Würde man Konrad Kustos fragen, riete der zu einer möglichst
variantenreichen Mischkost, denn der Körper wird, wie die Gesellschaft selbst,
mit vielem fertig, nur nicht mit Einseitigkeit. Irgendwie hat es sich aber im
Denken und in der logischen Beweisführung eingebürgert, alles auf eine These
zuzuspitzen. Deshalb war bei der Oxford-Studie schon deren Konstruktionsidee
regelrecht manipuliert. Vegetarier und Frauen waren dort überrepräsentiert und
die Fragebögen so aufwändig, dass man erwarten konnte, dass nur eine bestimmte
Klientel sie überhaupt ausfüllt.
Im Sinne ungesunder Zuspitzung titelte eine Zeitung dann
auch locker: „Wer Fleisch isst, stirbt eher“, obwohl es in der dort zitierten
Studie ausdrücklich nur um Wurst und Geräuchertes ging und auch da das Risiko
sich doch sehr in Grenzen hielt. Solche Gehirnwäsche durchzieht unser ganzes
Leben, und gerne werden auch verschiedene Ideologismen miteinander vermengt. So
meldet sich die Universität Halle mit der bahnbrechenden Erkenntnis, dass Frauen
weniger Fleisch und Wurst äßen als Männer und sich damit klimakorrekt
verhielten. „Würden alle deutschen Männer wie Frauen essen, ließen sich 15
Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen.“ Das ist infam, denn wie auch den
studierten Hallensern bewusst sein sollte, sind
Männer keine Frauen! Da Männer ein anderes Gewicht und eine völlig
andere Muskelstruktur, also eine andere Physiologie haben, müssen sie sich auch
anders ernähren. Wenn Wissenschaftler das Spiel spielen, einer
gesellschaftlichen Gruppe Schuld zuzuweisen, um sich mediale Aufmerksamkeit zu
sichern, sind es keine Treibhausgase, die bei ihnen stinken.
Solche intellektuellen
Querschläger kann es in jede Richtung geben. So berichtete das Fachmagazin
„Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity“, dass Vegetarier
vermehrt zu psychischen Störungen wie Depressionen, somatoformen Störungen und
Angststörungen neigten. „In westlichen Kulturen ist die vegetarische Ernährung
mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen verbunden“, bilanzierten
die Autoren, stellten aber wenigstens fest, dass auch sie keine Kausalität
hinsichtlich der vegetarischen Ernährung und den psychischen Störungen
feststellen konnten. Vielleicht also, könnte man dem entnehmen, sind Vegetarier
eben deshalb Vegetarier, weil sie eine Macke hätten?
Jenseits aller gestelzten
Wissenschaftlichkeit stellt sich natürlich beim Thema „fleischlos“ die kybernetische
Frage, ob jemand mit seinen körperlichen oder psychischen Bedürfnissen noch
adäquat umgeht, wenn er äonenalte, aus Evolution und Erfahrung gewachsene
Verhaltensweisen einfach negiert. Kommt das Wort „Vegetarier“ denn etwa von
„vegetieren“?
Manche Vegetarier sollen ja sogar
ihren Hunden, klassischen Fleischfressern, eine Pflanzendiät aufzwingen.
Artgerechte Haltung sieht wohl anders aus. Besonders bei Veganern, die
überhaupt keine tierischen Produkte mehr essen, auch Milch, Eier und Honig
nicht, kommt es schließlich nachweisbar zu Engpässen. Proteine, Eisen, Calcium,
Jod, Zink, Vitamin B12 und D werden gefährlich knapp. Blutarmut und Störungen
des Nervensystems sind mögliche Folgen.
Für viele Vegetarier ist die
Tatsache, dass dem Fleischessen das Töten von Tieren vorausgehen muss, der
Grund für ihr Verhalten. Sie handeln also nicht nach ihren Bedürfnissen,
sondern nach einem intellektuellen, um nicht zu sagen ideologischen Prinzip.
Hätte es solche Überlegungen schon gegeben, als der Homo sapiens noch in jeder
Sekunde seines Lebens wegen eines permanenten Nahrungsmangels um das Überleben
kämpfte, könnten wir uns jetzt darüber keine Gedanken mehr machen. Wir machen uns
aber andauernd solche Gedanken mit einer beliebigen Vermischung von
allgemeinpolitischer Moral und individuellen Ernährungserfordernissen. Ein Public-Health-Experte
etwa, was dies auch immer sein mag, forderte eine Entsalzung von
Fertignahrungsmitteln, weil „sonst immer die, die mehr lesen und einen höheren
Bildungsgrad haben, einen Vorteil haben“. Eine Aussage von geradezu
revolutionären Dimensionen. Am besten, wir führen für die Dummen die
Zwangsernährung ein, gell?
