Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 26. April 2014

Der Bürokraten tEUre Taten

Ein EU-Witz macht die Runde, und der geht so: „Anruf in der Notzentrale. ‚Wir sind in der Hand skrupelloser Verbrecher und brauchen dringend Hilfe’. ‚Wo sind Sie und wie viele?’ ‚In Deutschland und rund 80,5 Millionen.’“ Witze sind oft der Versuch, sich trotz Sprachlosigkeit zu artikulieren. Die Auslieferung an eine fremde Machtzentrale außerhalb der eigenen Landesgrenzen und die Erfahrung, deren Entscheidungen irgendwo zwischen fragwürdig und kontraproduktiv einordnen zu müssen, hinterlässt dieses Gefühl der Sprach-, genauer: Hilflosigkeit. Deshalb werden auch die Absurditäten der europäischen Politik so weitgehend widerstandslos hingenommen; sie werden geduldet, weil sich die Menschen machtlos fühlen. Kritik keimt manchmal, wenn die überbordende Bürokratie zum Thema wird. Wenn den Menschen bewusst wird, dass 55.000 hochqualifizierte und teuer bezahlte Beamte eine Arbeit für Europa verrichten, ohne die vermutlich alles mindestens genauso gut wenn nicht besser funktionieren würde.

Samstag, 19. April 2014

Kybern für Anfänger

Bild: Sebastian Kaulitzki
Was ist daran falsch, wenn es der Tier- und Pflanzenwelt in der Berliner Müggelspree möglichst prächtig gehen soll? Warum protestiert ausgerechnet die linke Gesundheitsstadträtin des Bezirks Köpenick gegen diesen Zustand? Kann es hier überhaupt mehr als zwei Meinungen geben? Der Widerspruch ergibt sich ganz einfach aus der unterschiedlichen Interessenlage von Tieren, Pflanzen und Menschen und was die maßgeblichen Kräfte unserer Gesellschaft daraus zu machen gedenken. Einerseits haben seit Jahrhunderten an den traditionsreichen Badestellen Menschen gebadet, und von Tieren und Pflanzen ist da noch nichts zu sehen. Andererseits gibt es eine so umweltfreundliche wie menschenfeindliche „Wasserrahmenrichtlinie der EU“, die nach moralisch Höherem strebt und die sich die Politkommissare der Stadtentwicklungsverwaltung zu eigen gemacht haben. So können unterschiedliche Interessen, Fakten und Argumente aus einer wirklichen Wirklichkeit plötzlich viele Wirklichkeiten machen.

Samstag, 12. April 2014

Enorm konform

Wenn über Kanzlerin Merkel auf Seite eins einer angesehenen Zeitung berichtet wird, sie wolle einen Streit „versachlichen“, weil es in der eigenen Partei „immer schrillere Töne“ gebe, ist das keine politische Information, sondern ein Hinweis auf den Zustand unserer Medien. Ein Artikel, der in seiner Machart nicht als Einzelfall, sondern als Teil des Mainstreams schrill und unsachlich wertet, zeigt, dass der Wertekanon der Presse in eine Krise geraten ist. Unübersehbar dreist wird hier schon in der Wortwahl unverfroren parteigenommen - eigentlich eine Todsünde des Journalismus, jedenfalls dessen, der sich noch an Werte gebunden fühlte. Tatsächlich ging es hier um die Debatte zur Armutseinwanderung, bei der einige Mitglieder der ehemaligen Volkspartei CDU nicht mehr bedingungslos der Führung bei ihrer Einwanderungspolitik folgen wollten. Und deshalb sagt uns dieses Zitat auch noch ein zweites: Der Journalismus hat sich von einer korrigierenden Gegenkraft zur willfährigen Gefolgschaft der Mächtigen entwickelt.

Samstag, 5. April 2014

Denkste?!

