„Social Freezing“ ist ein Thema,
bei dem es uns selbst im heißesten Sommer kalt den Rücken herunterläuft. Er
bezeichnet das Einfrieren weiblicher Eizellen aus „sozialen“ also
nichtmedizinischen Gründen. Wofür das arme Wort ‚sozial’ so alles missbraucht
werden kann. Mit dem Euphemismus vom „sozialen Einfrieren“ wird nämlich Tür und
Tor geöffnet für massenhafte
Schwangerschaften nach dem vierzigsten Lebensjahr. Medizinische Komplikationen,
Kinder, deren Eltern früh sterben, und zusätzliche Belastungen für die
Gemeinschaft sind der Tribut, der für jene Frauen zu entrichten ist, die erst
noch ordentlich Spaß am Leben haben wollen, bevor sie ihrem genetischen
Imperativ nachgehen und Kinder zu einem Zeitpunkt in die Welt setzen, den die
Evolution aus gutem Grund ausschließen wollte. Da erwärmt uns geradezu eine
eiskalte Beobachtung an jungen Frauen, über die hier am 10. November 2011 geschrieben wurde:
Plötzlich drei Grad tagsüber und
Lichtverhältnisse wie in Mordor. Na ja, irgendwann musste es ja so kommen.
Wenigstens liegt das am wenigsten am Niedergang, sondern an der Jahreszeit.
Erstaunlicherweise kriegt diesen ruppigen Wechsel manch einer nicht mit, oder
besser manch eine. Junge Mädchen im Frühling des Lebens schaukeln scharenweise
ihre Dekolletes unter knappen Hemdchen weiter durch die Gegend als gäbe es
nicht schon seit Wochen Schokoladenweihnachtsmänner bei Aldi. Statt Schmunzeln
oder Stirnrunzeln soll das Anlass sein, mal wieder über kybernetisches Denken
nachzudenken.
Der erste, „lineare“ Gedanke ist,
die Mädels holen sich damit eine mittelschwere Bronchitis. Der zweite Gedanke
fragt, wie nötig es die jungen Damen wohl haben müssen, wenn sie unter diesen
Bedingungen weiter am gesamtgesellschaftlichen Brustvergleich teilnehmen. Aber
schon der nächste Gedanke verlässt scheinbar sicheres Terrain: Vielleicht wird
man durch Kühllagerung der Weichteile gar nicht krank, sondern stärkt, wie bei
einer Impfung, nur die Abwehrkräfte. Und vielleicht probieren deshalb die
Mädels nur intuitiv, einer gesunden Evolution folgend, aus, wo ihre
biologischen Grenzen liegen. So gesehen, würde aus dem ganzen nämlich ein
konstruktiver Akt (auch wenn es strenggenommen ja kein richtiger Akt, sondern
nur eine Teilentblößung ist).
Doch der gute Kybernetiker hört
nicht auf zu denken und geht noch einen Schritt weiter. Wenn die Mädchen schon
das Risiko eingehen, also wenn sie mit ihrer eigenen Gesundheit vielleicht zu
recht experimentieren, warum geschieht das dann nicht zum Erreichen höherer
Ziele wie Körperertüchtigung beim Sport, Lernen auf der Parkbank oder
meinetwegen Füttern ohrloser Ohreulen, sondern durch archaisches Zeigen
sekundärer Geschlechtsmerkmale? Womit wir dann doch noch die Kurve zum
Niedergang gekriegt haben.
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