Die neuesten Zahlen hinsichtlich
der in diesem Blog schon mehrfach angesprochenen Bio-Hysterie
künden ebenfalls von einer ungesunden Verkopfung unseres Lebens. Wurden 2011
noch „nur“ 2,5 Milliarden Euro für Bioprodukte ausgegeben, waren es ein Jahr
später schon sieben Milliarden. Besonders
bei jungen Leuten war Bio im Trend. Hier kauften 25% der unter 30-Jährigen
Bio-Obst und -Gemüse. Ein Jahr zuvor wurden in der Altersgruppe noch 14%
gezählt. Bei den Älteren geht der Trend allerdings interessanterweise zurück. Vielleicht
aus Erfahrung? Haben die etwa gemerkt, dass Körner im Müsli zu erhöhter
Gasbildung im Darm führen, weil der menschliche Verdauungstrakt ungemahlenes
Getreide kaum verarbeiten kann? In einer niederländischen Studie waren
makrobiotisch ernährte Kleinkinder zwischen vier und 18 Monaten körperlich und
geistig signifikant hinter den Allesessern zurückgeblieben. Wenn Liebe durch
den Magen geht, so könnte man mutmaßen, bildet sich vielleicht bei den älteren
Bioskeptikern der Verstand im Darm.
Die Medien und die Werbung bestätigen den Ernährungswahn,
weil sie glauben, damit auf der Welle des Erfolgs mitschwimmen zu können. Was
soll man beispielsweise davon halten, wenn Energy-Drinks damit werben, dass sie
mit Bio-Guarana oder ohne künstliche Farbstoffe hergestellt werden? Sie bestehen
dennoch hauptsächlich aus Wasser, Zucker und Koffein und sind somit so ziemlich
das Ungesündeste, was man legal kaufen kann. Im Unterbewusstsein erfährt der
Verbraucher durch solche Behauptungen aber, dass der Begriff „Bio“ ein Wert an
sich ist. So schaukeln sich negative Prozesse im Teufelskreis von Vermutung,
Irrtum und Lüge hoch. Und wie es in unserer Gesellschaft nun mal so ist,
versuchen die ganz Schlauen damit Geld zu verdienen: Da Kartoffelchips als
ungesund gelten, gibt es jetzt natürlich auch Biochips,
mit denen sündige Konsumenten den Ablass gleich teuer mitkaufen können.
Dummerweise schnitten dazu bei einem Test der Stiftung Warentest die ganz
normalen Kartoffelchips erstaunlich gut ab, während ausgerechnet die drei
Bioprodukte ein Mangelhaft erhielten.
Auch als das Bundesinstitut für Risikobewertung meldete,
Kräutertees enthielten bisweilen krebserregende Stoffe waren kommerzielle
Trittbrettfahrer nicht weit. Ein dazu von der Zeitung befragter „Biomediziner“
(?) und Charité-Arzt namens Hohmann gab die zeitgemäße, also das
Bruttosozialprodukt erhöhende Antwort: Man möge die teuren Tees trinken, die
mit geprüfter (von wem?) Bioqualität oder die aus der Apotheke oder dem Reformhaus.
Er hätte als kluger Experte natürlich auch sachlich erklären können, dass
solche Messungen auf die natürlichen Gifte zurückzuführen sind, mit denen sich
Pflanzen gegen Fraßfeinde wehren.
Das wiederum ist aber, was Geschäftemacher und Medien gerne
verschweigen, überhaupt kein Problem, denn der menschliche Körper ist von der
Evolution darauf optimiert, mit diesen Stoffen problemlos umzugehen. Deshalb
hat er auch mit allen möglichen Chemikalien in der Nicht-Bio-Ware so gut wie
keine Probleme. Hätte uns die Natur doch auch gegen hysterische Medienmeldungen
oder Wissenschaftler auf der Suche nach medialer Wahrnehmung optimiert.
Und die Bio-Ideologie macht im
täglichen Leben auch jenseits der Ernährung nicht halt: Die Zeitschrift
Öko-Test beurteilte Mückenschutzmittel nach verschiedenen Kriterien und kam zu
dem Ergebnis „sehr gut“ und „gut“ für verschiedene Mittel. Dabei wurde, wie
sich herausstellte, allerdings nur untersucht, ob die Inhaltsstoffe für die
Umwelt problematisch seien und nicht, ob sie tatsächlich wirkten. In der Tat
waren die getesteten Mittel laut einer Gegenuntersuchung der Stiftung Warentest
vollkommen wirkungslos.
