Dies haben schon vorher deutliche Zahlen vermuten lassen. Während
die Anzahl der Akteure im rechtsextremen Bereich etwa gleich blieb, hatte die
linksextreme wie auch die islamistische Szene 2013 deutlichen Zulauf an neuen
Mitstreitern. Die linksextremistischen Straftaten haben zwischen 2012 und 2013
um 2500 auf insgesamt 8.637 zugenommen. Parallel nahm auch die Zahl der
linksextremistisch motivierten Gewalttaten zu - und zwar um 26,7%. In Berlin,
wo die Zahl politisch motivierter Straftaten im ersten Halbjahr 2014 auf
erfasste 1731 Delikte statt 1529 im Vorjahreszeitraum stieg, werden diese nackten
Zahlen noch einmal eindrucksvoll aufgeschlüsselt: Hier stiegen die rechtsextremistischen
Gewalttaten von 41 auf 47, aber die linksextremistischen von 143 auf 241.
Nun, Zahlen können, wie wir oft genug leidvoll erfahren
haben, täuschen. Die Realität ist eindeutig. Erst im Januar griffen 50 Vermummte in Berlin-Neukölln das
Rathaus und das Amtsgericht an, dazu zwei Bankfilialen und drei Läden. Die
Scheiben eines Sicherheitsfahrzeugs wurden mit Steinen eingeschlagen, der
Fahrer blieb unverletzt, wenn auch mit Farbbeuteln beworfen. Vor einem
Polizeirevier wurden Krähenfüße ausgestreut, über die dann eine Unbeteiligte
fuhr. „Begründung“ für die Ausschreitungen war der ungeklärte Tod eines
Asylbewerbers vor zehn Jahren. Wo bleiben die parallelen, vergleichbaren
Berichte von rechtsaußen?
Vier Männer konnten in Neukölln festgenommen werden, wurden
aber schnell wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine freiheitliche
Gesellschaftsordnung bietet eben auch ihren Feinden viel Spielraum. Das
Bundesamt für Verfassungsschutz definiert es so: „Radikale politische
Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren
legitimen Platz.“ Der Spaß höre aber auf, wenn die „Prinzipien unserer
Verfassungsordnung“ infrage gestellt werden.
Die Verfassungsschützer betonten die Tatsache, dass sich durch
die Zusammenarbeit bürgerlicher und extremistischer Gruppen gegen
„Rechtsextremismus“, linke Gewalttäter oftmals als „Vollstrecker einer
schweigenden Mehrheit“ wähnten. Mit einer entsprechenden „Differenzierungsproblematik“
sei beispielsweise die Bundeszentrale für politische Bildung aufgefallen. Da
steht diese staatliche Institutionen wohl nicht alleine, denn obwohl der
Berliner Polizeipräsident 2009 angesichts einer Verdoppelung der Angriffe gegen
Polizisten auf mindestens 1236 Fälle die Einführung spezieller Programme gegen
Linksextremismus gefordert hatte, lehnte die Bundesregierung dies ab.
Und der Vektor der Wehrhaftigkeit der Republik zeigt nach
unten. Familienministerin Schwesig (SPD) hat inzwischen alle noch existierenden
Programme gegen Linksextremismus auf die Streichliste gesetzt, um den „Kampf gegen
rechts“ intensivieren zu können. Es handelt sich um einen jährlichen Etat von immerhin
30,5 Millionen Euro. Das Lob der politischen Klasse war ihr gewiss, das der vor
einigen Wochen verletzten Polizisten vielleicht eher nicht. Die Fakten
jedenfalls, sowohl in Hinsicht auf Gesetzesverstöße, Gewalttaten oder
politischen Einfluss ließen angesichts dieses Beschlusses am Verstand der
Ministerin (noch mehr als bisher) zweifeln, wenn nicht inzwischen klar wäre,
dass politisches Handeln sich an dahinterstehenden Interessen und nicht an
Moral oder Vernunft orientiert.
Die nun stattfindende Mittelumschichtung wird der Klientel
der SPD und auch der Grünen zugute kommen, denn diese arbeiten in der Regel in
entsprechenden Projekten. Die „Freie Welt“ beschreibt es so: „Wer genauer
hinter die Fassade von Demokratiezentren, Projekten, Seminaren und ähnlichem
schaut, erkennt dann oftmals junge Menschen mit SPD- oder Grünen-Parteibuch,
die nach ihrem Soziologie- oder Politikwissenschaftsstudium keine andere
Verwendung auf dem Arbeitsmarkt gefunden haben und so staatlich finanziert“ ein
Arbeitsbeschaffungsprogramm erhalten. Im weiteren gehe es, so das Ministerium, um
die Förderung von Modellprojekten gegen Islamfeindlichkeit, Antiziganismus,
Antisemitismus, Homophobie und Transgender-Diskriminierung.
Im vergangenen Jahr hatte Schwesig schon dafür gesorgt, dass
die „Extremismusklausel“ gestrichen wurde, die besagte, Empfänger staatlicher
Fördermittel und ihre Kooperationspartner müssten sich schriftlich zur
freiheitlich-demokratischen Grundordnung und zum Grundgesetz bekennen. Sie
reagierte damit wissentlich oder nicht auf die dererseits nachvollziehbare
Kritik aus dem Bereich linker Gruppierungen und der Antifa. Was ist eigentlich
neuerdings falsch am Bekenntnis zu unserer Grundordnung?
