![]() |
| Quelle: WZ-newsline |
Für die System-Medien ist es hingegen
so einfach, wie es in einer virtuellen Kultur zu sein hat. Sie bejubelten einen
Erfolg eines Ideensystems, für das sie schreiben und von dem sie abhängig sind.
Ungefähr so: Steinmeier hat in Kiew für Frieden gesorgt, mit Druck und harter
Hand, denn für den Frieden muss man schon mal Gewalt anwenden. Und außerdem ist
Putin bekanntermaßen ein Feind des Friedens und alles was seinem bedrohlichen
russischen Weltreich schadet, ist sozusagen automatisch Friedenspolitik.
Wie in jedem ideologischen System
begründet sich falsches Handeln dabei ganz logisch aus der Wahl falscher
Prämissen. Für kybernetische Überlegungen ist die Situation weitaus
komplizierter. Könnte die militärische Unterdrückung eines Bürgerkriegs beispiels- und
möglicherweise moralisch gerechtfertigt sein, um die Menschen vor Leid und Tod
zu schützen? Doch nein, da gibt es keinen Konjunktiv. Höchstens innerhalb eigener
Staatsgrenzen, aber nicht auf fremdem Territorium, weil sonst automatisch jede
militärische Intervention rechtfertigungsfähig wird. Staatliche Souveränität
muss jedem anderen Prinzip vorangehen. Selbst wenn es in diesem Fall (noch)
keinen Militäreinsatz gegeben hat, ist deshalb die Billigung und Unterstützung
eines gewalttätigen Aufstands gegen eine gewählte Regierung von Seiten fremder
Staaten ein Akt internationaler Aggression, eine Vorstufe zum Imperialismus und
ein Paradigma europäischer Machtpolitik.
Dieses Diktum wird in geradezu
beängstigender Weise durch die Geschehnisse bestätigt. Zwar sind in der Tat in
der Ukraine Menschen gestorben - Polizisten wie Aufständische -, es gab Gewalt
gegen friedliche Demonstranten, es kam zu Angriffen auf die Pressefreiheit und
die Demokratie an sich. Und nun gibt es auch noch die, ebenso bewusst, vom Westen forcierte Krimkrise. Doch sind alle Konflikte nahtlos mit dem
geplanten Assoziierungsabkommen mit der EU verbunden.
Erst als Präsident Janukowitsch
Ende des vergangenen Jahres nachverhandeln wollte, weil er die bei einer
Assoziierung drohenden russischen Strafzölle von der EU erstattet haben wollte,
und Putin diese Handlungsweise mit einem russischen Milliardenkredit
absicherte, kam es „zufälligerweise“ zu den verschärften Ausschreitungen. Diese
wiederum gaben der EU die Gelegenheit, sich mit dem Besuch ihrer Außenminister
nach außen als Friedenskraft darzustellen und nach innen der Ukraine die
Pistole auf die Brust zu setzen. Deshalb ist sogar eine Inszenierung der
Konflikte durch Brüssel zwar nicht beweisbar, aber naheliegend. So erklärt sich
vielleicht auch, wo die Aufständischen die schicken EU-Fahnen her hatten, die
so medienwirksam in die westlichen Kameras geschwenkt wurden.
Brennende Barrikaden sind natürlich
immer für die Medien attraktiv, die dann einzelne Vorfälle in ihrem Sinne verallgemeinern
können. Wie man hört, gab es lediglich in Kiew und Lemberg überhaupt Ausschreitungen.
Ob man daraus eine landesweite Mehrheit gegen die Politik des Präsidenten
folgern kann, ist zweifelhaft. Fakt ist auch, dass die EU mit ihrer Politik
individuelle Gewalt gegen eine gewählte Regierung legitimiert hat. Im normalen
Sprachgebrauch heißt das Terrorismus. Man stelle sich nur einmal vor, Hunderte
Bewaffnete würden in Amerika oder Deutschland die Parlamente bedrohen und Polizisten
erschießen - zumindestens in den USA würden die Regierenden ohne Rücksicht auf
Verluste und mit ergriffener Zustimmung der Weltöffentlichkeit die (alte) Ordnung
wiederherstellen.
Hinzu kommt, dass die ukrainischen Faschisten
eine treibende Kraft in der Oppositionsbewegung sind. Anscheinend nimmt man
sogar in Kauf, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Der arabische Frühling
lässt grüßen. Nun soll nämlich alles ganz schnell gehen, und möglichst schon
eine Übergangsregierung die Assoziation mit Großeuropa vollziehen - damit
möglichst in der Ukraine keine neue demokratische Meinungsbildung in die Lage
versetzt wird, die Folgen für das Land in Ruhe zu überdenken.
Fakt ist, dass die Ukraine pleite
ist und mit dem Assoziierungsabkommen vermutlich ihre russischen Märkte
verlieren wird. Das muss für das osteuropäische Land aber kein Problem sein,
denn nach der üblichen Methode werden die Anschluss-Verluste mit den Steuern und
Einkommensverlusten der berufstätigen EU-Bürger kompensiert. Schließlich können
sich die EU-Mächtigen darauf verlassen, dass in Brüssel auf absehbare Zeit
keine Barrikaden brennen werden.
