern sich auch so anfühlen. Die Risiken sind natürlich ähnlich
groß wie beim Mann, und ähnlich groß ist auch der objektive Nutzen. Dennoch
äußern sich 93% der so Beschnittenen zufrieden. Wer fragt da schon die 7%
Unzufriedenen? Apropos unzufrieden: Einige Intimchirurgen behaupten, sie
könnten durch eine Injektion von Hyaluronsäure die Klitoris vergrößern und den
G-Punkt aktivieren. Einen G-Punkt wohlgemerkt, dessen Existenz die
Wissenschaftler noch gar nicht gefunden haben. Dafür kostet diese OP auch nur
1500 Euro.
Einen Sonderfall ist besonders für
unsere Mitbürger mit einem Migrantenvordergrund die Rekonstruktion des
Jungfernhäutchens. Dabei wird für weniger als 1000 Euro das Jungfernhäutchen
entweder durch Fremdmaterial ersetzt oder der übriggebliebene Teil des Hymens
mit der Schleimhaut neu vernäht. Der Eingriff hat eine lange Heilungszeit. Ein
Vorschlag zur Güte: Könnte man in einem solchen Kulturkreis nicht dabei die
Vorhäute zwangsbeschnittener Jungen sinnvoll recyceln? Das dürfte man natürlich
nicht laut sagen, sonst wäre wohl eine Steinigung ärztlich angeraten.
Doch wie will einer glaubwürdig über
archaische Riten spotten, der offensichtlich selbst in einem kranken
Kulturkreis lebt. In einem, der sich stolz bisweilen schon „genitalbewusste
Gesellschaft“ nennt. 2009 zeigte RTL erstmals eine Schamlippen-OP im Fernsehen,
und schon damals gab es pro Jahr 20.000 Frauen, die das hinter sich hatten.
Natürlich bedarf es auch hier der kybernetischen Relativierung, dass es
durchaus medizinische Indikationen für einen solchen Eingriff geben mag, doch die
dramatischen Zahlen lassen sich damit nicht erklären.
Ebensowenig wie der Umstand, dass
die Betroffenen nicht nur die persönliche Entwürdigung und den unverhältnismäßig
hohen Aufwand, sondern auch die gesundheitlichen Risiken eines solchen
Eingriffs ignorieren. Im Deutschen Ärzteblatt wurde schon früh davor gewarnt,
dass die Risiken in der Regel von den medizinisch Handanlegenden bagatellisiert
würden. Die meisten Menschen seien dem Versprechen ästhetischer Chirurgen
schutzlos ausgeliefert. Vor allem die Verkleinerung der Schamlippen werde oft
als „kleiner Eingriff" verharmlost. In Wirklichkeit könne es zu
Komplikationen kommen, die zu schwerwiegenden Funktions- und
Empfindungseinschränkungen führen. Weitere Risiken seien Infektionen, Narben,
Verwachsungen oder Schmerzen beim Sex. Möglich ist auch die Schädigung von
Nachbarorganen wie Blase oder Darm.
Die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität
Hamburg setzt sich grundsätzlich mit dem Zeitgeist auseinander und kritisiert
die von ihm profitierenden Ärzte. „Es
ist ungeheuerlich, dass Normalität pathologisiert wird." Sie fordert, nicht mit jeder psychischen
Irritation einen schwerwiegenden medizinischen Eingriff zu rechtfertigen. Es
müsse wieder viel stärker ins öffentliche Bewusstsein gelangen, dass es nicht
einen Idealzustand, sondern ein „Spektrum der Normalität und des
Variantenreichtums des menschlichen Körpers“ gebe.
So wird also ein schamloser Aufwand
betrieben, um die Scham zu beschönigen. Das passiert allerdings parallel zu
einem geradezu unheimlichen Comeback des Schamgefühls (ach, könnte man doch das
wegoperieren). Sportlehrer bekommen ihre Anvertrauten nicht mehr ohne Badeanzug
unter die Dusche des Schwimmbads, die Badehosen der Männer reichen schon über
die Knie und an den Badeseen ist das Oben-ohne-Sonnenbaden der Frauen wieder
eine Peinlichkeit. Die Rückkehr des Ganzkörperbadeanzugs für Männer ist nur
eine Frage der Zeit. Man versucht also, paradoxerweise genau die Körperbereiche
zu optimieren, die man sowieso möglichst vor den Augen aller anderen verbirgt.
Dieses scheinbare Paradox kann aber
durch eine Erkenntnis aufgelöst werden: Die (eingebildete) Schönheit ist gar
nicht für die Öffentlichkeit bestimmt! Das personale Kommunikations- und
Interaktionsbedürfnis der Menschen schwindet nämlich im Zeitalter des
Niedergangs, und wird ersetzt durch eine virtuelle Kommunikation beispielsweise
in sozialen Netzwerken. Aus Japan wird beispielsweise gemeldet, dass dort 40%
der Studentinnen noch nie Verkehr hatten und 35,1% der jungen japanischen
Männer zwischen 16 und 19 angaben, nicht an Sex interessiert zu sein. Was nun
noch interessiert, ist der psychosoziale Austausch mit sich selbst. Der globale
Narzisst lässt sich also operieren, damit er sich selber besser gefällt. Und
wer will bestreiten, dass die Sexualorgane zentrale Bedeutung in der
Selbstwahrnehmung haben.