Frau Schwesig reagierte jedenfalls nicht auf die
erschütternden Ergebnisse der eingangs schon erwähnten repräsentativen
FU-Studie, die einen inzwischen „demokratiegefährdenden“ Einfluss des
Linksextremismus beschreibt. Unter Berufung auf Zahlen des Verfassungsschutzes
benennt die Studie 27.700 Menschen in Deutschland als potentiell linksextrem. Diese Zahl liege weit über der Zahl
der Anhänger rechtsextremistischer Gruppierungen. Bei einem Drittel der als
linksextrem eingestuften Personen sehen die Verfassungsschützer
Gewaltbereitschaft.
Das entscheidende Drama präsentiert die Studie aber bei der
Wiedergabe des deutschen Alltagsbewusstseins. Die Forscher ermittelten, dass ein Sechstel der Gesamtbevölkerung
(West: 14%, Ost: 28%) eine linksradikale/linksextreme Grundhaltung hat. Dabei
weisen 4% ein nahezu geschlossenes linksextremes Welt- und Gesellschaftsbild
auf, 13% stimmen überwiegend einem linksextremen Einstellungsmusters zu. Die
durchschnittliche Zustimmung zum Einsatz politisch motivierter Gewalt – sei es
gegen Personen oder Sachen oder als Gegengewalt – gegen die als strukturell
empfundene Gewalt „des Systems“ – lag in der Umfrage bei 7%. Von den als
linksextrem eingestuften Personen befürworteten 14% die Anwendung von Gewalt.
Nach Ansicht der Forscher beruht die starke Zunahme
linksextremer Gewalt vornehmlich auf der „Konfrontationsgewalt gegen tatsächliche
oder vermeintliche Rechtsextremisten“. So treibt der Kampf gegen rechts, wie in
diesem Blog schon beschrieben, die Spaltung
der Bevölkerung und die Konfrontation untereinander voran. Der Prozess zeigt
sich auch in der durch die Studie vorgenommenen Aufschlüsselung, nach der etwa 30 bis 40% der
Gewalttaten von sogenannten nichtextremistischen Linken verübt werden, darunter
zahlreiche Brand- und Sprengstoffdelikte sowie Körperverletzungen. Die Forscher
beklagen, dass die Sicherheitsbehörden zunehmend Probleme mit der
Differenzierung von links bzw. linksradikal oder linksextrem hätten, und konstatieren,
dass es den radikalen Linken gelungen ist, „in einigen Politikfeldern
maßgeblichen Einfluss auf den linken Flügel und zum Teil auch auf die linke
Mitte der Parteien und der Medien zu gewinnen“.
Also, noch einmal zur geistigen und emotionalen Verarbeitung
kurz weg von der Interpretation und hin zu den reinen Zahlen: Unter den noch
nicht einmal „Linksextremen“ sind fast 10% der deutschen Bevölkerung für den Gebrauch
politisch motivierter Gewalt. Das muss man erstmal sacken lassen. Doch es geht
weiter: 46% der Befragten votierten
für die Abschaffung des staatlichen Gewaltmonopols, also für individuelle
Gewalt, egal für wen. Dies ist natürlich auch ein Ausdruck des nachvollziehbar
schwindenden Vertrauens in die Demokratie und ihre Institutionen. Mehr als 60%
glauben nicht mehr, in einer echten Demokratie zu leben, da die Wirtschaft und
nicht die Wähler das Sagen hätten.
Nahezu 50% konstatierten wohl eher paranoid, jedenfalls frei
von jeder belegbaren Erkenntnis, eine zunehmende Überwachung linker
Systemkritiker durch Staat und Polizei, was 27% zu der Befürchtung brachte,
dass Deutschland durch eine zunehmende Überwachung von Bürgern auf dem Weg in
eine neue Diktatur sei.
Kein Wunder, wenn 16% der Bevölkerung die kommunistische
These, „Kapitalismus führt letztlich zu Faschismus“, bejahen und 35% sich eine
wirkliche Demokratie nur ohne Kapitalismus vorstellen können. Solche Thesen
mögen ja durchaus diskutierbar sein, sie zeigen aber, dass ein relevanter Teil
der deutschen Bevölkerung nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes steht. In
der Konsequenz forderten 20% der Befragten eine neue, vermutlich
linksorientierte Revolution. Knapp
60% der Ostdeutschen und 37% der Westdeutschen halten den
Sozialismus/Kommunismus tatsächlich weiter für eine gute Idee, die bisher nur
schlecht ausgeführt worden sei. Und wir hatten 1990 doch noch geglaubt, das
Thema sei jetzt endgültig durch.
Das linke Milieu bietet nach Ansicht des Forschungsprojektes
jedenfalls gleichermaßen Schutz und Projektionsfläche für die extreme Linke. Viele
Versatzstücke linksextremen Denkens fänden sich sogar schon im politischen
Mainstream, ohne dass diese gleich als linksextrem assoziiert würden. Da kann
sich auch Frau Schwesig angesprochen fühlen, aber wenn es nach ihr gegangen
wäre, hätte es all diese Erkenntnisse des aus dem Bundesprogramm „Initiative
Demokratie Stärken“ finanzierten Forschungsprojekts wohl erst gar nicht
gegeben.

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen - dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
AntwortenLöschenEin ausgezeichneter Artikel, den ich weiterempfehlen kann.
Vielen Dank. :-)
AntwortenLöschenWir werden unser Land weder Islamisten, Salafisten und Deutschlandhassern überlassen. Wenigstens nicht kampflos..
AntwortenLöschenWer wäre jetzt "wir"?
AntwortenLöschenSchade, dass man das erklären muss. Das "Wir" steht wohl für jeden aufrichtigen Deutschen, der das auch bleiben möchte. Natürlich können Sie sich auf vor eine pöbelnde und Steine werfende Horde Antifanten stellen und ihnen Stuhlkreisgespräche anbieten. Ich denke ein wenig erfolgversprechender und schmerzhafter Weg..
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