Ein sarkastischer Leserkommentar
auf Zeit-online fasste die Funktionszusammenhänge wunderbar zusammen: „Die
steigende Arbeitslosigkeit durch die schwindenden Marktzugänge ist noch besser,
ist quasi ein Segen, denn eigentlich schielt insbesondere die deutsche
Wirtschaft nach billigeren Nearshoring-Alternativen zu Mittelosteuropa. Da sind
die Lohnstückkosten schon zu hoch. In der Ukraine sind dann die Gehälter und
Löhne schön ausgebombt, bei gleichzeitig gut qualifizierten Leuten. Diese
müssen natürlich - was denn sonst - Strukturreformen über sich ergehen lassen.“
Die EU kann nicht anders als ihrem
genetischen Code zu folgen: die Globalisierung und die Umverteilung zu
organisieren. Dafür wird von dem erst vor zwei Jahren mit dem
Friedens-Nobelpreis geadelten Staatenbund mehr und mehr auch die verdeckte und
offene Kriegsführung hoffähig gemacht. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass
gerade mit dem Argument der Friedensfunktion Euroskeptiker immer wieder
ausgebremst wurden, ist das besonders makaber.
Kein Wunder, dass in den Prinzipien
der EU-Außen- und Sicherheitspolitik schon lange verankert ist: eine „Stärkung
der Sicherheit der Union“, die
„eigene Verantwortung für Globale Sicherheit“, „kooperatives Handeln in
multilateralen Strukturen“, „Zusammenarbeit mit den USA und Kanada in der NATO“
und last, but not least „Bekämpfung schlechter Staatsführung“. Die ebenfalls
als Ziel schon früh festgeschriebene „zivile Aufbauhilfe“ kann mit wenig
Fantasie als Euphemismus für eine neue Form von Kolonialismus interpretiert
werden, und die „Partnerschaften mit den wichtigsten Mächten der Welt“ sind
offenkundig ein Bekenntnis zu globalisierten Machtstrukturen.
Auch bei den inneren Strukturen hat
man rechtzeitig vorgesorgt. Im Dezember 2008 verschmolz der Europäische Rat die
zivile mit der militärischen Sparte der „europäischen Friedensmissionsplanung“
zu einem einzigen Direktorat. Dort dominiert inzwischen der militärische
Aspekt, zivile Experten, wie etwa der ehemalige Direktor der zivilen
Krisenbewältigung, wurden aus den Entscheidungskreisen verdrängt.
Solche Strukturen schreien geradezu
nach Betätigung. Kein Wunder also, dass die EU gerade beschlossen hat, eine
Militärmission in der Zentralafrikanischen Republik zu beginnen. Man fragt sich
natürlich, was Europäer da zu suchen haben, erkennt dann aber schnell, dass die
EU-Staaten hier auch noch zum Handlanger französischer Kolonialpolitik gemacht
werden. Das hindert die deutsche Bundesregierung natürlich nicht daran, ihr
EU-Engagement auch in Mali auszuweiten. Europäische Soldaten sind noch in Somalia
aktiv, und mit Schrecken erinnern wir uns alle an die EU-Kriegsbeteiligung in
Bosnien 2004. Das sind bisher natürlich alles kleine Fische, aber die
moralische Schallgrenze ist damit schon lange durchbrochen.
Doch bedarf es gar keiner aktiven
Kriegsführung, um den Frieden aufs Spiel zu setzen (und es geht dabei keineswegs
um den sozialen Frieden, der schon immer geradezu ein Antagonismus zur EU-Wirtschaftspolitik
ist). Nach dem Deutsche jahrzehntelang in allen europäischen Ländern gern
gesehene Gäste waren, weil sie freundlich und höflich waren und eine harte
D-Mark mitbrachten, werden sie nun geschwind die Feindbilder fast ganz Europas.
In Griechenland, wo man genau weiß,
dass man aus eigener Wirtschaftskraft die (teilweise auch EU-generierte) Krise
weder aushalten noch überwinden kann, entdeckte man plötzlich quer durch alle
Parteien 300 Milliarden Euro deutsche Kriegsschulden, die dann auch prompt
offiziell eingefordert wurden. In Zypern skandierten Demonstranten „Europe is
for its people, not for Germany“, weil auch hier vielen Deutschland als
Verursacher der Krise gilt.
Der Unfriedensstifter ist aber die
umverteilende EU, die das Geld vom deutschen Bürger und der deutschen
Wirtschaft nimmt, es an die Krisenstaaten transferiert, damit diese ihren profitbringenden
Konsum aufrechterhalten können, von dem besonders die deutsche Exportwirtschaft
profitiert. Es dürfte keineswegs ein Ausdruck von Paranoia sein, mittelfristig
gewalttätige Spannungen bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb
des EU-Territoriums zu erwarten.
Während die europäische Teilung in
viele Kulturen und nationale Machtbereiche ein historischer Prozess der
Entwicklung starker Nationalstaaten war, ist die politisch gewollte europäische
Einheit mitnichten ein natürlicher historischer Prozess, sondern eine Folge der
Globalisierung und der Übernahme der politischen Macht durch das Großkapital.