Beim Besuch religiöser Webseiten besteht ein dreimal höheres Risiko, sich einen Computervirus einzufangen, als auf sogenannten erotischen Seiten. Die US-Computer-Sicherheitsfirma Symantec, die die Studie dazu erstellte, vermutet, dass die Pornobetreiber ein höheres Interesse haben, sichere Seiten anzubieten, um die User nicht zu verprellen. Das mag so sein, aber es erfasst nicht das ganze Phänomen. Beispielsweise könnte man mutmaßen, dass religiöse Seiten aus ideologischen Gründen stärkeren Angriffen ausgesetzt seien oder voller Gottvertrauen weniger technische Vorkehrungen träfen, um Hacker abzuwehren. In fast jeder Sache gibt es so einen „geheimen“ Content, doch in einer auf Erfolg und einfache Antworten ausgerichteten Gesellschaft muss meist die verkürzende „Wenn-Dann-Funktion“ ausreichen. Das ist im Einzelfall schon misslich, doch als System-Faktor eine Katastrophe. Abhilfe böte ein neues Denken, ein „kybernetisches“ Denken, wenn unsere Kultur es denn nur zuließe.

Samstag, 29. März 2014

Schönheit muss sch(n)eiden

Bildquelle: Jantoo.com
Die Zahl der medizinisch nicht notwendigen Schönheitsoperationen in Deutschland steigt so rasant, wie die der Menschen sinkt, die Politikerversprechungen noch glauben. 2011 begaben sich rund eine Million Deutsche der Schönheit zuliebe unters Messer. Manchmal hilft das, aber manchmal sehen die, die dem Schicksal nachhelfen wollten, hinterher nicht viel besser aus als Frankenstein persönlich. In jedem Falle handelt es sich dabei nicht bloß um ein gesellschaftliches Phänomen, sondern um ein gesellschaftliches Problem. Kein Thema sind jene Operationen, mit denen die Opfer von Brustkrebs oder Verbrennungen möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden. Nicht einmal das Anlegen von Segelohren soll hier infrage gestellt werden. Doch beim näheren Betrachten des Geschäfts mit der künstlichen Schönheit offenbart sich, dass mit dem durch den Schönheits- und Jugendwahn induzierten Eingreifen in den Bauplan der Natur sowohl der Einzelne als auch die Gesamtgesellschaft verlieren müssen.

Donnerstag, 27. März 2014

Nach-Gedacht: Freiwilds Echo

Was für ein Echo. Nachdem die Südtiroler Band Frei.Wild vor fast genau einem Jahr wegen der Boykottdrohung einiger politisch besorgter „Kollegen“ vom Echo, dem wichtigsten Preis der deutschen Musikindustrie, ausgeschlossen wurde, gab es nun für die heutige Neuauflage gleich zwei bemerkenswerte Reaktionen: Erstens distanzierte sich die Musikindustrie von ihrem damaligen Verhalten, indem sie die Heimat-Rocker demonstrativ erneut nominierte, zweitens distanzierten sich Frei.Wild diesmal vom Echo. Beides sind beherzte Reaktionen.

Samstag, 22. März 2014

Wie die Medien sich erledigen

„In Kiew erschossen sich Menschen auf offener Straße“, schrieb kürzlich das bürgerliche Renommier-Magazin „Zeit“ (-online). Donnerwetter, das ist ja auch eine Meldung: Nicht nur dass die da Bürgerkrieg haben, sie scheinen auch massenhaft öffentlichen Selbstmord zu begehen. Doch keine Sorge, es handelt sich nur um die fehlende sprachliche Kompetenz des Autors Steffen Dobbert (von Beruf Sportreporter) und die Unfähigkeit einer medialen Instanz mit intellektuellem Führungsanspruch, selbst einfache Fehler vor der Drucklegung zu korrigieren. Da wundert es nicht, wenn eine andere Qualitätszeitung in der Überschrift schreibt: „Wir bleiben so lange hier, wie wir gebaucht werden“. So geht es täglich die Medien rauf und runter. Einfache Schreibfehler paaren sich mit inhaltlichen Mängeln und schlichter Schlamperei, was die Akzeptanz und das Vertrauen in unsere Informationsmedien grundlegend erschüttert. Die Fehltritte sind im Einzelnen zwar oft ziemlich komisch, aber in der Summe wirft es ein beängstigendes Bild auf das Können, die Sorgfalt und die Leistungsbereitschaft in unserer Gesellschaft.