Die Sehnsucht nach einer
natürlichen Ernährung ist angesichts einer immer künstlicheren Lebensumgebung
nicht nur verständlich, sondern sogar lebenswichtig. Woran es fehlt, ist das
Maß und die Kenntnis. Solange wir nicht wissen, was wirklich gut für uns ist,
sollten wir nicht maßlos neuen Heilslehren hinterherlaufen. Im übrigen bedarf nicht
nur die Ernährung einer angemessenen „Naturisierung.“ Wie wäre es mit letztlich ebenfalls
überlebenswichtigen Forderungen wie: „Weg vom Computer und raus in die
Landschaft“, „Weg vom Terror diverser Moden und hin zu einem Bekenntnis an die
Schönheit des unverbildeten menschlichen Körpers“, „Weg von ‚Schlag den Raab’
hin zu einem gemütlichen Spielabend mit Freunden“? Das wäre mal ganzheitliches
„Bio“.
Typisch, jemand der keine Ahnung hat schreibt einen Artikel über Ernährung, ist doch klar, dass dabei bloß völliger Unsinn entstehen kann. Der Artikel ist so vollgestopft mit Annahmen, Vorurteilen, falschen Infos, logischen Defekten und fehlerhaften Schlüssen, da lohnt es sich nicht, mich sachlich damit auseinander zu setzen. Zeitverschwendung.
AntwortenLöschenNa, dann mach's doch nicht - nicht sachlich, aber dann auch nicht unsachlich....
LöschenOh.... klassischer Fall von "getroffene Hunde......" ;)
LöschenHerr Kustos - ich lese sonst sehr gern in ihrem Blog und viele Artikel finde ich erstklassig, aber Ihre Ideologien zur Ernährung kann ich beim besten Willen nicht teilen.
AntwortenLöschenWie ich auch schon bei Geolitico zu diesem Artikel kommentiert habe fehlt mir hier jeglicher Bezug zur absolut pervertierten Massentierhaltung, was allein aus ethischen Gesichtspunkten mehr als verachtenswert ist.
Schon aus diesem Ansatz heraus sollte jeder einmal seinen (Billig)Fleischkonsum überdenken.
Man muss dabei nicht gewissen Heilsbringern oder bezahlten Studien Glauben schenken, sondern nur einmal seinen gesunden Menschenverstand einschalten.
Sonst geht man heutzutage immer irgendwelchen Lobbyisten auf den Leim...
Wie schon im Ansatz erwähnt, bei diesem Artikel kann ich mich lediglich mit dem letzten Absatz identifizieren.
Ansonsten ist ihr Blog unter meinen Favoriten eingeordnet und zu anderen Themen für mich immer ziemlich lesenswert!
Schönen Sonntag noch!
Man kann und muss ja auch nicht immer einer Meinung sein. Vielen Dank für den relativierenden und ergänzenden Beitrag.
LöschenWie kann man aus einem zu tiefst unideologischen Beitrag auf "...aber Ihre Ideologien zur Ernährung kann ich beim besten Willen nicht teilen" kommen? Den Text sollte man schon lesen...
LöschenAls moralisches Gedankenexperiment könnte man den Satz "Für viele Vegetarier ist die Tatsache, dass dem Fleischessen das Töten von Tieren vorausgehen muss..." mal variieren, z.B. so:"Für viele Nicht-Hundefleischesser ist die Tatsache, dass dem Hundefleischessen das Töten von Hunden vorausgehen muss, der Grund für ihr Verhalten. Sie handeln also nicht nach ihren Bedürfnissen, sondern nach einem intellektuellen, um nicht zu sagen ideologischen Prinzip."
AntwortenLöschenWarum empfinden wir "Tabus anderer Leute" als etwas Ideologisches, Krampfhaftes, Verachtenswertes, stellen aber unsere eigenen Tabus als etwas völlig Natürliches dar?
Ich will jetzt nicht den Ernährungswahn bzw. die sogenannten "Ernährungswissenschaften" verteidigen, da gibt es genug Irre aller Couleur. Aber Ernährungsgewohnheiten, die auf moralischen Überlegungen und Abwägungen beruhen, sind mir sympathischer als solche, die auf irgendwelchen religiösen Regeln beruhen, und selbst diese sind immer noch angenehmer und sicher gesünder als das unreflektierte Reinstopfen von Fastfood und Softdrinks, das von Teilen der "Lebensmittelindustrie" beworben wird.
Ich verstehe ihre Sichtweise. Wenn auch nicht alle inhaltlichen Aussagen von mir mitgetragen werden können, aber wo gibt es schon die 100% Gefolgschaft? Allerdings lese ich den Protest gegen eine überufernde "gutmenschlerische" und oftmals eben auch vegetarische Lebensweise zwischen den Zeilen. Und bestimmt ist es richtig, nicht nur Bio zu essen (weil manes sich leisten kann) , sondern auch bio zu leben.
AntwortenLöschenGenau, das ist mein eigentliches Anliegen. Nicht nur hier. Und deshalb ist für mich die "richtige" Ernährung ganz einfach eine abwechslungsreiche, ausgewogene.
AntwortenLöschen