Nicht von ungefähr stammt der
Begriff Narzissmus aus der Sexualwissenschaft. Im charakterpathologischen Sinne
verstand Freud unter Narzissmus die Libido, die auf das eigene Ich gerichtet
ist, anstatt auf ein Objekt. Dies führe zu einer Charaktereigenschaft, bei der
ein geringes Selbstwertgefühl durch übertriebene Einschätzung der eigenen
Wichtigkeit und den großen Wunsch nach Bewunderung kompensiert werde. Quod erat
demonstrandum!
Wenn es stimmt, wie vermutet wird,
dass die kulturelle Initialzündung für die operative Intimkorrektur aus der
Pornofilmindustrie stammt, dann steht den Ärzten, die damit ihre Sportwagen
verdienen, noch ein rechter Geldsegen bevor. Da die Darsteller in dieser
Wachstumsbranche fast ausschließlich beschnitten sind, damit sie ihrem harten
Job ausdauernd nachgehen können, ist es an der Zeit für eine massenhafte
Vorhautbeschneidung der anpassungsfähigen Zuschauer. Aber wahrscheinlich ist so
etwas schon längst im Gange, ohne dass es Statistiken dafür gibt. Als neuester
Schrei in der Szene der Selbstverstümmeler gilt allerdings das Analbleaching.
Tiefer kann wohl nichts blicken lassen, wie es um unsere Kultur bestellt ist.
Ein kleiner pragmatischer
Beweggrund für das unerotische Befummeln der Lustorgane soll aber nicht
verschwiegen werden: Die kaum ältere Mode der Intimrasur führt nämlich dazu,
dass mögliche Abweichungen vom Ideal der Intimarchitektur viel stärker zu Tage
treten und deshalb nach subjektiver Kausalität korrigiert werden. Eine solche Verkettung des
Irrsinns kann sich keiner ausdenken: Erst legt man mühsam das von der Natur aus
gutem Grund Versteckte frei, um es anschließend wieder seiner Natur zu berauben. Dazu
passt doch wie die Faust aufs Auge ein neuer Schönheitseingriff der gerade aus
Thailand zu uns kommt, nämlich die Ohrfeigentherapie gegen Falten. Dr. Kustos empfiehlt: dreimal
täglich anzuwenden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihr Spiegelbild.

Lieber Herr Kustos,
AntwortenLöschenein schönes Thema, das ich aus meiner Sicht gern noch ergänze:
Wer gern leidet, um schön zu sein, dem oder der empfehle ich: Schmerzmittel und Narkotika weglassen, das erhöht den Schmerz und hat einen ganz besonderen Reiz.
Sollten Sie zu denen gehören, die gern schön sind, um zu leiden, empfehle ich Ihnen, sich jemanden zu suchen, der einen Sinn für dieses Anliegen hat und Ihren Wunsch erfüllt.
Es gibt glücklicherweise viele Möglichkeiten zu leiden und sich körperlich und seelisch zu verstümmeln oder sich verstümmeln zu lassen – je nachdem, wann und wo das Herz höher schlägt.
MasochistInnen haben es in der Tat leicht, ein sinnerfülltes und schönes Leben zu führen. Beneidenswert eigentlich. Und so wunderbar viel fremdbestimmter, als sich selbst zu quälen – mit Zweifeln, Bedenken und der Suche nach dem (persönlichen) Sinn und Unsinn des Lebens.
In diesem Sinne viele Grüße
Annette S. aus K.
Ein wahrlich köstlicher Artikel zu einem Thema, das im Grunde so absurd, dass es gar nicht existieren sollte, jedenfalls nicht als Massenphänomen.
AntwortenLöschenWenn ich mir nur vorstelle - ich kenne mich mit Operationen ob einer schweren Brandverletzung als Kind leider ein bisschen aus - , meinen unverletzten Dödel freiwillig dem Messer eines Chirurgen auszusetzen...: Nein, das will ich mir gar nicht vorstellen.
Wenn Schauspieler bzw. Pornodarsteller an sich herumschnippeln lassen, kann man das ja gerade noch irgendwie verstehen (schon Marlene Dietrich soll sich die Backenzähne herausbrechen haben lassen, um ihre berühmten Hohlwangen zu erzielen; vielleicht machte sich das auf US-Jeeps ja tatsächlich besser). Allerdings denke ich nicht, dass die meisten Pornodarsteller beschnitten sind, weil sie so ihren Beruf ausdauernder ausführen können. Das, vermute ich wenigstens, dürfte andere Gründe haben.