Den Frieden in Europa, der nicht wegen der EU entstanden ist, sondern der diese
erst ermöglicht hat, auch heute noch als Ergebnis der politisch-wirtschaftlichen
Zwangsvereinigung zu beschreiben heißt, eine wachsende Kriegsgefahr zu
verschweigen und zu forcieren.

*seufz* war mein erster Gedanke, als ich diesen Blogpost zur Krimkrise und darüber hinaus erblickt habe. Wer sich durch die Kommentare auf Spiegel und DWN durchgewühlt hat, kann es sicher nachvollziehen - sowohl die rechte als auch die linke Hälfte der deutschen Kommentatoren im Netz scheint zur Zeit für die Putin'sche Propagandamaschine zu arbeiten. Überall wird die Desinformation durch die Systemmedien beklagt, die EU+USA zur mächtigen bösen Verschwörungsmaschine des Kapitalismus hochstilisiert, und die sauber gezielten Halbwahrheiten des Kremls nachgeplappert.
AntwortenLöschen"Könnte die militärische Unterdrückung eines Bürgerkriegs beispiels- und möglicherweise moralisch gerechtfertigt sein, um die Menschen vor Leid und Tod zu schützen?". Ja, natürlich, aber a) muss dazu ein passender Bürgerkrieg vorhanden sein - auf der Krim ist davon nichts zu sehen - und b) muss man dazu nicht gleich das Bürgerkriegsland annektieren.
Den einzigen sinnvollen Kommentar zur Arroganz Russlands, die Krim unter Besatzung über den Anschluss an Russland abstimmen zu lassen, fand ich auf der Satireseite "Der Postillon":
http://www.der-postillon.com/2014/03/tschetschenen-inguschen-und-dagestaner.html
Im Artikel äußern sich die Tschetschenen, Inguschen und Dagestaner begeistert über die neue Rechtsauffassung des Kremls und freuen sich, dass eine kurzfristig angesetzte Volksabstimmung ihrer Nationen ihnen auch die Unabhängigkeit bringen wird. Putin ist ja ein lupenreiner Demokrat.
Soviel dazu, mehr nur, falls wirklich nötig. Immerhin enthält der Post auch durchaus interessante Beobachtungen zur EU. Ich sehe allerdings weniger die mächtige böse EU, die alle Nationen unter ihre Knute zwingt, sondern eher den abgehobenen Haufen von Experten, der verzweifelt versucht, aus dem Staatenbund so etwas wie einen Bundesstaat zu machen, und dabei Krisen immer wieder als Hebel nutzt. So auch jetzt - es heisst, Polen wolle jetzt schnell den Euro einführen, um sich stärker zu integrieren.
Das Problem ist die Attraktivität der EU, so paradox es klingt. Dazu muss man nur den Lebensstandard (nicht nur materiell, sondern auch sozial) zwischen einem EU-Land wie Lettland und einem Nicht-EU-Land wie Ukraine vergleichen. Beide sind als Sowjetrepubliken gestartet, Lettland hat heute ein kaufkraftbereinigtes BIP / Einwohner von 19'093 $, Ukraine von 7'422 $. Die Rechtssicherheit steht in der Ukraine um Größenordnungen schlechter da als in Lettland. Kein Wunder, dass sehr viele Ukrainer in die EU wollen, da braucht es keine Brüsseler Fähnchenverteiler.
Der logische Effekt der Attraktivität ist die Ausdehnung eines solchen Bundes, die solange geht, bis sie an natürliche (Mittelmeer) oder imperiale (Russland) Grenzen stößt. Und letzteres führt immer zu Konflikten. Das ist aber nur insofern "Schuld" der EU, dass die EU es versäumt, Neumitglieder auszubeuten und zu unterdrücken. Wenn die EU wirklich so böse wäre, wie alle denken, gäbe es sicher mehr Absetzbewegungen an den Rändern, oder?
Die Nagelprobe der EU ist eher, wie sie mit den Wirtschafts-Ungleichgewichten umgeht, die durch den Euro entstanden sind. Hier ist ein "weiter so" irgenwann nicht mehr möglich, ein ewiger Strukturausgleich funktioniert nicht. Und richtig spannend wird es, wenn im Herbst die EU-eigene Variante der Krimkrise losgeht. Was macht die EU, wenn in Barcelona spanische Panzer über die Rambla rollen? Was, wenn die Katalanen sich die Unabhängigkeit ersitzen oder erkämpfen?
Für die EU wird es ein spannendes Jahr. Sie kann gestärkt aus diesen Krisen hervorgehen, aber nur, wenn sie nicht Merkel-mäßig versucht, alles auszusitzen. Ich kann KK nur zustimmen, die wachsende Kriegsgefahr in der Welt und gerade in Europa ist real, und wer versucht, sie zu ignorieren, verstärkt sie nur. Nur, eine Vor-EU- (und Vor-Kalter-Krieg) Welt der Nationen, wie in den 1920er Jahren, ist genausowenig eine Lösung.